Deutschland ist das Land der Vereine. Und gerade im ländlichen Raum nehmen diese eine herausragende Bedeutung ein, ganz gleich, ob es sich um Sport-, Musik-, Kultur-, Sozial- oder andere Vereine handelt. Sie fördern das Gemeinwesen vor Ort und sorgen nicht selten dafür, dass sich Zugezogene in die Dorfgemeinschaft integrieren können. Vereine sind so etwas wie Brückenbauer zwischen den Menschen. Das ist auch in Untermünkheim so.
Auf der Homepage der Gemeinde Untermünkheim finden sich die Einträge von 27 Vereinen, diese reichen vom Angelverein über Landfrauenvereine bis zum Verein zur Förderung der Ortsgemeinschaft Neu-Kupfer/Kupfer.
Sportlich betrachtet gibt es den Modellflugclub Untermünkheim, der eigenen Angaben nach rund 100 Mitglieder hat und einige Erfolge, auch internationale, vorzuweisen hat. Robin Trumpp ist zigfacher Deutscher Meister und regelmäßig nehmen Piloten an Weltmeisterschaften teil. Die Schützen sind beim Sportschützenclub (SSC) Kupfer versammelt.
Eindeutiger Platzhirsch der Vereine allerdings ist hinsichtlich der Mitgliederzahl der Turn- und Rasensportverein (Tura). Kürzlich wurde die Marke von 1500 Mitgliedern durchbrochen, als die ukrainischen Zwillinge Elia und Daniel Perepech in den Verein eintraten. Die beiden Elfjährigen gehen begeistert ins Fußballtraining und haben so Kontakt zu Gleichaltrigen. Elia und Daniel kamen aufgrund des Kriegsgeschehens in der Ukraine mit ihren Eltern und Geschwistern nach Untermünkheim und fanden bei der Familie Krimmer vorerst eine Unterkunft.
Mit 1500 Mitgliedern ist statistisch betrachtet fast jeder zweite Untermünkheimer Mitglied des Tura. „Tatsächlich haben wir natürlich auch Mitglieder außerhalb Untermünkheims“, berichtet Horst Marlok, der Sprecher des Tura-Vorstands. Er ist schon seit 1996 Mitglied des Vorstands, unterbrochen nur zwischenzeitlich durch eine „Babypause“.
Elf Abteilungen gibt es beim Tura, von Badminton bis Volleyball. Kürzlich erst wurde Darts aufgenommen. „Wir sind auch offen für Trendsport“, bekräftigt der Vorstandssprecher. Nach den ersten Gesprächen sei klar gewesen, „dass Darts auf jeden Fall zu uns passt“.
Die bekanntesten beiden Abteilungen des Tura sind Fußball und Radsport. Die Fußballer schafften es vor zehn Jahren in die Verbandsliga, spielen mittlerweile in der Bezirksliga. Die Radfahrer sind derzeit besonders erfolgreich, sowohl die Straßenfahrer mit Tjark Krüger, besonders aber die Mountainbiker: Paul Schehl und Lars Gräter zählen zu den weltbesten Fahrer in der Altersklasse U19.
Dass Fußball und Radsport die meiste mediale Aufmerksamkeit erhalten, sieht Horst Marlok genauso, aber das bedeutet nicht, dass die anderen Abteilungen weniger wichtig seien. „Tischtennis gibt es bei uns schon seit Jahrzehnten. Und selbst wenn es manchmal keine ganz so große Nachfrage gibt – diese Menschen lassen sich nicht davon abbringen“, freut er sich. Toll sei es, wenn Abteilungen über Jahrzehnte ihre Angebote aufrechterhalten können. Manchmal muss man dafür sich auch einen neuen Namen geben. So wurde aus der Abteilung Frauenturnen die Abteilung Fitness & Gymnastik.

Neue Herausforderungen

Der Zeitgeist geht an Vereinen nicht vorbei, darf er auch nicht, da es sonst Probleme für Vereine geben kann. Den neuen Herausforderungen stellt sich auch der Tura. Denn das Sportverhalten der Gesellschaft hat sich spätestens nach der Jahrtausendwende grundsätzlich verändert. Vieles wird individueller.
Diesem allgemeinen Trend will auch der Tura Rechnung tragen und zwar in Form eines Sportvereinszentrums. Momentan wird eine Potenzialanalyse erstellt, deren Ergebnis für Mitte Juli erwartet wird. Sollte diese positiv ausfallen und das Zentrum tatsächlich vom Tura gebaut werden, würde das auch einen Paradigmenwechsel bedeuten. Denn dann würde es auch hauptamtliche Kräfte geben. Das Ehrenamt stößt an seine Grenzen.
Trotz des enormen Wandels, dem Vereine sich stellen müssen, hat Horst Marlok die Freude an der ehrenamtlichen Arbeit nicht verloren. „Man kann gestalten, neue Ideen einbringen. Und natürlich freut es einen auch, wenn man positives Feedback erhält, wenn jemand sagt: Ich finde das toll, was ihr macht.“

Zweite Leseebene

Deutschland, das Land der Vereine

Mehr als 600 000 Vereine gibt es in Deutschland. Berechnungen zufolge sind knapp die Hälfte der Bürger Mitglied in mindestens einem Verein. Dass sich in Deutschland die Vereinskultur so ausprägen konnte, hat vor allem mit dem Allgemeinen Preußischen Landrecht von 1794 zu tun. Dieses gestand den Untertanen Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit zu. Zunächst waren Vereine mit politischen Tendenzen in vielen deutschen Staaten verboten. Das änderte sich mit dem Reichsgesetz betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes vom Dezember 1848. Wird ein Verein in das Vereinsregister eingetragen, spricht man von einem eingetragenen Verein (e.V.), der wichtigsten Vereinsform in Deutschland. Dafür sind in der Regel sieben Mitglieder notwendig.