Für Ole Bischof war es am Anfang der Traum, den viele junge Menschen haben: einmal als Athlet bei Olympia, beim weltgrößten Sportereignis, dabei zu sein. Später wandelte sich der Kindheitstraum in ein Ideal. „Die olympische Bewegung verkörpert für mich die Vision ‘Frieden auf der Welt zu schaffen‘ “, sagt der heute 40-Jährige, „vordergründig sind zwar die Medaillen und Siege das Wichtigste, aber damit geht das faire Zusammenkommen einher – denn nur so gelingt gemeinsames Sport treiben“.

Der Olympiasieger aus der Judo-AG des Reutlinger Kepler-Gymnasiums

2008 stieg der aus Reutlingen stammende Ole Bischof in den Olymp auf, als er in Peking sensationell Judo-Olympiasieger wurde und vier Jahre später mit einer Silbermedaille in London seine Karriere zusätzlich krönte. Die Teilnahme an der Judo-Arbeitsgemeinschaft seines Vaters am Reutlinger Kepler-Gymnasium war der Einstieg in eine erfolgreiche Sportkarriere, die insgesamt 23 Jahre dauerte. „In der Schule erhielt ich die Chance, mich sportlich auszuprobieren, mein Talent zu entfalten“, sagt er im Blick zurück.

Mit dem TSG zur Europameisterschaft 2004

Die Initialzündung erhielt Bischof mit der Teilnahme seiner Schule, dem Bildungszentrum Nord (BZN) in Reutlingen, bei „Jugend trainiert für Olympia“. Ole kämpfte als Elfjähriger zusammen mit vier anderen im Team. „Was wäre ohne Jugend trainiert aus mir geworden?“ denkt er nach, „vermutlich kein Olympiasieger“. Spaß haben, sich auszuprobieren in den verschiedenen Sportarten, sei das Wichtigste, um letztlich seine Passion zu finden.
Bei der TSG Reutlingen fand Bischof seine sportliche Heimat, der er bis heute treu geblieben ist. Bis zu seiner ersten EM-Medaille bei den Europameisterschaften 2004 in Bukarest sei der Karriereweg nicht nur aufgrund des vielen, intensiven Trainings hart gewesen, sondern vor allem finanziell.

Von der studentischen Aushilfe zum sorgenfreien Leben

Ole Bischof verdiente sich als studentische Hilfskraft während seines Studiums in Köln den Lebensunterhalt. Dazu kam etwas Sporthilfe, was in Summe aber keine großen Sprünge erlaubte. Bischofs Werdegang macht deutlich: Der Weg vom Youngster zum Olympiasieger ist lang und benötigt Zähigkeit.
Erst mit 28 Jahren schaffte er den Sprung auf die Matte bei Olympia. „Nach dem Olympiasieg waren die finanziellen Sorgen weg“, sagt Bischof wohl auch mit einer gewissen Genugtuung. „Die Gefahr des Scheiterns ist jedoch sehr groß“, schaut er auch selbstkritisch auf seine Laufbahn zurück.
Jedoch nicht deshalb sei die Goldmedaille von Peking so wertvoll gewesen. Die Karriere darauf zu reduzieren, sei zu wenig. Wenn dieses 300 Gramm schwere Stück Metall mal „geklaut“ werden sollte, wäre er natürlich erst mal traurig, aber das Entscheidende seien die Erfahrungen und Erinnerungen, die dahinter stehen. Durchgehalten zu haben, gesund geblieben zu sein, viele Menschen und Länder kennengelernt zu haben, sei die wahre wertvolle Rückseite der Medaille.

Mit allen Idealen der Olympiade ausgestattet und in München etabliert

Der Diplom-Volkswirt und zweifache Vater lebt heute in München. Er arbeitet bei einem großen Medienkonzern und hat sich damit nach der sportlichen Karriere auch beruflich etabliert.
Zudem war der sportliche Vorzeigeschwabe vier Jahre ehrenamtlich als Vizepräsident Leistungssport im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) engagiert. „Die ideellen Werte des Sports sind für unsere Gesellschaft wichtig“, bilanziert er. Ole Bischof – ein Vorbild durch und durch, von der Pike bis an die Spitze des Sports, mit allen Idealen der Olympischen Bewegung ausgestattet.