Es ist offenbar viel liegengeblieben und deshalb gibt’s auch  viel zu tun, in dieser letzten Gemeinderatssitzung vor der Kommunalwahl. Es ist Freitagabend und der Fichtenberger Bürgermeister hat einen halbmeterhohen Stapel mit Akten neben sich liegen, die er im Lauf der Sitzung nach und nach auf die andere Tischseite schaufelt, wobei er in effektiver Hemdsärmeligkeit auch noch den einen oder anderen Beschluss herausleiert, der gar nicht auf der Tagesordnung steht.
Nur wenige Stunden zuvor beispielsweise hatte der Landkreis angekündigt, dass man die Förderanträge in Sachen Breitbandversorgung für die Gemeinden vorbereiten wolle. Vorab muss mit dem Landkreis ein Vertrag abgeschlossen werden, und dafür holt sich der Bürgermeister am Ende der Sitzung dann auch gleich die nötige Zustimmung. „Wir sind die ersten“, verkündet Roland Miola erfreut, als der Beschluss einstimmig eingetütet ist.
Für die Kandidaten, die erst noch in den Gemeinderat einziehen wollen und im Zuschauerraum sitzen, dürfte der Abend recht lehrreich gewesen sein. Denn ein Schwerpunkt ist das neuralgische Thema Wohnbebauung, das auch in der kommenden Legislaturperiode eine wichtige Rolle spielen wird.
Wohnraum zu schaffen, da sind sich die beiden Listen einig, ist wichtig und unterstützenswert. Ohne Reibungen aber geht es nicht. Relativ geschmeidig flutscht noch das Kellerfeld, 2. Änderung, durch die Tagesordnung. Es handelt sich um eine Restfläche neben dem Bahngleis am Fuß des Dendelberges, für die nun ein neuer Bebauungsplan in Auftrag gegeben wird.
Bei anderen Vorhaben aber wird’s kritischer: In Mittelrot etwa sorgt ein geplantes Mehrfamilienhaus für Aufregung; die ersten Unterschriften sind schon gesammelt. Und dann gibt es noch die Auchthalde östlich des Friedhofs, deren Bebauung eine neu formierte Bürgerinitiative verhindern möchte.

Der Weg ins „Blättle“

Deshalb zerft man sich in der Bürgerfragestunde auch gleich ein wenig: Warum Nachrichten der BI nicht im Gemeindeblättle abgedruckt würden, wird der Bürgermeister gefragt. Weil es sich nicht um einen Verein, sondern um eine Privatinitiative handle, erwidert der. Die BI könne aber, wie andere auch, Anzeigen schalten. Ob man mit 300 oder mit zehn Unterschriften argumentiere, sei letztlich egal.
Die BI ist auch der Überzeugung, dass das artenschutzrechtliche Gutachten für die Auchthalde, das nun  – der Bebauungsplan ist seit 2006 rechtskräftig – aktualisiert werden muss, zu oberflächlich gefasst ist. Die Untere Naturschutzbehörde hält eine Überprüfung von Brutvogel- und Fledermausvorkommen für ausreichend, die Kosten dafür liegen bei etwa 5000 Euro. „Warum sollen wir freiwillig mehr machen, als wir müssen“, sagt Miola.
Die BI indes fordert nach Rücksprache mit Biologen und dem Haller Umweltzentrum, die Ausweitung auf Reptilien, Heuschrecken, Bienen und andere Insekten. Die Vögel stehen bereits unter Beobachtung: ein befreundeter Ornithologe, berichtetet eine BI-Vertreterin, habe schon eine erste Kartierung erstellt. Zur Verfügung stellen will man sie nicht, und deshalb wird’s dann auch ein bisschen giftig: „Das ist also die viel beschworene Offenheit“, sagt Miola. Er könne die Ergebnisse haben, wenn das Untersuchungsspektrum entsprechend erweitert werde, kommt’s zurück.
„Wie will man eingrenzen, was untersucht wird?“ will Jörg Weckler wissen, als nach der Bürgerfragestunde die Räte an der Reihe sind. Miola verweist auf die Baugebietsgrenzen: nicht die Steilflächen und Hänge unterm Viechberg seien betroffen, sondern ausschließlich landwirtschaftlich genutzte Flächen.
Bianca Weiss findet, dass diese Eingrenzung nicht funktioniert: Die Quartiere der Lebewesen in den umliegenden Bereichen seien ebenfalls betroffen, sagt sie. Und Horst Kleinknecht verweist auf einen Terminbruch: Die Untersuchung soll zwischen Anfang März und Ende August durchgeführt werden, was in diesem Jahr ja offenbar gar nicht mehr möglich sei.
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Fichtenberg

Kriterienliste in Arbeit

Die Beratungsvorlage, die auch Anregungen aus der Bügerversammlung im März enthält, wird schließlich zustimmend und einstimmig zur Kenntnis genommen – lediglich Bianca Weiss enthält sich. Die Gemeinde wird nun überprüfen, ob die Bauplätze in der Auchthalde verkleinert und neu eingeteilt und ob auch Mehrfamilienhäuser untergebracht werden können. Überprüft wird auch, ob  dem Wunsch einer Grundstücksbesitzerin entsprochen und ein Wegstück aus dem Plan entnommen werden kann. Ein artenschutzrechtliches Gutachten wird nicht vergeben.
Welche Bauherren in Fichtenberg zum Zug kommen, wird dann der neue Gemeinderat entscheiden. Weil die Bauflächen endlich und auch begehrt sind, hat der Bauausschuss Anfang April nichtöffentlich eine Kriterienliste erarbeitet, die dann diskutiert und beschlossen werden soll. Möglich wäre beispielsweise die Einführung eines Punktesystems, wie es beispielsweise in Oberrot und Backnang praktiziert wird. Die Kriterienliste wandert auf den anderen Stapel. Sie wird wieder kommen.

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