Rote Krawatte, weißes Hemd, blaues Jackett, blaue Hose und ein gewinnendes Lächeln. Der Schriftzug „Defense 24“ steht auf Jackett und Hemdkragen. „Das ist meine Firma“, erklärt Denis Brandt. Die 24 im Schriftzug stünden für 24 Stunden, rund um die Uhr biete er als Sicherheitsmann seine Dienste an. Die Firma hat er mit Siegbert Büschel gegründet und ist seit 1. Februar auf dem Markt. Denis Brandt arbeitet seit elf Jahren in der Branche, „da hat man Kontakte“. Und gute Freunde, wie Karl-Eugen Altdörfer zum Beispiel.
Der ehemalige Rektor der Schule in Obersontheim und Vorsitzender des Haller Kreisverbands des Arbeitersamariterbunds wurde vor wenigen Jahren mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Als Pensionär engagiert sich der Michelbacher in der Asylarbeit und lernt Denis Brandt in der Notunterkunft als „jungen interessanten Mann“ kennen. Der Sicherheitsmann „hatte einen großen Anteil am guten und ruhigen Zusammenleben in der Einrichtung“, sagt Altdörfer. Er macht die Redaktion auf Brandts Film „Gedankengänge durch unsere Zeit“ auf Youtube aufmerksam. Zusammen mit den Facebook-Klicks kommt er aktuell auf nahezu 9000 Aufrufe.
„Familie und echte Freunde sind das, was uns stark macht und worauf wir wirklich zählen können.“
In dem Videoclip sieht man den 30-Jährigen in Freizeitkleidung. Während der drei Minuten kehrt er sein Innerstes nach außen, sagt, was er denkt, wie er fühlt und  und wie er die Welt sieht. Er appelliert ans Mitgefühl, fordert gegenseitigen Respekt, Ehrlichkeit und Fairness im Umgang miteinander. „Familie und echte Freunde“, sagt er in dem Kurzfilm, „ist das, was uns stark macht.“ Man sieht ihn am Kocher, vor der Michaelskirche in Hall, im Sportstudio – und immer scheint die Sonne. Seine Botschaft: „Wir müssen viel mehr versuchen, auf unser Inneres zu hören und versuchen, die eigenen Gefühle und Träume zu verwirklichen.“ Ihm sei es ein Bedürfnis gewesen, das Video zu drehen, sagt er. Einfach so? Denis Brandt lacht und schweigt. Er habe schon immer mal eines drehen wollen. Eines Abends habe es ihn gepackt. Er habe die ganze Nacht seine Gedanken notiert. Vier Monate hat er mit dem Kirchberger Fotografen Phillip Koser an 15 verschiedenen Orten gedreht. „Uns war es wichtig, dass Inhalt und Bilder zusammenpassen. Wenn ich sage, du musst dein Leben selbst in die Hand nehmen, greife ich zu den Hanteln oder wenn es darum geht, dass es egal ist, welche Religion jemand hat, stehe ich vor der Kirche.“
Denis Brandt kam als Vierjähriger mit seiner Mutter von Russland nach Deutschland. Bereits während seiner Koch-Ausbildung merkte er: „Das ist nicht mein Weg.“ Er habe viele Stunden schwer und für wenig Geld gearbeitet, erzählt er, in Gießereien und Fabriken. Vor 17 Jahren lernte er Siegbert Büschel kennen, damals Bäcker der gleichnamigen Bäckerei in Ottendorf. Dessen älterer Bruder Eckhardt hatte eine Sicherheitsfirma. „So kam ich in die Branche.“
„Ich habe gelernt, keine Angst zu haben. Angst habe ich nur davor, nicht mehr sagen zu dürfen, was ich denke.“
Er habe sehr schnell gemerkt, dass der Umgang mit Menschen, auch in Ausnahmesituationen, sein Metier war. Er will deeskalieren. „Das geht ohne Gewalt und ohne Polizei. Für diesen Job braucht man Menschenkenntnis und Fingerspitzengefühl.“ Die Arbeit mit Flüchtlingen war für den 30-Jährigen eine Herausforderung. „Man sollte allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft oder Nationalität freundlich und mit Respekt begegnen“, sagt er. Für ihn gelten Werte wie Ehrlichkeit und Korrektheit, „und die Leute merken es, wenn man es wirklich ehrlich meint“. In der Notunterkunft hat er an der Haus­ordnung mitgearbeitet. „Man braucht Regeln und ein System, ohne die geht es nicht.“ Er hat auch nach der Auflösung der Einrichtung noch mit drei Flüchtlingen Kontakt, und er hat mitgeholfen, ihnen einen Ausbildungsplatz zu besorgen. Denis Brandt ist überzeugt, dass jeder den Beruf finden kann, in dem er seine Fähigkeiten voll einbringen kann. „Viele schimpfen über ihre Arbeit, aber ändern nichts“, bedauert er.
Denis Brandt ist erstaunt über die Resonanz auf sein Video, dass sich manche über seine enorme Offenheit wundern. „Mich interessiert es nicht, was jemand über mich denkt. Ich habe gelernt, keine Angst zu haben. Wovor ich wirklich Angst habe, ist, dass ich nicht sagen darf, was ich denke.“ Er findet es grundsätzlich besser, Mut zu haben, als feige zu sein und zu schweigen. Und was er gar nicht mag, das ist Fanatismus. „Das A und O ist für mich Respekt.“ Das gilt für ihn in allen Lebensbereichen, auch in seiner Firma. „Ich nehme nicht jeden“, sagt Brandt entschieden. Ein Sicherheitsmann müsse unbedingt nett und freundlich sein, und wenn’s nicht funktioniert, muss man reagieren.“ Denis Brandt will „schon noch Gas geben“ – und vielleicht noch ein Video drehen, das Security betrifft.
Und hier gibt es das Video zum Ansehen: