Die Wahlunterlagen und Info-Broschüren sind verteilt: am 26. Januar werden die Fichtenberger entscheiden, ob der Bebauungsplan Auchthalde Bestand haben wird. Der vom Gemeinderat beschlossene Bürgerentscheid ist das Resultat eines Bürgerbegehrens, für das die Bürgerinitiative „Auchthalde erhalten – Naturpark bewahren“ 460 Unterschriften gesammelt hat. Vor dem Urnengang ist noch eine Informationsveranstaltung vorgesehen. Sie findet am Donnerstag, 9. Januar, in der Gemeindehalle statt. Das Baugebiet, das am Fuß des Viechbergs östlich des Friedhofs liegt, wird vorab noch einmal abgesteckt.

BI bemängelt „Schräglage“

Die Broschüre enthält in jeweils gleichem Umfang die Argumente der Gemeinde, die den seit mehr als 13 Jahren rechtskräftigen Bebauungsplan umsetzen möchte, und der Bürgerinitiative, die, so die verfahrensrechtlich korrekte Formulierung,   die Einleitung eines Verfahrens zur Aufhebung des Bebauungsplans anstrebt.
Allerdings findet die Bürger- initiative, dass die Gemeinde den Bedarf an Bauflächen in der Broschüre nicht korrekt darstellt. Zwar werde für die Berechnung die Gesamtbevölkerungszahl he- rangezogen, die Potenziale in den Teilorten aber würden nicht berücksichtigt, bemängelte der Architekt Volker Diederich am Freitag in der Bürgerfragestunde des Gemeinderates, er sehe da „eine Schräglage“.
Auch der tatsächliche Bedarf stelle sich anders dar, wenn Reserven und Innenpotenziale mitgerechnet würden, so Diederich. Der Regionalverband Heilbronn-Franken, der einen Bedarf von fünf Hektar bis zum Jahr 2030 errechnet hat, beziffert diese Reserven auf drei Hektar, bleiben also zwei Hektar übrig – die Wohnbauflächen der Auchthalde belaufen sich auf etwa 2,8 Hek- tar. Diederich beruft sich zudem auf das statistische Landesamt, das abweichend von den Zahlen des Regionalverbandes einen Bedarf von 3,8 Hektar angebe. Wenn man die vom Regionalverband genannten Reserven hier in Anschlag bringe, verbliebe also ein  Restbedarf von 0,8 Hektar.

Fichtenberg/Stuttgart

Die Gemeinde rechnet genau andersherum. Es gehe um die Verfügbarkeit der Flächen, erklärte Bürgermeister Roland Miola. Wenn man alle Bauplätze herausnehme, die nicht zur Verfügung stehen, bleibe letztlich nichts mehr übrig – außer eben die Auchthalde. Die Potenziale der Teilorte spielten dabei in der Tat nur eine geringe Rolle, so Miola. Die Daten lägen aber vor, man habe sich die Teilorte angeschaut und im Gemeinderat ausführlich informiert. Konkret gebe es noch einen „Ast“ am Westrand von Mittelrot und drei Bauplätze im Erlenhof. In Michelbächle gebe es einen Bauplatz, der aber sehr hochpreisig sei. Versuche, Langert weiterzuentwickeln, seien an den Anwohnern gescheitert, und im Plapphof gehe es um die Ei- genentwicklung. Er sehe deshalb keine Notwendigkeit, die Angaben der Gemeinde in der Broschüre zu korrigieren, so Miola:  „Ich stehe zu dem, was drin steht. Nehmen Sie’s sportlich.“

Deutliches Ergebnis erwünscht

Der Bürgerentscheid war dann noch einmal Thema beim Tagesordnungspunkt Bekanntgaben. Beide Seiten hoffen auf ein deutliches Meinungsbild, ein knapper Wahlausgang wäre nicht hilfreich. Miola gab bekannt, dass der Gemeinderat noch über das artenschutzrechtliche Gutachten des Landratsamtes informiert werde. Die BI hält das Untersuchungsspektrum für ungenügend und hat eine eigene Untersuchung angestellt, die sie bisher aber unter Verschluss hält.

Werkrealschule hat Bestand

Miola hat zudem den Status der Rottal-Werkrealschule abgefragt. Sie hat vom Kultusministerium eine Bestandszusage erhalten, die aber im Bericht des Schulleiters in der letzten Gemeinderatssitzung wieder relativiert wurde. Die Behauptung der BI, die Schule bleibe unbefristet bestehen, sei dann natürlich nicht richtig, erklärte Gemeinderat Jörg Weckler und sorgte damit offenbar für erheblichen Unmut. Jetzt kann man sich wieder abkühlen. Ihm sei mitgeteilt worden, so Miola ohne weitere Erläuterung, dass die Werkrealschule auch dann Bestand haben werde, „wenn null Schüler da sind“.

Info

Die Bürgerinformation zum Bürgerentscheid Auchthalde findet am 9. Ja- nuar in der Fichtenberger Gemeindehalle statt. Sie beginnt um 19 Uhr. Bürgermeister Roland Miola wird die Position der Gemeinde vertreten, die BI tritt mit vier Personen an. Die Parteien haben jeweils 20 Minuten Zeit, ihre Position darzulegen, danach folgt die Aussprache und schließlich eine Schlussrunde. Auf einen Moderator wird verzichtet: Wer eine Frage hat, so Miola, solle den Adressaten benennen.