Er liebt Sauerbraten mit Spätzle, Salat und Blaukraut und sagt auch nicht Nein, wenn man ihm zum Nachtisch einen Pfannkuchen mit Nutella kredenzt: Frank Zimmermann, Bürgermeister von Gaildorf und wieder werdender Vater, durfte im großen Sommerinterview mit Verena Köger, der Teamleiterin der Rundschau, auch etliche persönliche Fragen beantworten.
So erfuhr man, dass er gerne einmal den Kilimandscharo besteigen würde, dass Konrad Adenauer und Manfred Rommel seine politischen Vorbilder sind und dass in seinem Jugendzimmer keine Poster hingen. Lieblingsband? Fehlanzeige. Er habe Radio gehört. Immer den gleichen Sender. Bis heute.

Die Fragen der Leser

Eine Grundlage des Live-Gesprächs auf der Floßfest-Bühne waren Fragen, die unsere Zeitung im Rahmen der Aktion „Hier sind wir zu Hause“ von den Leserinnen und Lesern erhalten hatte. Die Palette ist breit, reicht von A wie Ärzteversorgung bis Z wie Zierfisch-Aquarien, kitzelt Köger aus dem Schultes heraus, mag er lieber als Hunde oder Katzen. Gewichtiger Schwerpunkt: Bauplätze beziehungsweise bezahlbares Wohnen. Einen Quadratmeterpreis von 240 Euro könne sich eine normale Familie nicht leisten, zitiert Verena Köger eine Zuschrift und bittet den Bürgermeister um die Details.

Bauplatznachfrage ungebrochen

Die Bauplatzkosten seien derzeit wohl das geringste Problem, sagt Zimmermann. Die Stadt trete hier auch nicht mit Gewinnabsichten an: „Wir wollen die Planungs- und Erschließungskosten reinkriegen.“ Der Preis pro Quadratmeter werde aber dennoch über der 200-Euro-Marke liegen. Verglichen mit den Preisen im Großraum Stuttgart sei das allerdings noch verhältnismäßig günstig.
Zimmermann bestätigt auch eine ungebrochene Nachfrage nach Bauplätzen in den beiden großen Baugebieten Häusersbach III und Ebene II, die zur Erschließung anstehen und vermutlich ab 2024 bebaut werden können. Zwei Drittel der Bauherren, die sich registrieren ließen, kämen aus Gaildorf.

Mietsituation „wird sich entspannen“

Was das „bezahlbare Wohnen“ anbelangt, also das Wohnen zur Miete, verweist er auf Bauprojekte im Ziegelrain, in der Garten- und der Bahnhofstraße. Sie werden wohl nicht billig vermietet, aber „wer dort einzieht, zieht anderswo aus“. Zimmermann geht davon aus, dass sich die Situation in den nächsten Jahren „deutlich entspannen“ wird.
Der familienpolitische Block war da schon abgehandelt. Zimmermann verweist darin auf die Sanierung des Schulzentrums und die dezentralen Betreuungsangebote in Kernstadt und Teilorten und deren Anpassung an Gesetzeslage und Nachfrage. Einen Platz in der Wunscheinrichtung könne er nicht garantieren, genügend Plätze aber seien vorhanden. Baulich und personell werde man aber sicher nachlegen müssen.

Arschbombe vom Fünf-Meter-Brett

Investitionen in Bildung und Betreuung sieht Zimmermann ohnehin als Pflichtaufgaben. Die „Kür“, aber auch „eine Herzensangelegenheit“, sei indes die Sanierung des Freibades. „Viele Baustellen laufen nicht, aber diese läuft“, versichert Zimmermann: „2023 wird es eine Badesaison geben.“ Ob er sie denn mit einer „Arschbombe ins Wasser“ eröffnen werde, will Köger wissen. „Gerne auch vom Fünf-Meter-Brett“, so Zimmermann.
Klappt’s bis 2030 mit der Umgehungsstraße? Zimmermann zeigt sich optimistisch. Die Trasse werde auch vom Bund gutgeheißen, sagt er, die Planung müsse aber noch mit einer aktuellen Verkehrszählung unterfüttert werden. Sie sei im Oktober vorgesehen. Er gehe davon aus, dass der Bund dann grünes Licht gibt, sodass die Straße tatsächlich bis 2030 gebaut werden kann. Wichtig sei ihm aber auch, dass ein Festplatz übrig bleibt: „Wir wollen weiterhin das Bluesfest und das Floßfest auf der Kocherwiese feiern!“
Tempo 30 in der Innenstadt, stationäre Blitzer, die Entlastung der „heimlichen Ortsumfahrung“ durch See- und Gartenstraße sind weitere Punkte, die von den Rundschau-Lesern angesprochen wurden. Was die Entlastung von See- und Gartenstraße anbelangt, verweist Zimmermann auf die künftige Umgehungsstraße. Sperrungen würden die Belastung nur verlagern, sagt er.

Richtlinien für stationäre Blitzer

Die Einführung von „Tempo 30-Regelungen“ aber, die bisher nur in Bröckingen gelang, werde man weiter verfolgen. Und was die stationären Blitzer anbelange, die in den Nachbarkreisen bereits erfolgreich eingesetzt werden, zeige sich mittlerweile auch der Landkreis Schwäbisch Hall zugänglich. Ein Arbeitskreis werde im Herbst Richtlinien vorlegen. In den Städten und Gemeinden würden dann Säulen aufgestellt, aus denen es „temporär“ blitzen kann.
Die Klage einer Leserin, sie werde von keinem Arzt angenommen, nimmt Zimmermann übrigens staunend zur Kenntnis. Er habe andere Informationen aus der Ärzteschaft, betont er. Nicht zuletzt dank des von der Familie Schick erbauten Ärztehauses könne man die Schließung zweier Arztpraxen gut kompensieren. Verglichen mit anderen Gemeinden im Landkreis sei die Situation in Gaildorf immer noch recht entspannt.