Der goldene Roland hat ein Brüderchen gekriegt. In eine orangefarbene Badehose gekleidet, mit Flossen an den Füßen, einem aufgeklebten Gesichtsfoto und Seeräuberkopftuch liegt eine Nachbildung des Fichtenberger Bürgermeisters Roland Miola unter einem hässlichen Ungetüm von Sonnenschirm im Freisitz der Badeaufsicht am Diebach-­Stausee. Ein Kinderschlauchboot hängt da noch, ein weiterer Sonnenschirm, ein Rettungsring und ein Plastikdelfin sowie ein Sparschwein, in dem zwei Münzen klappern – und vor dem Ensemble steht eine halbvolle Flasche mit Kräuterlikör.
Wenn’s darum geht, ihren Schultes auf den Arm zu nehmen, sind die Fichtenberger immer und gerade auch in der Walpurgisnacht recht umtriebig – was ja auch ein Zeichen der Wertschätzung ist. Der goldene Roland, eine goldfarben bemalte mannsgroße Puppe, gehört jedenfalls seit Jahren zum Inventar. Am 1. Mai 2013 beispielsweise fand man sie mit segnend erhobenen Armen im Dorf, vor sich ein Schild mit der Aufschrift „Roland-­Miola-Platz“. Heute hat der goldene Roland einen festen Platz im Vorraum des Bürgersaals im Rathaus.

Luxuriös ausgestattet

Der 1. Mai ist daher eine gute Zeit, um festzustellen, was die Fichtenberger so beschäftigt. Die letzten Jahre war’s vor allem das 1200-Jahre-­Jubiläum, heuer hätte man eher einen Jux über das kleine Bahnhofsgebäude erwartet, das derzeit umgebaut, aber eben nicht, obwohl vielfach gewünscht, mit einer öffentlichen Toilette ausgestattet wird.
Den Bürgermeister-Fanclub scheint aber eher eine kleine Anzeigenkampagne im Amtsblatt fasziniert zu haben, mit der die Gemeinde um Sachspenden für die Badeaufsicht am Diebach-­Stausee bat. „Schuldenfreies Fichtenberg sucht! Sonnenschirm – Surfbrett – Rettungsring“ steht nun auf einem Schild neben dem Badeaufsichtroland.
Der darf jetzt noch ein Weilchen im Freisitz rumliegen. Am Sonntag will sich die Verwaltung mit den diesjährigen Bewerbern für die Badeaufsicht, zwei Frauen und ein Mann, vor Ort umschauen, und die sollen ja auch was davon haben. „Dann sehen wir weiter“, sagt Miola, der recht zufrieden wirkt, weil die Badeaufsicht mittlerweile geradezu luxuriös ausgestattet ist. Zwei gespendete mitgerechnet stehen vier Sonnenschirme zur Verfügung – die Anzeige hat sich also gelohnt.
Weniger nett gemeint ist eine Bürgermeister-Abbildung, die östlich des Friedhofs aufgestellt wurde, wo ein neues Baugebiet ausgewiesen ist. Sie zeigt Miola händeschüttelnd mit dem Sensenmann, davor ein Kreuz und ein Sarg, auf dem das Wort „Auchthalde“ steht. Auf einem Plakat geht’s um Artenschutz und Flächenverbrauch. Eine wie auch immer geartete Wertschätzung des Bürgermeisters ist in dem Bild nicht zu erkennen (eine Wertschätzung des Gemeinderates übrigens auch nicht). Miola nimmt’s zur Kenntnis.

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