Nehmen wir an, ein Lkw-Fahrer kommt von der Alb, durchquert Pfullingen und muss dann in Richtung Tübingen weiterfahren. Und nehmen wir zudem an, er kennt sich in der Gegend nicht aus. Dann hat er auf der Straße Am Echazufer, wenige Meter vor dem Reutlinger Ortsschild, plötzlich ein Problem: Dann sieht er nämlich zum ersten Mal ein Schild, das ihm anzeigt, dass er hier eigentlich gar nicht weiterfahren darf.

Seit März 2018 Durchfahrtsverbot

Denn seit März 2018 gilt auf innerstädtischen Straßen ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen – Ausnahme ist der Lieferverkehr.
Umdrehen oder auf eine andere Straße ausweichen kann der fiktive Fahrer zum angenommenen Zeitpunkt allerdings auch nicht mehr – denn auch die letzte Abbiegemöglichkeit, die Albstraße, ist für Lastwagen gesperrt. „Schlecht gemacht“, ist das eindeutige Fazit von Fahrlehrer Dieter Frank zur Ausschilderung des Durchfahrtsverbots. Dieses findet er eigentlich sinnvoll – wäre es nur auch sinnvoll ausgewiesen.
„Die Verbotszeichen gehören auf die Vorwegweiser“, sagt der 66-jährige Frank. Vorwegweiser heißen die großen, gelben Schilder, auf denen anhand von Ortsnamen eine grobe Orientierung geboten wird. 

Kritik an der Ausschilderung

„Auf diesen Schildern ist massig Platz“, sagt Frank weiter. „Und Krankenhäuser, Freibäder und Sportplätze werden da schließlich auch angezeigt.“ Frank ist seit 1976 Fahrlehrer. Auch mehrere Kollegen teilen seine Kritik an der Ausschilderung, sagt er.
Was er ebenfalls nicht versteht: Wieso wird das Verbot nicht großflächig auf den kompletten Bereich ausgeweitet, der der Innenstadt nahe ist? Von Tübingen kommend darf ein Lkw-Fahrer beispielsweise beim Festplatz Bösmannsäcker rechts abbiegen, die erste Ausfahrt in Richtung Hochschule darf er aber nicht nehmen: „Rechts von der B 28 gehört einfach konsequent alles gesperrt für Lastwagen“, sagt Frank. Alles andere führe nur zu Verwirrung: „Die biegen dann ab und stehen mitten im Wohngebiet plötzlich doch vor dem Verbotsschild.“

Wann wäre seine letzte Möglichkeit?

Ortswechsel: Wenn der fremde Lkw-Fahrer von Gönningen kommend auf der Alteburgstraße nach Reutlingen fährt, steht er ebenfalls plötzlich vor einem Problem. Zum ersten Mal ist das Durchfahrtsverbot nämlich noch vor dem Kreuzeichestadion ausgeschildert: in 1,1 Kilometern Entfernung. Frank fragt: „Woher soll der Fahrer denn wissen, wann 1,1 Kilometer vorbei sind? Und wann seine letzte Möglichkeit wäre, noch abzubiegen?“ Er wiederholt sich: „Das muss auf die Vorwegweiser drauf.“ Esslingen und Stuttgart würden das schließlich auch so handhaben.
Martin Holzhauer aus Ober­stetten hat heute die erste Fahrstunde bei Frank. „Das Fahren geht gut, wenn man ein bisschen ein Gefühl für größere Autos hat“, findet er. „Am schwierigsten ist tatsächlich das Aufpassen auf alle anderen und die Schilder.“ Manche sind auch zugewachsen oder extrem verblichen, zeigt Frank auf seiner Tour. Wenn er in der Stadt unterwegs ist, sehe er oft Lastwagen mit osteuropäischen Kennzeichen. „Die verirren sich oft“, sagt er. Auch ihnen würde eins helfen: Auf die Vorwegweiser drauf.

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Aichstetten / Hayingen

Aufwendiger als normale Auto-Kontrollen

Die Kontrolle des Durchfahrtsverbotes übernehmen nach Polizeiangaben „speziell geschulte Kräfte der Verkehrspolizei“. Dabei werden sie durch Streifen des Reutlinger Reviers unterstützt. Die Kontrollen seien zeitlich und inhaltlich intensiver als normale Pkw-Kontrollen, da „bei Lkw-Kontrollen in jedem Fall auch die Einhaltung der Sozialvorschriften – beispielsweise Lenk- und Ruhezeiten – sowie der technische Zustand der Fahrzeuge geprüft werden muss“. Eine spezielle Statistik zu den Lkw-Kontrollen führe man nicht, da diese wie andere Ordnungswidrigkeiten behandelt werden, also mit Park- und Geschwindigkeitsverstößen aufgelistet werden.  kam