Zwischen „Betreutem Fahren“, so nennen Spötter den Hang zu immer mehr Assistenzsystemen und elektronischen Helferlein im Auto – und dem Taxi der Lüfte: Das Thema Automobil der Zukunft gewinnt an Brisanz. Die Bedürfnisse ändern sich, neue Technologien und Antriebstechniken sind auf dem Vormarsch.
Viele Automobilzulieferer machen sich schon lange Gedanken über neue Produkte. Denn die Elektromobilität ist auf dem Vormarsch.  Dies zwar langsamer als es die Politik und Umweltverbände sich wünschen. Indes: Ein normaler Benziner der Kompaktklasse besteht aus gut 7000 Einzelteilen, ein vergleichbares E-Mobil kommt mit der Hälfte aus.
Im Mittelpunkt des Treffens der Reutlinger IHK-Netzwerke Automotive und Kreativwirtschaft stand dieser Tage jedoch eher der allgemeinen Umgang des Menschen mit dem Automobil im Fokus, sowie sich verändernde Bedürfnisse im Kontext des technologischen Fortschritts.
Eine Zukunftsstudie, ein leibhaftiges Elektro-Modell von Daimler, erwartete die Besucher in einer Fabrikhalle des Malerbetriebs von Roman Geiselhart, der als Gastgeber seine Türen für dieses überaus spannende und anregende Treffen zur Verfügung gestellt gestellt hatte.
„Immer wenn ich im Stau stehe, möchte ich in die Luft gehen“, bekannte Prof. Heinrich Bulthoff, der am Max-Planck-Institut Tübingen dem dann auch ganz konkret im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts „Mycopter“ nachgegangen ist.
Ein „Highway in the Sky?“ Ja, die Luft stehe dem Automobil prinzipiell offen, in technischer Hinsicht jedenfalls. Chinesen wollen demnächst Menschen mit einer Art Riesendrohne am Hotel abholen. Vorher setzen die sich in eine Kapsel, der Copter dockt dann oben an und fliegt sie zu ihrem Ziel, etwa zum Flughafen.
Unter Sichtflugbedingungen wurde mit 50 Drohnen gleichzeitig bereits simuliert, was sich in der Luft so abspielen könnte. Die Crux wird aber sein, ob Menschen körperlich und psychisch in der Lage sind, mit der dritten Dimension zurechtzukommen.
Schöner Wohnen während des Fahrens? Das Sozialleben mit dem Arbeitsleben verbinden? Prof. Andrea Lipp und Prof. Michael Goretzky vom Transprt Interior Design der Hochschule Reutlingen haben von den Studierenden schon viele Anregungen erhalten. Wenn es gut läuft, steigt oft auch die Automobilindustrie fördernd mit ins Boot, um so spannende Projekte wie das Cockpit eines Trucks auch als Wohnzimmer nutzen zu können. Der Brummi selbst fährt ja autonom.
Hauptredner Dr. Carsten Oder, der Deutschland-Vertriebsleiter von Mercedes ist, betonte, dass der Mensch und dessen sich stets wandelnden Bedürfnisse im Mittelpunkt der Entwicklung von Automobilen stehen werden. „Das Auto soll Mittel zum Zweck sein“. Oders Credo: Mit einem weiterhin breiten Produkt-Portfolio auftreten – und flexibel auf individuelle Kundenwünsche eingehen. „Und bis zum Jahr 2022 investieren wir zehn 10 Milliarden Euro in die Elektromobilität.“