Ein Teelöffel Honig in den Kaffee – so konsumiert Imker Julian Durchdenwald sein gelbes Gold am liebsten. Auch wenn ihm bewusst ist, dass die besten Eigenschaften des Honigs dadurch verloren gehen. Bei 40 Grad fangen Proteine und Enzyme an, sich abzubauen. Wird es heißer, verabschieden sich auch die vielen B-Vitamine und Flavonoide. Allerdings nur, wenn die hohe Temperatur längere Zeit gehalten wird. „Kurzes Erhitzen ist kein Problem“, bestätigt Durchdenwald. Er sitzt in einer Gartenlaube in Spöck. In diesem Ottendorfer Teilort wohnt er seit elf Jahren. Für unsere Aktion „Hier sind wir zu Hause“ erzählt er, wie Honig am gesündesten ist und warum der heimatverbundene Imker für die Bienen seinen vorherigen Job aufgab.

Von Würth zur Imkerei: Heute dreht sich bei Julian Durchdenwald alles um Bienen

Der Blick reicht über zahlreiche Bienenstöcke. Überall summt es. Überall ist es grün. Nur Wiesen und Wälder liegen in der näheren Umgebung. 13 Jahre lang hat Durchdenwald bei Würth gearbeitet, teilweise im Außendienst. Heute ist er Imker aus Leidenschaft. Anfangs war die Welt der Bienenprodukte nur ein Hobby. Ein Nachbar hatte ihn 2015 gefragt, ob er mit zu einem Imker-Anfängerkurs kommen wolle. „Es hat mich dann aber mehr und mehr fasziniert und interessiert. Da wollte ich wissen, ob ich auch davon leben kann“, erzählt der 39-Jährige. Das kann er. Inzwischen hat er mehrere Fortbildungen absolviert und betreut rund 170 Völker, davon etwa 70 Ableger – also Nachzüchtungen. Sie dienen der Sicherheit, falls ein wirtschaftliches Volk ausfällt.
Sie stehen größtenteils auf seinem Grundstück in Spöck, wo er mit seiner Frau und drei Kindern wohnt. Das Haus liegt am Ortsrand, Obstbäume und Nadelbäume stehen in naher Entfernung – die perfekte Umgebung für Bienen. Durchdenwald berichtet: „Die Waldhonigernte dieses Jahr ist gut.“ Er entsteht durch das Sammeln von sogenanntem Honigtau, der von Schild- und Blattläusen ausgeschieden wird. Der Imker hat aber auch Blütenhonig und Tannenhonig. Linden- und Kastanienhonig gab es heuer kaum – „das liegt wohl an der Trockenheit“, mutmaßt Durchdenwald.

Am besten pur essen: So behält Honig all seine Vitamine und Nährstoffe

Wald- und Blütenhonig hat er persönlich am liebsten, auch wenn die Vorliebe zeitweise variiere. „Waldhonig schmeckt man aber kaum aus dem Kaffee raus.“ Wer jedoch die vollen Wirkstoffe aus dem Naturprodukt ziehen will, sollte ihn pur essen. „Auf Brot zum Beispiel.“ Einen Schlemmertipp hat Durchdenwald: „Akazienhonig über frisch gebackene Waffeln geben, das ist ein ganz feiner Geschmack.“ Aber auch einfrieren kann man Honig. Wer ihn verbackt oder in den Tee gibt, verzichtet auf Vitamine und Enzyme, der Geschmack jedoch bleibt. Auch ist Durchdenwald ein Fan von Met, Honigwein. Den lässt er in Gaildorf aus eigener Ernte herstellen.
Den vertreibt er zusammen mit seinen zahlreichen anderen Bienenprodukten auf Wochen-, Krämer- und Weihnachtsmärkten. „Ich habe Kerzen, Seife, Bonbons, Blütenpollen, Propolis, Handcreme und andere Kosmetik im Sortiment“, erzählt der Imker. Teilweise kauft er auch zu, der Honig kommt jedoch nur aus eigener Herstellung.
Einen Dienst bietet der gelernte IT-Systemelektroniker allerdings nur bei sich zu Hause an: eine Therapiemöglichkeit bei Allergien gegen Pollen. Bienenstockluft inhalieren soll helfen – eine Garantie gibt es allerdings nicht. Genauso wie für andere potenzielle Heilkräfte von Honig. „Er hilft bei der Wundheilung, Verdauungsproblemen und vielem mehr“, so Durchdenwald. Auf Wunden sollte allerdings nur medizinischer Honig aufgetragen werden – wegen der Gefahr von Keimen.

Propolis: Gut bei Entzündungen

Und auch auf anderen Gebieten ist Honig heilsam. Dank seiner entzündungshemmenden Wirkung hilft er bei Husten. Es gibt auch noch das kraftvolle Bienenharz Propolis. Julian Durchdenwald erzählt: „Gelöst in Alkohol hilft es zum Beispiel gegen Entzündungen im Mundraum oder bei eingerissenen Nägeln.“ Außerdem ist Propolis antibiotisch, antiviral und antimykotisch. „Man kann, damit es besser schmeckt, Propolis auf einen Teelöffel Honig geben“, empfiehlt der Experte. Dadurch bleibt das Propolis auch länger im Mundraum.
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Info „Hier sind wir zu Hause“ geht weiter. Am 11. September ist die Rundschau in Gaildorf anwesend. Los geht es um 11.30 Uhr.
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Schlemmertipp: Wildlachs mit Waldhonig-Teriyaki-Soße

Zutaten:
- 60 ml Sojasoße
- 1 EL geröstetes Sesamöl
- 1 EL Wasser
- 2 Knoblauchzehen fein gehackt
- 1 TL frischer Ingwer, fein gehackt
- 30 g Waldhonig
- 250 g Wildlachsfilet
- 1 EL Olivenöl
Zubereitung:
1. In einem kleinen Topf Sojasoße, Sesamöl, Wasser, Knoblauch und Ingwer erhitzen und kurz köcheln lassen. Honig unterrühren.
2. Das Lachsfilet waschen und trocken tupfen. Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Lachsfilet darin auf beiden Seiten je nach Geschmack und Filetstärke wenige Minuten braten.
3. Wildlachsfilet portionsweise anrichten, mit der Teriyaki-Soße übergießen. Dazu schmecken Wokgemüse und Basmatireis.
Das Rezept ist dem Buch „Honig – Das Kochbuch“ von Eva Derndorfer und Elisabeth Fischer entnommen.

Mitglied im Bezirksimkerverein Gaildorf

Julian Durchdenwald ist wie rund 160 weitere Imker Mitglied im Bezirksimkerverein Gaildorf. Dieser wurde 1877 gegründet und betreut heute etwa 1000 Völker in sieben Bezirken von sechs Gemeinden im Limpurger Land. Als „ideal für die Bienenhaltung“ bezeichnet der Verein die naturnahe Landschaft mit waldreichen Höhenzügen, Weideflächen, Streuobstwiesen und Flußtälern des Kochers, der Bühler und der Rot. Vorsitzender ist Kurt Schukraft. ako