Im Schuljahr 2008/2009 beschloss der Gemeinderat Sachsenheim erstmalig die Schulsozialarbeit einzuführen. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf wurde das Projekt gestemmt. Die erste Sachsenheimer Schule, in der Sozialarbeiterin Nicole Grosche eingesetzt wurde, war die Werkrealschule Burgfeldschule, die heutige Gemeinschaftsschule. Damals übernahm die erste Schulsozialpädagogin in Sachsenheim eine Gruppe „auffälliger Jungs“ der Klasse 5 und 6. „Warum kommen die Schlimmsten der Schlimmsten in eine Gruppe?“, bekam sie oftmals zu hören. Mit Hilfe von Erlebnispädagogik - genauer gesagt „mit dem Bogenschießen“ - fing die Gewaltprävention statt. Doch dabei blieb es nicht. Musicals, Maskenbilderei, Jugendwochen, Sexualpädagogik, Workshops, Ausflüge: All das und viel mehr erwartete die Schüler.

Umgang mit Diversität

Während es früher darum ging, „das auffällige Verhalten männlicher Hauptschüler“ zu bändigen, geht es heutzutage darum, „die Gruppenfähigkeit der Grundschüler zu stärken“, betont Grosche. Die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Schüler verursachen keine Konflikte mehr, vielmehr sei der Umgang mit der Diversität – etwa mit Autisten – ein wichtiges Thema an Schulen. Regeln und Grenzen zu setzen, gehörten unter anderem zu den wichtigsten Aufgaben eines Sozialarbeiters.
Vor zehn Jahren, verrät Grosche, mussten die Schulen und die Sozialarbeiter sich jedoch erst kennenlernen und daran arbeiten sich zu verstehen. Sich zu einem Klassenbesuch auf eigene Faust zu begeben, sei nicht selbstverständlich gewesen. Die Sozialarbeiter dienten eher als „Feuerlöscher“. Heutzutage sei es anders, es herrsche eine gute Teamarbeit und es werde präventiv gearbeitet. Sozialarbeiter befassen sich mit Konflikten, Mobbing, Sexting, Kindeswohlgefährdungen und selbstverletzendem Verhalten. In diesen zehn Jahren führte Grosche 527 Beratungsgespräche, 213 davon mit Eltern. Es fanden neun Jugendwochen statt.
Der Sachsenheimer Bürgermeister Horst Fiedler lobte die Evangelische Jugendhilfe Hochdorf. „Sie haben eine tolle Arbeit geleistet, die Schulsozialarbeit hat sich sehr dynamisch entwickelt.“ Ihn interessierte, welche  Auswirkungen die Sozialen Medien auf die Konflikte der Schüler haben. Er nannte als Beispiel Beleidigungen und rechstradikale Parolen via Whatsapp. „Das unterscheidet sich nicht von den Beleidigungen auf dem Schulhof“, antwortete Grosche. Allerdings sei für solche Fälle gesorgt: „Schüler werden als digitale Ersthelfer ausgebildet“, um  einschreiten zu können.

Rektoren äußern sich positiv

An der Beiratssitzung nahm auch der Rektor der Kirbachschule Hohenhaslach, Rainer Graef, teil. Er gab offen zu: „Früher dachte ich, dass in Hohenhaslach kein Mensch Sozialarbeit braucht.“ Allerdings habe er feststellen müssen: „Man lernt an den eigenen Erstklässlern, wie desorientiert Kinder an der Schule ankommen.“ Claudia Obele, die Vorsitzende der Evangelischen Jugendhilfe kommentierte: „Mit Grundschülern zu arbeiten, ist sehr effektiv, sie sind jung und man spürt die positive Veränderung.“ Ludwig Filter, der eine 50-Prozent-Stelle an der Eichwald-Realschule besetzt, gab ihr recht und betonte: „Nicht erst reagieren, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.“
Gemeinderat Lars Weydt von der CDU gestand: „Am Anfang hatte meine Fraktion Zweifel an der Schulsozialarbeit.“ Die Leistung der Sozialarbeiter habe jedoch diese Zweifel beseitigt, ließ er alle wissen. Gemeinderätin Helga Niehues von der SPD ergänzte: „Ich freue mich auf jedes Zehntel der Stellen.“ Sie schlug vor: „Frau Grosche eigentlich müssen sie so einen Vortrag vor dem Gremium halten, damit jeder erfährt, was aus einer kleinen 40-Prozent-Stelle geworden ist Seitens der Gemeinderäte hieß es: „Wir müssen uns Gedanken machen, wie wir das Thema Schulsozialarbeit in die Klausurtagung einführen.“

Info Die Evangelische Jugendhilfe ist Mitglied im Diakonischen Werk Württemberg. Mit rund 100 Mitarbeiter bietet sie im Landkreis Ludwigsburg sozialpädagogische Angebote für junge Menschen und deren Familien an.

Entwicklung der Sachsenheimer Schulsozialarbeit in Zahlen

Stadtjugendpfleger Nico Blum, der für Bildung, Betreuung und Bürgerengagement in Sachsenheim zuständig ist, stellte die Entwicklung der Schulsozialarbeit in Zahlen dar.
Der derzeitige Stellenumfang in der Schulsozialarbeit in Sachsenheim beträgt 240 Prozent. Die jährlichen Gesamtkosten belaufen sich auf 189 000 Euro. Der Haushaltsansatz wird mit 149 000 Euro beziffert. Die Fördermittel durch das Land betragen 40 000 Euro.
Im Oktober 2008 hatte die Schulsozialarbeit an der Burgfeldschule einen Stellenumfang von 40 Prozent. Im September 2011 wurde sie auf 60 Prozent aufgestockt. Erst im Jahr 2012 begann die Landesförderung. Im Februar desselben Jahres wurde die Stelle auf 90 Prozent aufgestockt. Im Oktober 2015 wird die Realschule mit einer 50-Prozent-Stelle ausgestattet und im Februar 2016 erhielt die Kirbachschule auch eine solche Stelle.
Seit Juni 2018 teilen sich die Grundschule Kleinsachsenheim und die Kraichertschule eine 50-Prozent-Stelle, die bis Dezember befristet ist. ifi