Wahrscheinlich holten schon die Vorfahren der Hohenloher und Schwaben vor Jahrtausenden zum Sommerbeginn Bäume in ihre Siedlungen. Maibaumfeste haben eine lange Tradition, die vielerorts sehr beliebt ist.
Doch im Jahr 2020 wird der Coronavirus für eine Lücke in dieser Geschichte sorgen: Das klassische Aufstellen von Maibäumen ist verboten – eine zwingende Folge aus der Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg, lautet die Einschätzung der Crailsheimer Stadtverwaltung. Sie verzichtet deshalb darauf, den normalerweise vom Baubetriebshof gestalteten Baum vor dem Rathaus aufzustellen.
Auch auf dem Schwäbisch Haller Marktplatz wird dieses Jahr kein Maibaum stehen – ebenso wenig in den Teilorten. „Der städtische Koordinierungsstab zur Corona-Krise vertritt die Rechtsauffassung, nach der es in diesem Jahr zu unterlassen ist, einen Maibaum zu stellen und in der Nacht auf den 1. Mai ein Fest zu feiern“, heißt es nüchtern aus der Haller Stadtverwaltung.

Landkreis Schwäbisch Hall

Kreative Ideen in den Landkreis-Gemeinden

Geht 2020 also als das Jahr ohne Maibäume in die Geschichte ein? Nicht ganz. Einige wenige Gemeinden im Landkreis wollen ganz gezielt fördern, dass die Tradition weiterlebt – allerdings nicht im öffentlichen Raum, sondern im privaten Rahmen. Die Gemeinde Bühlerzell zum Beispiel möchte an Familien aus der Gemeinde 20 Birken verschenken. Wer Interesse an einer Birke hat, diese als Maibaum auf seinem Grundstück schmücken und aufstellen möchte, kann sich an die Gemeindeverwaltung wenden.

Landkreis Hall

Zu einer besonderen Aktion ruft derweil Fichtenaus Bürgermeisterin Anja Schmidt-Wagemann auf. Vor Ostern waren im Gemeindegebiet Osterpyramiden aufgestellt worden, die mittlerweile abgeschmückt sind, aber bewusst stehen gelassen wurden. Gerne können die Pyramiden nun zum 1. Mai „mit Kränzen, bunten Bändern oder Ähnlichem geschmückt werden“, schlägt Wagemann vor. Und: „Vielleicht hat der ein oder andere auch Lust, einen eigenen kleinen Maibaum in seinem Garten oder vor seinem Haus aufzustellen!“

Maibäume als private Liebesbeweise möglich

Dürfen kleine Maibäumchen in diesem Jahr als Liebesbeweis herhalten? Die aus dem Mittelalter stammende Tradition beinhaltet, dass Männer den Baum schmücken und ihn dann heimlich in der Nacht zum 1. Mai vor oder auf dem Haus der Angebeteten aufstellen. Bühlertanns Bürgermeister Florian Fallenbüchel hätte nichts dagegen: „Ganz sicher werden wir uns am einen oder anderen Bäumchen, welches ein Verehrer seiner Liebsten in den Kamin steckt, erfreuen können“, schreibt er. Auch Crailsheims Pressesprecher Christian Hers sieht die Sache positiv: „Natürlich spricht nichts dagegen, wenn Frischverliebte eine kleine Birke vor das Fenster ihrer Angebeteten stellen, solange sie die gültigen Vorgaben einhalten.“
Oberrots Schultes Daniel Bullinger ist der gleichen Meinung: „Soweit Privatpersonen unter Berücksichtigung der geltenden Verordnung dennoch Maibäume aufstellen, ist dagegen nichts einzuwenden.“

Maistreiche sind auch trotz Corona zu erwarten – Vielleicht sogar als „Mai-Freuden“

Womöglich lässt sich der ein oder andere Spaßvogel in der Region trotz Corona zu einem Maistreich hinreißen. Anja Schmidt-Wagemann warnt: „Auch bei Maistreichen und ihren Konsequenzen sollte darauf geachtet werden, dass keine unnötigen Kontakte entstehen. So wäre es zum Beispiel nicht zielführend, wenn ein Bürger einen Blumentopf aus seinem Garten suchen und bei Nachbarn nachfragen muss, um ihn in einem Garten ein paar Häuser weiter zu finden.“ Sie schlägt den Bürgern vor, stattdessen Gutes zu tun: „Ein Brief an den Nachbarn, ein bemalter Stein vor der Haustür eines netten Mitmenschen, ein Gutschein für den älteren Nachbarn über einmal Rasenmähen oder über ein kleines Ständchen mit der Flöte – Mai-Freuden sozusagen. Das wäre eine schöne Sache, die anderen sicherlich viel Freude bereiten würde.“

Auch in Nachbarregionen untersagt

Im Ostalbkreis wurde das Maibaumstellen zentral von der Kreisverwaltung verboten. „Wir haben diese Entscheidung schweren Herzens, aber einvernehmlich getroffen“, schreibt Landrat Klaus Pavel. Im Hohenlohekreis wurden die Ortspolizeibehörden von der Kreisverwaltung explizit da­rauf hingewiesen, die Einhaltung des Verbots zu kontrollieren.