Die Zahl der Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken sowie dem Landkreis Schwäbisch Hall, die sich auf der Hannover Messe präsentieren, nimmt seit Jahren stetig ab. In diesem Jahr waren es nur noch knapp 50. Zwölf davon hatten sich dem Gemeinschaftsstand der IHK als Mitaussteller angeschlossen. Doch bei der Anfrage für 2019 zeigten nur noch sechs Interesse. Trotz aufwendigen Versuchen sei es nicht gelungen, diese sechs zu ersetzen. Daraus zog die Kammer jetzt die Konsequenz. Sie gibt den Stand zumindest für 2019 komplett auf. „Wir bedauern dies sehr, war doch der IHK-Gemeinschaftsstand seit vielen Jahren so etwas wie der zentrale Anlaufpunkt für die Wirtschaftsregion auf der weltweit wichtigsten Industriemesse“, schreibt die Kammer in ihrer Absage.

Schwäbisch Hall

Betriebe sind ausgelastet

Hat die weltgrößte Industrieschau einen Teil ihrer Anziehungskraft verloren? Das glaubt Helmut Kessler nicht. Der promovierte Volkswirt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, war bereits 27 Mal bei der Hannover Messe. „Wir haben eine konjunkturelle Situation wie nie zuvor. Die Auftragslage ist so gut, dass die Unternehmen mit der Arbeit nicht nachkommen“, so Helmut Kessler. Die Betriebe würden nicht die Notwendigkeit erkennen, sich in Hannover zu zeigen. Außerdem würden sich viele Unternehmen bei Fachmessen besser aufgehoben fühlen.
Die Deutsche Messe AG, Veranstalter der riesigen Ausstellung, hat in den zurückliegenden Jahren stets betont, wie viel ihr an der Repräsentanz der wirtschaftsstarken Region Heilbronn-Franken liegt. Oliver Frese, Mitglied des Vorstands der Aktiengesellschaft, nahm sich jeweils am ersten Messetag die Zeit, zu einem Empfang am IHK-Stand zu kommen. Bei einem anschließenden Abendessen sprachen oft die Wirtschaftsminister Baden-Württembergs, zuletzt Nicole Hoffmeister-Kraut.

Schwäbisch Hall

Teil des IHK-Engagements für Hannover war außer dem Gemeinschaftsstand und dem Abend­empfang am Auftakttag, dass Wirtschaftsjournalisten aus der Region zu einer Recherchereise eingeladen wurden.
Gehört der IHK-Stand mit dieser jüngsten Entscheidung endgültig der Vergangenheit an? Soweit will Helmut Kessler nicht gehen. Das würde auch von der Nachfrage der Unternehmen abhängig sein.

Größe ist von Vorteil

Ist es eine Möglichkeit, den Stand zu verkleinern? In den zurückliegenden Jahren gehörte die Heilbronn-Franken-Repräsentanz in Halle 4 zweifellos zu den großen und auffallenden Präsentationen. Es sei nicht sinnvoll, mit einem kleineren Stand aufzutreten, sagt Helmut Kessler. Ein Stand mit geringeren Ausmaßen würde wahrscheinlich nicht mehr frei in einer Halle stehen können, sei also nicht mehr von allen vier Seiten zugänglich.

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Ausstellungen veranstaltet die Deutsche Messe AG jährlich. Nicht alle finden in Hannover, dem Sitz der Gesellschaft, statt.

Angebot und Nachfrage aus der ganzen Welt

Hat die Hannover Messe von ihrer Anziehungskraft verloren? Davon geht  Uwe Ziehl nicht aus. Der Gesellschafter und Aufsichtsratschef von Ziehl-Abegg schätzt an Hannover ganz besonders, dass dort Angebot und Nachfrage aus der ganzen Welt aufeinandertreffen. „Die Hannover Messe ist ein bedeutender, ungeheurer Treffpunkt“, sagt Uwe Ziehl. Seine Unternehmen, an deren Spitze Vorstandsvorsitzender Peter Fenkl steht, sind ihn Hannover seit Jahren mit einem bemerkenswert großen Stand vertreten. Dessen Merkmal ist ein leuchtendes Blau. Auf den Hannover-Auftritt des Antriebs- und Lüftungsexperten wurde auch die Bundeskanzlerin schon zweimal aufmerksam. Angela Merkel besuchte das Unternehmen an dessen Stand im Jahr 2014. Bei einem Partnerbetrieb, einem polnischen Bushersteller, der einen elektrischen Radnabenantrieb von Ziehl-Abegg verbaut, schaute die Regierungschefin im zurückliegenden Jahr vorbei.
Wolfgang Leitlein betreibt in Wolpertshausen die Romet GmbH. Sie liefert und bearbeitet Rohre in unterschiedlichen Formen. Der Inhaber schätzt an Hannover die wertvollen Kontakte. Allerdings stellt er auch fest, dass die Zahl der gezielten Besuche relativ gering ist. So war es auch in diesem April. „Wenn man sich die Rentner und Studenten wegdenkt, könnte man die Messe fast dichtmachen“, urteilt Romet-Betriebsleiter Ralf Cudok. Und Leitlein sagte im persönlichen Gespräch am 23. April dieses Jahres: „Ich bin seit 1996 auf der Hannover Messe. Aber ich kann mich an keinen Montag erinnern, der so schwach frequentiert war.“  Dennoch: Der diesjährige Auftritt von Romet am IHK-Gemeinschaftsstand in Hannover brachte dem Unternehmen vier Kunden. Der Wolpertshausener Betrieb gehört zu denjenigen, die sich auch für 2019 für einen Platz bei der IHK beworben hatten. Nach der Absage sucht Leitlein nach einer anderen Möglichkeit, sein Unternehmen in Hannover zu zeigen. just