Die Lamas genießen die Sonne und das schöne Wetter, das sich an diesem Morgen ankündigt. Auf einem Wiesengrundstück am Ende von Sondelfingen haben sie ihr Zuhause und sind längst zu einem Ausflugsziel für ganze Familien geworden. Doch die Idylle trügt. Seit Tagen tobt ein  Streit um die Tiere. Die Empörungswelle trifft vor allem die Stadtverwaltung Reutlingen.
Was ist passiert? Bei der Stadtverwaltung ging eine Anzeige ein, am Ortsausgang von Sondelfingen würden verbotswidrig Lamas auf einem Grundstück gehalten. „Wir können eine solche Anzeige nicht ignorieren, sondern müssen der Sache nachgehen“, betont Wolfgang Löffler, Sprecher der Stadt Reutlingen. In dem Gebiet gilt seit 1984 ein Bebauungsplan, der als Sondergebiet ein „Gartenhausgebiet“ festsetzt. Zugelassen sind dort Gartenhäuser zum Aufbewahren von Geräten. Tierhaltungen, Stallungen, Lagerplätze und sonstige bauliche Anlagen sind dort nicht erlaubt. Dass nur ein paar Meter vom Lama-Gehege entfernt Pferde gehalten werden, ist auf den geltenden Bestandsschutz zurückzuführen, die Pferdehaltung sei bereits vor Inkrafttreten des Bebauungsplans dort angesiedelt gewesen. „Die Lamas müssen nicht weg, weil sie die Stadtverwaltung stören, sondern weil eine solche Tierhaltung an diesem Ort nicht zulässig ist“, konstatiert Löffler. „Wir sind an rechtliche Vorgaben gebunden und können nicht einfach entscheiden, wie es uns passt.“
Nicht zutreffend ist, dass die Lamas kurzfristig, und zwar innerhalb des nächsten Monats, entfernt werden sollen. Löffler betont, die Verwaltung befinde sich derzeit mit dem Eigentümer in der Klärung. „Es handelt sich um ein laufendes Verwaltungsverfahren.“
In den sozialen Netzwerken stößt die Lama-Geschichte aus Sondelfingen auf enormes Interesse. Den Spaziergängern, Liebhabern und Familien, die jetzt um ihre Lamas fürchten, bleibt unverständlich, weshalb die Tiere nicht in Sondelfingen bleiben sollen. Sie hoffen nun alle auf eine gute Lösung und eine Einigung zwischen Stadt und Eigentümer. Was die Lamas über dies alles denken, bleibt uns derweil verborgen.

Sondergebiet „Gartenhausgebiet“

Der gültige Bebauungsplan für das Gebiet, auf dem die Lamas untergebracht sind, ist seit November 1984 in Kraft. Der Rechtsplan setzt ein Sondergebiet „Gartenhausgebiet“ fest und ist zu unterscheiden von dem Bereich, für welchen eine andere Rechtslage gilt (Sondergebiet „Fläche für Reitsport-anlagen“). Im Gartenhausgebiet sind zulässig: Gartenhäuser mit maximal 25 Kubikmeter Rauminhalt pro Grundstück zum Aufbewahren von Geräten und zum Aufenthalt, nicht zur Übernachtung (und nicht zum Wohnen). Die Zweckbestimmung des Gartenhausgebiets beinhaltet keine Tierhaltung, keine Stallungen, Lagerplätze und sonstige bauliche Anlagen. Die Gartenhäuser geben dem Gebiet in der freien Landschaft ihr Gepräge, wie es  heißt.