Eins drückt sicher nicht nur die Führung der drei Landfrauenvereine, die unter sich das Untermünkheimer Gemeindegebiet aufteilen, sondern auch die vielen anderen Landfrauen. „Es ist traurig, dass wir bei vielen nur auf einen einen Kaffee- und Kuchenverein abgewertet werden“, sagt Heike Klau vom Untermünkheimer Landfrauenverein, und die anderen Damen nicken deutlich zustimmend. Auch dass die Vereinigung nur für Landwirtsfrauen offen steht, sei noch nie so gewesen und nicht nur in jüngster Zeit nähmen diese nur einen kleinen Anteil der Gesamtmitglieder ein. „Früher gab‘s halt auch noch viele Höfe auf dem Land, und deshalb war es eher klar, dass viele Landfrauen auch von einem Hof kamen“, erklärt ihre Vereinskollegin Carmen Maschke. Heute haben die Landfrauenvereine landesweit rund 80 000 Mitglieder, bundesweit rund 500 000. „Sie werden politisch gehört, und die Bewegung hat auch viel verändert“, weiß sie. Offen steht sie für Frauen jeden Alters, jeden Familienstands, jeder Herkunft, jeder Hautfarbe und jeder Religion – wie alle unisono betonen.
Ins Leben gerufen wurden die Vereine, um den Frauen auf dem Land Bildung zu vermitteln, auch ganze Ausbildungen wie zur Hauswirtschafterin. Dem kommen auch die örtlichen Bewegungen äußerst umfangreich nach, bieten Kurse, Vorträge und andere Lehrveranstaltungen in der Kochertalkommune zu den unterschiedlichsten Themen an. Und das mache die Landfrauen auch so besonders, sorge dafür, dass sie unter anderen Vereinen heraus stächen. „Ich finde die Vielfältigkeit toll“, so Klau. Bildung, Bewegung, Sport, Theater, Kultur, Kunst – eben gemeinsames Vergnügen stehe im Vordergrund.
Gemeinschaft – ein Stichwort, ein Wert, der weiter hoch gehalten wird. Das hat auch Petra Bareither bereits in jungen Jahren zu den Landfrauen im Kochereck gebracht. Als sie aufs Dorf gezogen ist, habe ihre Schwiegermutter ihr den Tipp gegeben. „Sie sagte, du musst zu den Landfrauen. Da lernst du Leute kennen“, erinnert sie sich. Bis heute wisse sie das zu schätzen, auch dass dort Frauen verschiedener Generationen zusammen kämen und auch voneinander lernen könnten.
Und natürlich von der Referenten bei verschiedenen Veranstaltungen. Diese würden mal mehr, mal weniger auf Interesse stoßen. Die Corona-Zwangs-Pause habe manches geändert. „Es ist mühsamer geworden, damit auch Leute kommen. Man muss manche einzeln ansprechen“, klagt sie. Viele seien es auch nicht mehr gewohnt, hinaus zu gehen, andere zu treffen – das betreffe vor allem die Älteren.
Wobei Bareither anmerkt, dass es vor allem die Älteren seien, die dem Verein die Treue hielten. „Früher hat man dort einfach die Gemeinschaft gesucht, egal welches Thema die Veranstaltung hatte. Früher hieß es, das ist mein Verein, da gehe ich auch hin“, sagt sie. Gerade jüngere schauten eher aufs Programm, kämen nur selektiv dann zu einzelnen Angeboten.
Überhaupt habe sich die Lage geändert. „Viele Frauen arbeiten ganztags und brauchen dann Zeit für die Familie“, zeigt sie Verständnis. „Und Ältere sind in der Enkelbetreuung eingebunden“, hakt Maschke ein. Da könne es schon sein, das man als Großmutter nicht zum Ausflug mit könne, weil der Spross der Kinder gehütet werden müsse. Die Senioren spielten gerade bei Eltern, die beide voll berufstätig sind, eine wichtige Rolle.
Und selbst wenn sich Frauen die Zeit für sich oder ihre Interessen nähmen, sei doch die Konkurrenz groß. „Gerade weil wir auch so nah an Schwäbisch Hall sind“, so Maschke und ihre Kollegin Klau fügt hinzu: „Heute haben auch die Frauen Autos und können fahren.“ So gebe es viele Angebote, die sie erreichen könnten – auch ohne Vereinsmitgliedschaft, die sie vielleicht scheuten, weil sie damit Verpflichtungen verbänden. „Es fordert ein Umdenken. Man kann beispielsweise die Frührentnerinnen stärker ansprechen. Denn die Berufstätigkeit verändert auch die Freizeit“, meint Birgit Lang vom Enslinger Landfrauenverein.
Derzeit könnten die drei Landfrauenvereine, die aus der Historie heraus gibt, weil erst in den 1970er-Jahren die Gesamtgemeinde Untermünkheim entstand, noch unabhängig sein. Im Kochereck denke man über eine Fusion nach. „Sicher werden nicht alle drei Vereine überleben. Aber wir machen ja schon ab und zu gemeinsame Veranstaltungen“, so Maschke.
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Zweite Leseebene

Die drei Landfrauenvereine im Gemeindegebiet

Die Landfrauen Untermünkheim haben vor allem Mitglieder aus dem Kernort, aus Obermünkheim, Echelhof, Suhlburg, Haagen und Wittighausen. Zum Verein zählen 80 Frauen und sieben Männer als Fördermitglieder.
Zu den Landfrauen Enslingen kommen außer Mitglieder aus diesem Ort weitere vor allem aus Schönenberg und Gaisdorf. Insgesamt sind es 85 Frauen, dazu ein Mann als Fördermtiglied.
Der Landfrauenverein Kochereck erstreckt sich im Untermünkheimer Gemeindegebiet vor allem über Brachbach, Kupfer und Übrigshausen sowie Braunsbacher Teilorte. Er hat 65 Mitglieder und einen Mann als Fördermitglied.