Mit den Prinzessinnen Aida und Amneris stehen in der neuesten Treppen-Inszenierung der Schwäbisch Haller Freilichtspiele gleich zwei Powerfrauen im Mittelpunkt. Meike Düppers gehört eher zu den Frauen, die das Musical aus dem Hintergrund zum Erfolg machen.

Die Werke der Wahl-Mainzerin kennt fast jeder in der Stadt. Seit 2013 verwandeln sie während der Spielsaison die Treppe vor St. Michael immer wieder in eine Theaterkulisse, die tagsüber zum beliebten Fotomotiv wird. Unvergessen ihr riesiger Drache, der in „Die Tochter des Salzsieders“ unter den Stufen hervorschnaubte, ebenso der Ochse und der Esel für „Don Camillo und Peppone“, die kurzfristig zum Wahrzeichen des Marktplatzes wurden, oder Schillers „Räuber“, denen die Bühnenplastikerin im wahrsten Wortsinn Herz, Hand und Fuß gab. Aktuell ist es die markante Landschaft aus wuchtigen Felsen, zwischen denen Aida liebt und leidet.

Eines hat Meike Düppers sicher nicht: Einen langweiligen Lebenslauf. Sie ist das, was man landläufig einen Tausendsassa nennt. Vom Studium der Biologie über das Schreiben von Computerlernprogrammen bis zur bildhauerischen Arbeit für die Bühne hat sie sich schon die scheinbar widersprüchlichsten Themenfelder zur Aufgabe gemacht. „Es hat sich stets so gefügt, dass mir interessante Dinge begegneten“, stellt die 59-Jährige fest.

Ministerpräsident Kretschmann besucht Schwäbisch Hall

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Zufällige Begegnungen

Die unterschiedlichen Welten, die sie kennengelernt hat, hätten sich oftmals gegenseitig ergänzt. Manchmal schließe sich der Kreis. So seien in einigen Schauspielhäusern, in denen sie tätig sei, Brandmeldeanlagen von jenem Hersteller installiert, für den sie vor Jahren das Lernprogramm zur zentralen Bedienung schrieb. „In meinem nächsten Leben geh’ ich früher zum Theater“, hat sich die gebürtige Düsseldorferin vorgenommen. Dabei war sie mit 33 noch gar nicht so alt, als sie die Laufbahn als Bühnenplastikerin einschlug. Wie so oft in ihrem Leben, begann alles mit einer zufälligen Begegnung. Bei einem Marionettenkurs erhielt die Frau, die von sich selbst sagt „Ich gehe lieber in den Baumarkt als Klamotten kaufen“, eine Einladung in die Werkstätten des Staatstheaters Mainz. Den Augenblick, als sie den großen Malsaal betrat, vergisst sie nie: „Dort gab es alle Materialien der Welt, und ich war sofort verloren.“ Sie blieb als Praktikantin und absolvierte später die dreijährige Ausbildung.

Schwäbisch Hall

Sie liebe es, etwas zu erschaffen, um das sie herumgehen und es anfassen könne, bekennt Meike Düppers. Im Lauf der Zeit sei sie zur Meisterin im Zweckentfremden geworden: Zerschnittene Wäscheleinen wurden für den „Vetter aus Dingsda“ in Mainz zu Kaktusstacheln, den Kopfschmuck einer großen Juno-Büste für den „Faust II“ im Theater Koblenz drapierte sie aus einer alten Isomatte, schlichte Papprollen verwandelte sie für den „Lebkuchenmann“ des Staatstheaters Darmstadt in überdimensionale Zimtstangen.

Nach Schwäbisch Hall führte sie – wieder einmal – der Zufall. Erst bei ihrer Bewerbung stellte sie fest, dass sie den technischen Leiter der Freilichtspiele aus einer gemeinsamen Zeit im Mainzer Theater kannte. Dort hatte Christian Gentner ihre Fähigkeiten kennen und schätzen gelernt.

25 Stunden je Felsbrocken

Ihre Wirkungsstätte in Hall sind die Werkstätten der Akademie der Künste. Dort entstanden auch die Felsen für das Aida-Bühnenbild. Die Grundform aus Styropor ist hohl, verrät die Kunsthandwerkerin, aber stabil genug, um bespielt zu werden. Die kantigen Oberflächen, bei deren Gestaltung sie sich an Fotos von Findlingen orientierte, sägte und schnitzte sie aus Styroporplatten. Die oberste Schicht besteht aus zahllosen bemalten Stofflappen. Etwa 25 Stunden Arbeit stecken in jedem der neun dicken Brocken. Bei den „Steinen“, mit denen das Liebespaar am Ende der Schwäbisch Haller „Aida“-Inszenierung live im Kirchenportal eingemauert wird, achtete sie auf noch etwas ganz anderes: „Sie müssen sich ohne das für Styropor typische Quietschgeräusch einsetzen lassen.“

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Schwäbisch Hall

Eine Frau mit vielen Talenten

Meike Düppers wurde 1960 in Düsseldorf geboren. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und zweitem Bildungsweg brach sie ihr Biologiestudium zugunsten einer Tätigkeit als EDV-Trainerin in einem großen Handelshaus ab. Eine Fortbildung zur Lernsystem-Analytikerin bildete die Grundlage für die Arbeit als Autorin computergestützter Lernprogramme.

Nach ihrer Ausbildung zur Bühnenplastikerin arbeitete sie unter anderem für die Staatstheater Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und Saarbrücken, die Nibelungenfestspiele Worms, die Kölner Oper, das Theater Koblenz und seit 2013 für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

Außerdem ist sie Bild­hauerin. In ihrem Haus in Mainz bildet sie Radiolarien, das sind winzige, faszinierende Lebewesen, im 6000-facher Vergrößerung aus Papier nach. cito