Dr. Slobodan Dikic wirkt zu Beginn seines Vortrags im Haus der Bildung am Dienstagabend kurz überrascht, bevor er mit ruhiger Stimme und medizinischem Sachverstand seine Ausführungen über Durchblutungsstörungen in den Beinen startet. „Ich bin überwältigt von der großen Resonanz so kurz nach den Feiertagen.“
Rund 80 Zuhörer und Zuhörerinnen sind gespannt, welche Behandlungsmöglichkeiten und Erkennungsmerkmale der Mediziner zur sogenannten „Schaufensterkrankheit“ anspricht. Dr. Slobodan Dikic wirkt im Haller Diakoneo als Oberarzt in der Gefäßchirurgie. Der Vortrag des Mediziners bildet im neuen Jahr den Auftakt der Diakademie. Das Diak-Klinikum bietet in Kooperation mit der Volkshochschule regelmäßig Vorträge zu Gesundheitsthemen an.
In seinem einstündigen Vortrag erklärt Dikic zunächst einmal, wieso die Schaufensterkrankheit so heißt wie sie heißt, bevor er das Saalpublikum mit näheren Informationen zur Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung von Gefäßerkrankungen versorgt. Die Schaufensterkrankheit wird im Fachjargon als periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) bezeichnet.
Der Arzt erklärt, dass es bei der PAVK mehrere Stadien mit unterschiedlichen Beschwerdebildern gibt. „Typischerweise treten Schmerzen zunächst nur beim Gehen auf und betreffen meist die Wadenmuskulatur, die nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird.“ Wenn man stehen bleibt und beispielsweise in ein Schaufenster blickt, bilden sich die Beschwerden zurück. „Wenn diese Symptomatik auftritt, sollte eine gefäßmedizinische Untersuchung veranlasst werden“, rät der Mediziner. Sehr häufig hätten Beinschmerzen aber auch einen orthopädischen Hintergrund oder seien neurologisch bedingt. „Herausfordernd wird es, wenn mehrere Ursachen dahinterstecken.“

Vielfältige Ursachen möglich

Bei einer PAVK komme es zu Verkalkungen und Einengungen. „Auch das sogenannte Raucherbein gehört zum Erkrankungsbild der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.“ Die Ursachen der Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) sind vielfältig, wie der Gefäßchirurg weiß. „Da spielt das Alter genauso eine Rolle, wie die genetische Disposition. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes, Übergewicht, Rauchen und auch die Folgen der körperlichen Inaktivität und Stress fördern die Entstehung der Arteriosklerose.“ Die Kombination der Risikofaktoren wirke wie ein Brandbeschleuniger.

Stadium ist entscheidend

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium der Durchblutungsstörung. Während in den ersten beiden Stadien oft noch eine Änderung der Lebensgewohnheiten oder Ernährung und Medikamente zu einem gesteigerten Wohlbefinden beziehungsweise zur Besserung der schmerzfreien Gehstrecke beitragen können, so sei im fortgeschrittenen Stadium der PAVK auch schon mal eine aufwändige Intervention und/oder Operation erforderlich.
Im zertifizierten Gefäßzentrum wird ein auf den Patienten abgestimmtes Behandlungskonzept erstellt. Dabei komme der sorgfältigen körperlichen Untersuchung und ergänzender apparativer Diagnostik (Laufbandtest, Verschlussdruckmessung, Ultraschalluntersuchung und Kontrastmitteldarstellung der Blutgefäße mit einer CT und MRT Untersuchung) besondere Bedeutung zu.

Wie man die Krankheit heilt

Nichts für schwache Nerven, aber für viele Zuhörer besonders anschaulich sind auf den Präsentationsfolien die Fotos, die operative Eingriffe an Blutgefäßen zeigen. „Die Durchblutung lässt sich minimalinvasiv durch endovaskuläre oder durch offen-chirurgische operative Eingriffe verbessern. Bei der endovaskulären Behandlungsmethode nutzen wir die Ballonerweiterung und Stentimplantation.“ Bei einem operativen Eingriff wird entweder der Gefäßkalk entfernt, dieser Eingriff wird mit einer Erweiterungsplastik kombiniert und/oder eine Bypassoperation zur Überbrückung längerer Verschlussabschnitte vorgenommen, damit der Blutstrom im Gefäßsystem „wieder besser fließen kann“. „Hierbei wird die körpereigene Vene als Bypassmaterial bevorzugt. Alternativ kommen Kunststoffprothesen zum Einsatz.“
Vor der abschließenden Fragerunde erklärt der Gefäßmediziner, wie wichtig die Nachsorge ist. „Die Einnahme von blutverdünnenden Mitteln und Medikamenten zur Bluthochdrucksenkung und Senkung der Blutfette sowie Optimierung der Blutzuckereinstellung sind genauso wichtig wie der Nikotinverzicht, körperliche Bewegung und eine gesunde sowie ausgewogene Ernährung.“ Daneben helfen regelmäßige gefäßmedizinische Verlaufskontrollen, um den Behandlungserfolg zu sichern.

Behandlungsablauf der Schaufensterkrankheit

Nach sorgfältiger Diagnostik wird eine umfassende Behandlungsstrategie individuell und interdisziplinär im Rahmen des zertifizierten Gefäßzentrums im Team unter sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und so wenig invasiv wie möglich erstellt – mit dem Ziel, die Lebensqualität durch Verbesserung der Mobilität zu erhöhen und die Amputationsrate und -höhe zu reduzieren.
„Je besser die Zusammenarbeit und der Austausch aller Beteiligten unter Einbeziehung des Patienten im stationären und ambulanten Bereich gelingt, umso nachhaltiger ist der Behandlungserfolg“, so Gefäßchirurg Dr. Slobodan Dikic. asc