Geschichte der Amerikaner in Schwäbisch Hall: Flugplatzverein rettet das Schild der Dolan Barracks

Die Mitglieder des Flugplatzmuseums transportieren das Schild ab, das einst über der Straße am Eingang zu den Dolan Barracks hing. Die Fotos hat Udo Illig vom Flugplatzmuseum geschossen.
Privat„Mein Name ist John. Ich war in Schwäbisch Hall in den Dolan Barracks als ich rund 20 Jahre alt war. Ich habe die Zeit wirklich genossen. Die Gegend ist so toll und die Leute sind so nett“, schreibt John Schwegerl aus den USA. In der Facebook-Gruppe „Dolan Barracks“ tauschen sich Veteranen über ihre Erinnerung an die schönste Zeit ihres Lebens aus. In Schwäbisch Hall haben sie die freie Welt gegen den Kommunismus verteidigt. So lautete die Auffassung in den Zeiten des Kalten Krieges.
Dabei taucht auf historischen Fotos oft das Eingangsschild auf, das als leicht gebogenes Banner über dem Haupteingang in Hessental prangte. Heute befindet sich dort der schmucklose Eingang in den Solpark. Nur das große Kunstwerk mit den roten Blüten der Sparkasse ziert den Ort.
Was ist von dem Hall übrig geblieben, dass die Amerikaner bis 1993 geprägt haben? Bis vor kurzem war der Merz-Imbiss einer der Anlaufstellen. Dort schauten die Soldaten heute wie früher gern vorbei. „Ich habe als allererstes eine Wurst in Hall gegessen“, schreibt ein ehemaliger GI auf Facebook. Der Merz-Imbiss ist in neuen Händen. Im Solpark erinnert nur noch ein alter Hangar samt Helikopter-Grafik an die heroische Zeit der Bananenhubschrauber-Einheit „Big Windy“.
Die emotionale Verbindung von vielen Amerikanern zu Hall und auch die Erinnerungen vieler Haller an die Amerikaner sind kaum zu überschätzen. 48 Jahre lang prägten die Soldaten aus den Hessentaler Dolan-Barracks mit ihren Ami-Schlitten, neuer Mode und neuen Tanzstilen das öffentliche Leben in Schwäbisch Hall. Seit 1993 sind sie weg.

Dolan Barracks: Ein riesiges Schild überspannt die Straße. Am Eingangsbereich zum Solpark neben dem Sparkassengebäude sieht es heute ganz anders aus.
Haller Tagblatt ArchivDas Flugplatzmuseum im Haus der Wirtschaft ist wegen eines fehlenden Notausgangs seit rund fünf Jahren geschlossen. Das Hällisch-Fränkische Museum verfügt immerhin über eine Abteilung mit Fotos von Hubschraubern, Uniformen, Dokumenten und einem Pilotensitz.
„Wir haben uns damals dafür eingesetzt, dass das Pförtnerhäuschen und das Schild am Eingang an Ort und Stelle bleiben. Allerdings kam es anders“, berichtet Dr. Armin Panter, Leiter des Hällisch-Fränkischen Museums. Er hat zusammen mit Experten wie dem Amerikaner George Finley, dem stellvertretendem Kommandanten des Stützpunkts, eine eigene Abteilung im Hällisch-Fränkischen Museum eingerichtet. „Wir haben viele Gegenstände aus den Dolan Barracks übernommen“, erläutert der Museumsleiter. Doch die riesige Eingangstafel sei zu groß für das Museum in der engen Altstadt gewesen. Ob das Schild noch existiert, kann Panter auf Anhieb gar nicht sagen. „Es haben erstaunlicherweise mehrere Leute in letzter Zeit danach gefragt.“
Und um genau dieses Eingangsschild über der Straße geht es Raphael Rieger. Der Haller, den viele als ehemaligen Kannenträger der Sieder kennen, hat sich etwas in den Kopf gesetzt: Das alte Schild muss zurück an den Eingang zum Solpark. Über Jahre hat er das Schild oben an der alten Spinnerei auf einem Depotgelände liegen sehen. Er wollte Spendengeld sammeln, um es zu erneuern und aufstellen zu lassen. Das Problem nur: „Als ich hingefahren bin, war es weg.“
Die Spurensuche geht daher erst richtig los. Ein Anruf bei dem Experten für die Geschichte der Dolan Barracks, dem ehemaligen HT-Redakteur Michael Sylvester Koziol, ergibt einen Hinweis auf drei weitere Geschichtsfreunde. Von denen kommt ebenfalls der Tipp: Alte Spinnerei. Irgendwo auf dem Gelände des Backsteingebäudes am Kocher könnte das Schild liegen. Dort lagern auch Gegenstände des Hohenloher Freilandmuseums.
Museumsleiter Michael Happe war zwar zu der Zeit, als die Dolan Barracks in den heutigen Solpark verwandelt wurden, noch gar nicht in Hall. Doch er berichtet: „Ich weiß, wo das Schild liegt. Nämlich direkt auf einer Rampe unseres Lagers. Sie können gerne hinfahren und es sich ansehen.“ Allerdings sei das Schild selbst nicht im Besitz des Freilandmuseums. Es würde auch nicht so richtig zu dem Museum passen.

Die Mitglieder des Flugplatzmuseums transportieren das Schild ab, das einst über der Straße am Eingang zu den Dolan Barracks hing. Die Fotos hat Udo Illig vom Flugplatzmuseum geschossen.
PrivatVor Ort reißen einem die Brombeerranken blutige Kratzer in die Hände, wenn man nicht aufpasst. Von dem Schild fehlt auf dem Gelände jede Spur. Wo es stehen soll, unter dem Vordach einer Scheune auf einer Rampe, ist der hölzerne Tanzboden des Freilandmuseums abgestellt. Stangen, Steine, die oberste Krone der Kunstwerke von der Friedensbrücke: Die Haller Stadtbetriebe lagern Gegenstände auf dem Grundstück, die nicht so aussehen, als würden sie noch einmal benötigt. Keine Spur vom Dolan-Barracks-Schild. Ist der Ort eine falsche Spur?
„Es lagerte jahrelang dort. Ich habe es selbst gesehen“, sagt Jo Waiditschka, Betreiber des Tuk-Tuk-Cafés samt mobilen Verkaufswagen. Er wohnt mit seiner Familie im Vogelholz in Sichtweite der Scheune. Das Schild sei seit einigen Jahren verschwunden, bestätigt er. Keine Fata Morgana also.
Vielleicht haben Vertreter des nahegelegenen Feuerwehrmuseums dem Schild ein besseres Zuhause in trockener Umgebung gegönnt? Schließlich erinnern auch Gegenstände in den Räumen in der alten Spinnerei an die Flugplatzfeuerwehr. „Ich wüsste davon. Es ist nicht in unseren Fundus übergegangen“, verneint Gerd Schäfer vom Museum. Fehlanzeige.

Eine Momentaufnahme aus dem Tower in Hessental. Ray Dauphinais war in den Dolan Barracks bei der Luftraumüberwachung eingesetzt.
Ray Dauphinais/Haller TagblattWurde das Schild geklaut, hat es eine Baukolonne nach der Installation eine Außentreppe einfach mit anderem Schutt und Metallteilen entsorgt? Bleibt als einziger Trost, dass es mindestens drei verschiedene Eingangsschilder gab. Das lässt sich aus historischen Fotos schließen. Lebt wenigstens eines davon noch?
Dann die Lösung. Ein Anruf bei Udo Illig, Vorsitzender des Vereins für die Geschichte des Flugplatzes Schwäbisch Hall, bringt Licht ins Dunkel: „Wir haben das Schild abgeholt. Das war schon vor rund drei Jahren.“ Die Stadtverwaltung habe den Verein vor die Wahl gestellt: Entweder ihr nehmt es, oder es wird entsorgt. „Es lagert in einer Halle in der Nähe der Autobahn bei einem befreundeten Unternehmer ein“, sagt Illig. „Es ist leider in einem sehr schlechten Zustand.“
Sein Verein habe schon mit einer Restauratorin Kontakt aufgenommen. Doch leider habe die Gruppe der Flug- und Geschichtsenthusiasten kein Geld, um das zu stemmen. Ilig ist schon froh, dass endlich der Notausgang am Flugplatzmuseum angebracht wurde. „Ich habe gerade heute mit dem Baurechtsamt telefoniert. Ich gehe davon aus, dass wir das Museum wieder öffnen können.“ Von Raphael Riegers Idee, das Schild wieder aufzustellen, hält er viel. Allerdings würde er sich als Ort einen Platz in der Nähe des Museums wünschen und man müsste Spendengeld dafür sammeln.

Lager des Werkhofs und des Freilandmuseums im Bereich der alten Spinnerei. Hier lag das Schild jahrzehntelang.
Ufuk Arslan