Gerade an Heiligabend soll niemand alleine bleiben. Ob dies nun Menschen am Rande der Gesellschaft sind, Menschen, die einen Partner verloren haben oder jene, die eben von niemandem eingeladen werden. In Reutlingen haben sie stets eine Anlaufstelle, um den 24. Dezember gemeinsam mit anderen zu verbringen. Bereits zum 17. Mal laden Caritas und Diakonie, die Evangelische Gesamtkirchengemeinde und die Katholische Kirchengemeinde zum Heiligabend ab 18 Uhr ins Augustin-Bea-Haus ein.

40 Helfer

Möglich ist dies freilich nur mit den rund 40 ehrenamtlichen Helfern, die auch heuer wieder mit dabei sind und für einen schönen Ablauf sorgen. Bis zu 150 Menschen nehmen jedes Jahr an dem gemeinsamen Heiligabend teil, „wir müssen sogar viele ablehnen, weil wir eben nur eine gewisse räumliche Kapazität haben“, bedauern Michaela Polanz und Doris Kleinmann von der Caritas, in deren Obhut die Organisation in diesem Jahr liegt.
Der Heiligabend hat alles, was diesen besonderen Tag im Jahr eben ausmacht: Weihnachtsbaum, die Weihnachtsgeschichte, Lieder, Gebäck von Schülern der Kerschensteinerschule und ein leckeres Essen. Das kommt auch in diesem Jahr wieder vom Spitzenkoch Simon Tress, der seit vielen Jahren für Heiligabend Essen kocht, liefert und serviert. Auch eine Bescherung soll es geben, die Buchhandlung Osiander sowie Oertel&Spörer spenden hierfür Gutscheine und Bücher. Und natürlich bekommen auch Kinder ein Geschenk. „Wir haben sogar eine Kinderbetreuung“, sagt Michaela Polanz. Für den Fahrdienst hat die KBF Fahrzeuge zur Verfügung gestellt. Allerdings ist der Fahrdienst nur für Gäste gedacht, die nicht mobil sind beziehungsweise keine Möglichkeit haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen.
Joachim Rückle, Chef des Diakonieverbandes in Reutlingen, ist in diesem Jahr zum ersten Mal als Helfer mit dabei und freut sich schon enorm darauf. Er sieht die Aktion „Heiligabend gemeinsam feiern“ auch als schönes ökumenisches Zeichen. „Und es entspricht dem Grundgedanken des Heiligabend, Menschen von draußen reinzuholen.“ Thomas Eickstädt wird an dem Abend musizieren. Auch Klaus Schmitt und Frank Christoph Schnitzler gehören mit zum Team und bringen sich ein. Schnitzler ist seit acht Jahren mit dabei und übernimmt stets den Fahrdienst. Jana Zielke ist ebenfalls mit von der Partie und wird auch am Vortag des Heiligabend alles mit vorbereiten. Das Team richtet nämlich bereits am 23. Dezember Saal und Tische. „Dann dürfen wir an Heiligabend nur noch die Türen öffnen.“

Enormes Interesse

Das Interesse an der Aktion „Heiligabend gemeinsam feiern“ wird immer größer, bestätigen Michaela Polanz und Joachim Rückle. Am liebsten würden sie niemanden ablehnen und sie machen sich auch bereits Gedanken über zukünftige Raumkapazitäten. Die Stadthalle wäre freilich ein geeigneter Ort, aber kostenintensiv. „Das Thema Einsamkeit ist brisant“, sagt Rückle. Gerade Caritas, Diakonie und Kirchengemeinden müssten sich dem Thema viel mehr stellen, betont er. Und Frank Christoph Schnitzler befürchtet, dass die zunehmende Altersarmut auch zu mehr Vereinsamung führt.
Die Erfahrung zeigt, dass ganz unterschiedliche Menschen zur gemeinsamen Heiligabendfeier kommen. Kirchennahe und Kirchenferne, Jung und Alt, Einzelpersonen und ganze Familien, solche, die einsam sind und solche, die sich ein Essen an Heiligabend ohne diese Aktion schlichtweg nicht leisten könnten.

Heiligabend gemeinsam feiern

Die Aktion „Heiligabend gemeinsam feiern“ findet auch in diesem Jahr wieder am 24. Dezember von 18 bis 21 Uhr statt, diesmal im Augustin-Bea-Haus, St.-Wolfgang-Straße 12. Die Weihnachtsfeier ist kostenfrei. Es gibt einen Fahrdienst, der Menschen, die nicht mobil sind, gerne abholt und wieder nach hause bringt.
Eine Anmeldung ist unbedingt erforderlich, da die Plätze begrenzt sind. Anmeldung bis spätestens Mittwoch, 18. Dezember, an das Caritas-Zentrum, Kaiserstraße 27, Telefon (0 71 21) 16 56-0. Flyer mit Anmeldecoupon liegen auch bei der Caritas, der Diakonie sowie verschiedenen Kirchengemeinden aus.