Viele Projektideen für den Wettbewerb Jugend forscht entstehen durch Zufall im Alltagsgeschehen. So war es auch bei den drei Siebtklässlerinnen Hannah Marx (12) und Amelie Horlacher (13), beide aus Untermünkheim, sowie Mara Kühnlein (13) aus Kupfer. Sie besuchen das Gymnasium bei St. Michael (GSM) in Hall und gehen morgen in der Juniorensparte Schüler experimentieren (bis 14 Jahre) beim Regionalwettbewerb Heilbronn-Franken in Künzelsau an den Start. Bis auf zwei der 18 GSM-Schüler nehmen alle bei der Juniorensparte teil.
Die drei Freundinnen stießen beim Puddingmachen auf ein physikalisches Phänomen. Die angerührte Nachspeise wollte nicht gelingen und hatte eine komische Konsistenz: weder flüssig noch fest. Die drei Schülerinnen haben recherchiert und sind auf einen Begriff gestoßen: nicht newtonsche Flüssigkeit. Diese weist ein besonderes Fließverhalten auf, erklären die Mädels in der Forscher-AG, die von den Lehrern Achim Knaak und Joachim Kern betreut wird. Davor hatten die Schülerinnen den Begriff „nicht ­newtonsche Flüssigkeit“ noch nie gehört. Für die schriftliche Ausarbeitung galt es, die sogenannten „Scherkräfte“ zu erläutern, denn die Masse verhält sich am Boden der Schüssel anders als an der Oberfläche. Unten ist sie fest, oben wabbelig und flüssig.

Öl, Honig und Apfelessig

Hannah, Mara und Amelie wollten herausfinden, mit welchen Flüssigkeiten die eigenartige Konsistenz noch erzeugt werden kann. Grundlage bei allen Experimenten war immer die gleiche Menge Kartoffelstärke zum Binden der Flüssigkeit. Verwendet wurden zum Beispiel Öl, Honig, Eigelb, Milch, Sahne und Apfelessig. „Mit Öl entsteht eine honigartige Masse“, sagt Mara. „Mit Sahne wird daraus cremige Butter“, beobachtet Amelie. Mit Milch und Eigelb habe es am besten funktioniert. Neben dem ernsthaften Experimentieren kommt aber auch der Spaß nicht zu kurz. Die Pampe verleitet dazu, „drin rumzumanschen“, sagt Hannah und grinst.
Ein weiteres Dreiergespann geht bei Schüler experimentieren an den Start. Die 13-jährigen Schüler Julian Olp aus Michelbach/Bilz sowie Johannes Bauer und Amin Shahin, beide aus Hall, nehmen zum zweiten Mal teil. 2018 präsentierten sie einen Teelichtofen. Auch dieses Mal haben sie sich mit dem Thema Wärme – genauer mit der Wärmedämmung – auseinandergesetzt.
In einer Holzkiste steht eine kleine Kiste. Darin liegen zwei Gewichte aus Eisen, die mithilfe eines Wasserkochers auf eine Temperatur von 90 Grad erhitzt wurden. Nun werden verschiedene Dämmmaterialien, zum Beispiel ein Schwamm, Styropor, Zeitungspapier und Watte um die kleine Kiste gelegt, alle sind zwei Zentimeter dick. Mithilfe von Wärmesensoren und einem PC-Programm werden die Temperaturunterschiede innerhalb eines Zeitraums von 15 Minuten aufgezeichnet.
Überrascht sind die drei, wie gut das Zeitungspapier dämmt. Auch die Watte speichert die Wärme. Der Schwamm liegt im Mittelfeld. Der Schluss, den die drei Jungforscher ziehen: Je mehr Luft im Stoff vorhanden ist, desto besser dämmt er.
Auch wenn Julian, Johannes und Amin schon 2018 am Wettbewerb teilgenommen haben, sind sie nach wie vor aufgeregt, wie er ablaufen wird. Im vergangenen Jahr haben sie den dritten Platz im Bereich Physik belegt. Auch in diesem Jahr wollen sie unter den ersten drei landen.

Seit der Grundschule ein Team

Lea Egetemeyer und Klara Schweizer, beide 13 und aus Bühlertann, kennen sich schon lange. Auf dem Schulweg stellten die beiden fest, dass an Pflanzenblättern das Regenwasser in Form von Tropfen abperlt. Diese behalten ihre Oberflächenspannung. Man nennt dies den Lotuseffekt.
Lea und Klara haben sich mit dem Aufbau des Blattes beschäftigt und herausgefunden, dass dieses eine wachsartige Oberfläche aufweist, die das Wasser abstößt. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist „hydrophob“, also wasserabweisend. Stoffe, die diese Eigenschaft besitzen, sind gleichzeitig auch „lipophil“, also fettliebend.
Die Freundinnen haben sich gefragt, ob dieser Effekt auch mit anderen Flüssigkeiten und  Oberflächen auftritt. Verwendet haben sie zum Beispiel Honig, Sirup, Ruß, destilliertes Wasser, Teflonspray, Metall und Kerzenwachs. Herausgefunden haben die beiden Jungforscherinnen, dass sich der Lotuseffekt auch mit Sirup auf Kerzenwachs und Wasser auf Teflonspray zeigt.
Für Marlene Kern aus Ilshofen und Kara Knöller aus Sulzdorf, beide 12, hält die Teilnahme an der Forscher-AG eine Besonderheit bereit, denn die beiden betreuenden Lehrer sind ihre Väter. Das habe Vor- und Nachteile. Man könne auch zu Hause Fragen klären, aber manchmal wolle man auch in Ruhe arbeiten, ohne dass der Papa mit kritischem Blick über die Schulter schaut. Marlene und Kara haben sich den ­Fischen in den Schulaquarien gewidmet. Was können diese wahrnehmen? Die beiden Jungforscherinnen haben die Reaktion auf verschiedene Formen, Farben, Töne sowie auf die Helligkeit in Verbindung mit der Fütterung getestet.

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Weitere Projekte am GSM für Jugend forscht

Claudio Lehmann und Thorben Ambacher werden zu Hause betreut. Ihre Arbeit trägt den Titel „Salz, der heimliche Killer“. Micha Zipperer aus der 9. Klasse untersucht die Biegefestigkeit von Metallproben. Er und Marcus Lay sind die beiden Einzigen vom Gymnasium bei St. Michael, die an Jugend forscht ab 14 Jahren teilnehmen. Marcus misst die Leistung am Fahrrad. Maria Sophie Wenger und Elisabeth Bergmann gehen mit dem Thema „Klangrohr: Tonhöhe in Abhängigkeit von der Länge“ ins Rennen. Klara Bauer und Amelie Gritzki haben sich auf die Suche nach der perfekten Salatsoße gemacht. ena