Wird es das Comburg-Stipendium weiterhin geben? Dass sich diese Frage überhaupt stellt, erfuhren die gut 50 Festgäste am Mittwoch bei der Verleihung dieses Schwäbisch Haller Literaturpreises an die 11. Preisträgerin Mariana Leky. Denn im Rahmen des Festaktes sagte Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim: „Wir hoffen natürlich, dass eine solche Kooperation von Stadt Schwäbisch Hall und Akademie Comburg weiterhin möglich ist.“ Hintergrund ist die ungeklärte Zukunft der Akademie für Lehrerfortbildung auf der Comburg.

Schwäbisch Hall

Noch bis Ende Dezember ist Hans-Reiner Soppa Leiter der Akademie, aber was danach kommen wird – für ihn persönlich und für die Akademie –, das weiß er noch nicht. Trotzdem, die Vergabe des Stipendiums 2019 wird vorbereitet: Im November wird es ein Jury-Treffen geben.

Drei Leute schlugen Leky vor

Mariana Leky erhielt den Preis für ihr Buch „Was man von hier aus sehen kann“, das schon seit 65 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht. „Der Vorschlag Leky kam von drei Personen aus der Jury“, berichtet Soppa. Das ist die Hälfte der Jury-Mitglieder. Die Auszeichnung beinhaltet 5000 Euro Preisgeld und einen vierwöchigen Aufenthalt in der Ferienwohnung der Comburg, der für Leky nun zu Ende geht. Bei den Teilnehmern der Lehrer-Fortbildungsseminare habe sich Leky schnell beliebt gemacht, berichtet Soppa: „Ich werde oft gefragt, ob Frau Leky heute zum Mittagessen kommt. Und dann kommt sie, und die Leute wollen von mir gar nichts mehr wissen.“ Wer Soppas bescheidene Art kennt, weiß, dass in dieser Aussage kein Neid steckt, sondern Anerkennung für das sympathische Wesen der Autorin, das sich später auch darin zeigt, dass sie sich beim Büchersignieren für jeden Leser einzeln Zeit nimmt.

Künzelsau

Irene Ferchl, Herausgeberin des Literaturblatts Baden-Württemberg, hielt die Laudatio. „Ich kenne Mariana Leky schon lange, obwohl wir uns heute zum ersten Mal begegnen“, berichtete sie. Denn die erste literarische Veröffentlichung der Autorin, die Erzählung „Jahrmarkt“, die sie zum Abschluss ihres Studiums in Tübingen geschrieben hat, erschien 1999 im Literaturblatt Baden-Württemberg. Die Geschichte sei „komisch, tragisch, melancholisch, Witz sprühend“, urteilte Ferchl. Seither hat Leky fünf Bücher veröffentlicht, zudem schreibt sie Hörspiele, Kolumnen und übersetzt aus dem Englischen. Für ihren 2017 erschienenen Roman sind sieben Übersetzungen geplant, zudem eine Verfilmung. Ein Hörbuch gibt es schon.

Erste Ideen für ein neues Buch

Die Autorin selbst erinnerte sich, wie stolz sie einst war, als ihre erste Geschichte im Literaturblatt stand. „Ich habe gleich ein Exemplar meiner Oma in Amerika geschickt.“ Von ihren Erlebnissen auf der Comburg erzählte sie zweierlei: Auf welche Weise ältere Ehepaare Info-Tafeln lesen – erst leise, dann liest der Mann der Frau noch mal alles vor – und dass sie jetzt an Gespenster glaube. Und: Auf der Comburg sind erste Ideen für ein neues Buch entstanden, „aber es ist noch ganz klein“. Sie dankte für das „betreute Alleinsein“ und die „herzliche Fürsorglichkeit“, die sie in Hall erlebt hat.
Großen Respekt der Zuhörer erwarben sich die beiden jungen Musiker, die für die Umrahmung der Veranstaltung sorgten: der Gitarrist Jona Steinmeyer und die Flötistin Stephanie Reinhardt.

Das Comburg-Stipendium

Das Stipendium wird von der Stadt Schwäbisch Hall und der Akademie Comburg vergeben. Es umfasst 5000 Euro Preisgeld und einen vierwöchigen Aufenthalt auf der Comburg.
Die Jury: Irene Ferchl, Literaturblatt Baden-Württemberg, Hans-Reiner Soppa und Franz Zimmermann, beide Akademie Comburg, Sabine Haupt, Goethe-Institut, Ute-Christine Berger, Kulturbeauftragte der Stadt Hall, Silja Keller, Buchhandlung Osiander, Elisabeth Graf, Stadtbibliothek Hall.