Säge und Hammer kommen an diesem sonnigen Juni-Nachmittag auf dem Untermünkheimer Mühlberg zum Einsatz. Doch es sind nicht etwa Handwerker, die dort ihrer Arbeit nachgehen. Volker Balle baut mit seinen Enkeln Jakob (6) und Mattheus (3) auf der am Hang liegenden Streuobstwiese hinter dem Wohngebäude ein stabiles Baumhaus. „Die Buben haben hier im Apfelbaum schon selbst gewerkelt. Nun perfektionieren wir ein bisschen“, sagt er und lächelt. Nach Lächeln ist ihm seit einigen Wochen oft zumute, denn in seinem Leben hat sich etwas Grundlegendes verändert: Seine Tochter Malin ist mit ihrem Mann Dr. Johannes Bleher und den drei Kindern – das Kleinste ist Esther Lotte mit neun Monaten – bei ihm und seiner Frau Christiane eingezogen. Jetzt ist richtig viel Leben in der Bude.
Ganz so turbulent wird es aber nicht bleiben. Neben dem Wohnhaus entsteht ein kleinerer Anbau mit 65 Quadratmetern Wohnfläche. Sobald dieser fertig ist, ziehen Volker und Christiane Balle dort ein. Die Blehers übernehmen dann das große Haus. 200 Quadratmeter zum Leben, Spielen und Genießen stehen der fünfköpfigen Familie künftig zur Verfügung. Für diese Art des Mehrgenerationenwohnens haben sich alle Beteiligten ganz bewusst entschieden. Es soll ein Miteinander und Füreinander entstehen.
Dr. Johannes Bleher ist im Untermünkheimer Teilort Enslingen aufgewachsen, Malin Bleher direkt in Untermünkheim. Kennengelernt hat sich das Paar bereits im Teenageralter als Mitarbeiter des Kinderferienprogramms der evangelischen Kirchengemeinde. Seit zehn Jahren sind sie verheiratet und zehn Jahre waren sie aus beruflichen Gründen auch weg von Untermünkheim. Johannes Bleher war unter anderem parlamentarischer Assistent der damaligen Europaabgeordneten Dr. Inge Gräßle in Brüssel. Tübingen (Studium), Stuttgart und Filderstadt waren weitere Stationen. Malin Bleher ist Hebamme und hat ihre Ausbildung in Stuttgart absolviert.
Vor vier Jahren ist das Ehepaar mit ihren zwei Söhnen zurück nach Untermünkheim gekommen. „Das hatte gleich mehrere Gründe“, erzählt der 33-Jährige. Seiner Frau und ihm habe es in Untermünkheim schon immer gut gefallen. Wie schön es in der Heimat ist, hätten sie tatsächlich erst in der Ferne festgestellt. Malin Bleher sagt: „Wir haben hier ein enorm gutes soziales Netz.“ Nicht nur beide Eltern leben in der Kochertalgemeinde, auch die Geschwister und deren Kinder. „Uns hat die Idee gut gefallen, dass unsere Kinder mit der ganzen Familie aufwachsen“, betont die 32-Jährige.
„Das Zusammenleben mehrerer Generationen nebeneinander fanden wir eine sehr charmante Idee“, ergänzt ihr Mann. Wenn beide Elternteile weiterhin arbeiten gehen möchten, sei das soziale Umfeld sehr wichtig. Die Kinder wollte das Paar zur Betreuung nicht ganztägig in die Krippe geben. Da sie als freiberufliche Hebamme zeitlich sehr flexibel sein muss, war für Malin Bleher die Aussicht, die Eltern nebenan als Unterstützung zu haben, erleichternd.
Bereits mehrere Jahre habe die Idee, das Elternhaus zu übernehmen und für die Eltern einen Anbau zu verwirklichen, im Raum geschwebt. Im Vorfeld wollte die Familie aber erst einmal in einer nahe gelegenen Mietwohnung leben, um sich an ein gemeinsames Zusammenleben heranzutasten. Dann stand fest: „Das passt, es ist schön. Wir kommen prima miteinander aus.“ Nun konnte sie niemand mehr von der Verwirklichung ihrer Idee abhalten, zumal das Wohnhaus für Volker und Christiane Balle zu groß geworden war. „Anfang 2020 haben wir mit der Planung begonnen“, erzählt Johannes Bleher. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler ist mittlerweile als Projektkoordinator an der Universität Hohenheim tätig: „Das Tolle daran ist, dass ich viel über Homeoffice machen kann.“ Nur einmal die Woche sei derzeit seine Präsenz nötig.

Kinderturnen beim Tura

Das junge Ehepaar begrüßt es, dass der Kindergarten und die Grundschule im Ort sind. Auch Einkaufsmöglichkeiten und ein Geldinstitut gebe es – erreichbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Glück­lich ist das Paar über die aktive Kirchengemeinde, in der sie sich selbst engagieren.
„Seit Neuestem bin ich Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr, im September will ich die Grundausbildung machen“, berichtet Johannes Bleher und just fällt ihm noch etwas ein: „Seit kurzem bin ich CDU-Ortsvorsitzender von Untermünkheim/Braunsbach.“ Malin Bleher ist seit 2019 Gemeinderätin. Das Angebot „Kinderturnen“ des Sportvereins Tura nimmt die Familie gerne wahr. Jakob spielt im Verein begeistert Fußball.
Dass Untermünkheim eine schöne Gemeinde für junge Familien ist, zeigt sich für die Blehers bereits wenige Wochen nach ihrem Umzug von der Ortsmitte auf den Mühlberg: „Unsere Kinder spielen schon jeden Tag in einem anderen Garten“, sagt Malin Bleher lächelnd.
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