Der Aufbau des Reutlinger Weindorfes läuft inzwischen auf Hochtouren – und die Weindorfwirte machen sich bei einem Pressetermin anlässlich des nahenden „Reutlinger Herbst“ gegenseitig auch ein wenig Mut. „Wir machen es“, sagt etwa Hauptorganisatorin Regine Vohrer. Es gäbe mehrere Unbekannte, welche die Planung des Weindorfs für die Wirte schwierig machen, sagt Vohrer angesichts der Preissteigerungen nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine. Und da ist ja immer noch die Corona-Pandemie. „Wir gehen ins Risiko“, ist sich Vohrer daher bewusst.

Die erste Laube ist schon in Betrieb

Besonders gilt dies derzeit für Andreas Sommer und seinen Familienbetrieb „Café Sommer“. Weil das Konditorei-Café aktuell umgebaut wird, hat Sommer seine „Sommerlaube“ an der Reutlinger Marienkirche bereits bezogen. Die Kundschaft nimmt das Interims-Café bisher augenscheinlich gut an. Und Sommer wird deshalb auch während des Weindorfs eigene Öffnungszeiten haben. Die „Sommerlaube“ hat täglich von 8 Uhr an geöffnet, sieben Tage die Woche. Sonntags und montags schließt die Sommerlaube um 18 Uhr, an den Öffnungstagen des Weindorfs bleibt natürlich bis 23 Uhr geöffnet.

Reutlingen

Denn das Reutlinger Weindorf bleibt generell sonntags und montags geschlossen. Hier macht sich der Personalmangel in der Gastronomie bemerkbar. Das eigentliche Weindorf öffnet daher von Dienstag bis Samstag von 17 bis 23 Uhr. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: die Joli-Laube von Gastronom Uwe Grauer und die Laube des Lichtensteiner Forellenhofs Rössle öffnen bereits zum Mittagstisch.

Neue Wildgerichte

Ganz neu im Weindorf-Boot sind Elke und Daniel Seywald von der Gutsgaststätte Alteburg. Die beiden passionierten Jäger wollen das Weindorf um verschiedene Wildgerichte bereichern. „Der Küchenbereich ist etwas klein, daher sind wir in unserem Angebot eingeschränkt“, bedauert Daniel Seywald, um dann doch eine ganze Palette von Köstlichkeiten anzuführen: Chilli vom Schönbuch, Rehragout an Preiselbeeren und Wildmaultaschen etwa, aber auch Bio-Rind aus Kohlstetten, Käse aus dem Lautertal und Hausschwein von der Alb kommt bei den Seywalds auf den Teller. Die Gutsgaststätte hat derweil Betriebsferien – viele Mitarbeiter helfen aber beim Weindorf aus. Hinzu kommen weitere Aushilfen. „Da haben wir einige gute Griffe getan. Das Stammpersonal würde nicht ausreichen“, sagt Seywald. „Ich hoffe nur, dass niemand krank wird.“

Neckartailfingen

Der Personalmangel ist das eine Problem. Das andere sind die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise. „Wir müssen die Kostensteigerungen zum Teil weiterreichen. Zu den gleichen Preisen wie vor drei Jahren lässt sich das Weindorf nicht mehr gestalten“, kündigt Dieter Wetzel an, der das Metzinger Hotel-Restaurant Schwanen betreibt und beim Weindorf in die „Ermstallaube“ einlädt. Wetzel hofft auf das Verständnis der Besucher, schließlich sei der Aufwand enorm: „Wir bauen hier richtige Gastronomiebetriebe auf der Straße auf, haben einen enormen logistischen Aufwand und bieten auch noch Livemusik an.“

Geselligkeit möglich machen

Regine Vohrer verweist auch auf die allgemeinen Preiserhöhungen in der Gastronomie. „Wir sind nicht über den Preisen der örtlichen Gastronomen“, betont die Weindorf-Organisatorin und sagt: „Wir wollen hier Weindorfpreise bieten und keine Sternepreise.“ Das Ziel sei eben auch, den Menschen bei gutem Essen und gutem Wein eine gesellige Zeit zu ermöglichen – ein Bereich, in dem nach der Corona-Pandemie – oder trotz der Corona-Pandemie – erheblicher Nachholbedarf herrscht.
Und damit auch alle Gäste ein Plätzchen auf dem Weindorf finden, appellieren die Wirte an die Solidarität ihrer Gäste: Wer reserviert, sollte auch tatsächlich kommen – oder rechtzeitig absagen. Und auch mit der angekündigten Personenzahl erscheinen. Weil das in der Vergangenheit nicht immer geklappt hat, nehmen die Wirte in diesem Jahr Reservierungen nur bis jeweils 18 Uhr entgegen. Wer dann nicht kommt, muss damit rechnen, dass seinen Tisch bis zu seiner Ankunft andere Leute in Beschlag genommen haben.

Wissenswertes rund um den Reutlinger Herbst

Das Weindorf bleibt zwar sonntags und montags geschlossen (bis auf die Sommerlaube), dennoch bleibt das Weindorf in der Summe länger geöffnet als in den Vor-Corona-Jahren. Eröffnet wird das Weindorf am Donnerstag, 25. August, um 17.30 Uhr durch Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck und Organisatorin Regine Vohrer.
Insgesamt gibt es rund 3000 überdachte Sitzplätze – innen und außen. Zudem lädt der „Reutlinger Weinbrunnen“ zum Verweilen ein. Livemusik wird es jeden Abend in den Lauben geben, gediegen, ohne technische Verstärker.
Württembergs Weinkönigin Tamara Elbl wird am Freitag, 2. September, dem Weindorf die Ehre geben. Am selben Tag findet das traditionelle Fassrollen in der Metzgerstraße statt, bei dem sich die Weindorfwirte mit den Männern und Frauen der Feuerwehr Reutlingen und der Feuerwehr Aarau messen werden. Vor allem die Reutlinger Florianjünger dürften entschlossen um den Titel kämpfen – schließlich feiert die Freiwillige Feuerwehr Reutlingen in diesem Jahr ihr 175-jähriges Bestehen.
Dirndl- und Lederhosentag ist jeweils samstags. Angeboten werden über 100 Weine.