Frisches, knackiges Bioland-Gemüse aus der Region, das wird es in naher Zukunft noch in viel größeren Mengen geben. Die Nachfrage von Kunden des Bioland-Betriebes Hof Engelhardt in Schönenberg ist so stark gestiegen, dass der Platz im drei Jahre alte Gewächshaus nicht mehr ausreicht, um genügend Eigenware zu produzieren. Nun reagieren die drei gleichberechtigten Gesellschafter Hartmut Engelhardt und seine Söhne Jonas und Hannes: Das Gewächshaus wird um weitere 3600 Quadratmeter vergrößert. Auch eine neue Packhalle soll in Kürze entstehen. Der Hof Engelhardt beliefert derzeit pro Woche rund 2000 Kunden mit seiner Ökokiste, Tendenz steigend.

Region weiter stärken

Mit dem Schritt der erneuten Expansion soll die Region weiter gestärkt und die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Durch den Einstieg der beiden Söhne – beide Gärtnermeister der Fachrichtung Gemüsebau – als Gesellschafter kommt frischer Wind und jüngstes Know-how ins Unternehmen. Hannes Engelhardt (23) zeichnet für das Gewächshaus verantwortlich, sein älterer Bruder Jonas (27) für den Freiland-Gemüsebau. Hartmut Engelhardt kümmert sich um den Lieferservice der Ökokiste sowie um die Wochenmärkte, auf denen das erzeugte Bioland-Gemüse zum Kauf angeboten wird, wie beispielsweise im Kocherquartier in Schwäbisch Hall.
Der Betrieb hat rund 50 unterschiedliche Gemüsekulturen aus eigenem Anbau. „Wir vermarkten eine große Menge selbst“, sagt Hannes Engelhardt. Darüber hinaus werden Läden in der Region sowie der regionale Fachhandel mit inhabergeführten Strukturen und starker Bio-Ausrichtung beliefert.
Im gesamten Unternehmen sind 90 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit beschäftigt, für die Ökokiste arbeiten davon 50. Um dem gestiegenen Platzbedarf Rechnung zu tragen, wird nun die Packhalle gebaut. Im Erdgeschoss findet die gesamte Logistik Platz, im Obergeschoss sind Büroräume für die Kundenbetreuung, die Verwaltung und den Einkauf sowie Sozialräume vorgesehen. Der Verpackungsbereich im Erdgeschoss wird in drei Gruppen unterteilt: Obst/Gemüse, Trockenprodukte sowie der Kühlbereich mit Molkereiprodukten, Käse, Fleisch und Wurst. Die Ökokiste von Engelhardt wird im Norden und Osten Baden-Württembergs ausgeliefert. „Und das soll auch so bleiben“, betont Hartmut Engelhardt. „Unser Ziel ist, in diesem Gebiet neue Kunden zu gewinnen.“

„Trend wird anhalten“

Dass die gestiegene Nachfrage nach Engelhardt-Produkten der Corona-Pandemie geschuldet ist, davon ist der Senior­chef überzeugt. Dennoch glaubt er, dass der Trend weiter anhalten wird: „Es hat etwas mit Genuss, mit gesunder Ernährung, Nachhaltigkeit durch kurze Transportwege und Biodiversität zu tun. Das bewegt die Menschen.“ Hummel-Völker helfen übrigens bei der Bestäubung im Gewächshaus, gegen Läuse werden sogenannte Nützlinge eingesetzt.
In jedem Gewächshausabteil wachsen 3000 regionale Bioland-Pflanzen. Eine Ernte ist in den CO2-neutralen Glashäusern bis Anfang November möglich. Bewässert werden die Pflanzen über eine eigene Teichanlage, in der das Regenwasser der Dächer gesammelt wird. Geheizt wird durch eine Hackschnitzelanlage, die im Rahmen der Erweiterung ebenfalls wachsen wird. Über eine Fotovoltaikanlage wird der Strom produziert.
In den vergangenen drei Jahren haben die Engelhardts in ihrem ersten Gewächshaus einige Tomatensorten getestet. Das Ziel sei gewesen, einen möglichst guten Geschmack zu erreichen. „Meine Idee war, eine kleine Aromatomate anzubauen“, berichtet Hartmut Engelhardt. Bald war klar, dass die klassische Strauchtomate bei der richtigen Sortenauswahl im Gewächshaus nicht nur prächtig gedeiht, sondern auch ein sehr gutes Aroma entwickelt, welches Kunden schätzen. Wenn der Kunde dann die Rückmeldung gibt, das Gemüse schmecke wie bei seiner Oma, dann sei das das schönste Kompliment, sagt der 55-Jährige und lächelt.
„Der sorgsame Umgang mit den heimischen Böden hat bei uns eine mehr als 300-jährige Tradition“, betont Jonas Engelhardt. Dies wird in den Gewächshaus-Abteilen deutlich: „Wir arbeiten anders als die Niederländer. Unsere Pflanzenstängel wachsen nicht auf Steinwollehäufchen, sondern auf echtem Schönenberger Mutterboden“, berichtet Hannes Engelhardt und zeigt auf die Pflanzreihen. Auch das Thema Fruchtfolge spielt im Gewächshaus eine Rolle: Um die Gesundheit der Pflanzen zu sichern, werde jährlich die Reihenfolge der Gemüsearten geändert. Gedüngt wird im Bioland-Betrieb ausschließlich organisch.

Mehr als eine Modeerscheinung

Beobachtet haben die Engelhardts, dass die vegane und vegetarische Ernährung weiter Aufwind bekommt. „Diese Ernährungsform hat sich mittlerweile weit über eine Modeerscheinung hinaus entwickelt“, ist der Seniorchef sicher.
Bewerten Sie Ihre Gemeinde! Hier geht es zur Umfrage:
www.meinhallertagblatt.de/untermünkheim