Zwei, drei Nicht-Schrozberger verkaufen Besonderheiten, das Kindertheater „Radelrutsch“ wurde eingekauft und auch bei den Bewirtungsständen sind vereinzelt fremde Gesichter zu finden. In erster Linie aber ist der Weihnachtsmarkt im und am Schrozberger Schloss ein Eigengewächs.
Die Standgebühr etwa kann abgearbeitet werden. Von allen? Marktleiterin Manuela Schlecht, die das Ganze heuer zum ersten Mal organisiert und ihre Feuertaufe mit Auszeichnung bestanden hat, lächelt. Alle können durch einen Dienst an der Gemeinschaft Geld einsparen – und wenn die Schülerinnen und Schüler Danksagungskarten basteln und die Kindergartenkinder Nikolaus-­Päckchen packen.
Kleinere Pannen und Reibereien bleiben bei so viel Mensch und Technik auf so engem Raum nicht aus. Schlecht sagt aber auch, dass es keine größeren Probleme gab, keine Schwierigkeiten, die die Festfreude ernsthaft hätten trüben können, und die Polizei bestätigt das. Am Freitag, so dankt sie einem „Team von Klasse-­Männern“, waren die Leitungen überlastet, die Stromversorgung des Marktes drohte zusammenzubrechen. Mit vereintem Fachwissen sei es dann aber gelungen, umzustecken und die Last der gefühlt Hunderttausend Lichterketten, LED-Spielereien, Musikanlagen, einiger Koch-, Brat- und Frittierstände und aller Glühweinautomaten gleichmäßig zu verteilen.
Weihnachtsmarkt in Schrozberg

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Was der Kulturbeauftragten Sorgen macht, ist der Blick in eine Zukunft, in der sich immer weniger Ehrenamtliche finden – und kaum ein Markt in der Region lebt so sehr von eigenen Vereinen und Organisationen, mithin vom Ehrenamt, wie der Schrozberger Weihnachtsmarkt. Wenn sich ein Verein einen solchen Stand sichert, müssen nicht nur Auf- und Abbau gestemmt, andernfalls teuer bezahlt werden, vor allem sind drei Standtage abzudecken. Wenn das klappt, ist immer noch kein Christbaumschmuck hergestellt, keine Holzschnitzerei organisiert, nichts genäht, gestrickt, gebacken, zusammengefügt.

Noch fehlt es an nichts

Noch ist es eine gute Zeit für die Schrozberger, noch wiegt die Freude am Dabeisein und am Miteinander die verschenkte Freizeit auf. Für die Chöre und Musikvereine, die Musikschule Uli Beibl und das Schulorchester etwa ist das Mitmachen Ehrensache. Natürlich tut da die Anerkennung gut: Die Besucher kamen wieder in Scharen, auch weil das geschmückte Schloss die denkbar schönste Kulisse für so einen Markt stellt. Die Großen freuten sich an Rosenküchle oder Räucherforellen, an Früchtepunsch oder Selbstgebrannten, die Kleinen musste vom verbotenen Füttern der gar zu goldigen Krippen-­Lämmer abgehalten werden, drehten ihre Runden auf dem Nostalgie-Karussell oder bastelten im Schloss ein Weihnachtsgeschenk für die Mama. Überhaupt war das Schloss bei Minustemperaturen beliebte Aufwärmstube. Im Kultursaal hatten die Schulklassen ein Café eingerichtet, im Sitzungssaal die Kirchengemeinde einen Benefizverkauf zugunsten der Kirchenrenovierung organisiert; Pfarrer Georg Leiberich verkaufte die letzten Rosen, die er und seine Frau mit einer Original-­Gussform aus dem Sanierungsprojekt gegossen hatten.

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