Genaue Zahlen gibt es nicht. Experten sprechen von mindestens 1,4 Millionen Drohnen, die in der Republik ab und zu am Himmel unterwegs sind. Tendenz steigend. Auch an Weihnachten werden garantiert viele unbemannte Fluggeräte unterm Christbaum liegen, mit denen man Fotos und Videos aus der Luft machen kann.
Jeder, ohne Altersbeschränkung, darf solche, häufig mit dem Smartphone steuerbaren Drohnen in die Luft steigen lassen. Manche Hobbypiloten fehlen aber grundlegende Rechtskenntnisse: Sie wissen nicht, was verboten ist. Dabei häufen sich  Berichte von Unfällen oder gefährlichen Situationen.
Wolfgang Jürgens, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Ulm, kennt die Probleme. Erst kürzlich musste eine Drohne der Polizei die Drohne eines jungen Mannes verfolgen, der sein Flugobjekt verbotenerweise über einem Einsatzort zahlreicher Hilfskräfte schweben hat lassen. Der Pilot konnte ausfindig gemacht werden. Der habe sich herausgeredet, von allem nichts gewusst zu haben, so Jürgens. Unterm Strich halten sich die Verstöße in seinem Bereich allerdings „in Grenzen“. Früher sei es schlimmer gewesen. Inzwischen wüssten die meisten Piloten, was sie dürfen und was nicht.

Stuttgart landesweit zuständig

Seit November gilt allerdings eine neue „Allgemeinverfügung des Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart“, das beim Thema Drohnen für alle vier Regierungsbezirke in Baden-Württemberg zentral zuständig ist. Die neue Fassung enthält  viele Änderungen, auf die sich Piloten einstellen müssen. Sie erlaubt wie bisher den Betrieb von Fluggeräten mit bis zu zehn Kilogramm Startgewicht.
Wer außerdem seine Drohne gewerblich nutzt, und Ausnahmen von bestimmten Betriebsverboten benötigt, muss beim RP Stuttgart seine Drohne für 50 Euro registrieren lassen. Diese Bescheinigung, die zwei Jahre Gültigkeit hat, ist bei behördlichen Kontrollen vorzulegen, ebenso wie der Nachweis über eine entsprechende Drohnen-Haftpflichtversicherung.
Wer die neue Bescheinigung in Händen hält, hat gleichzeitig eine Registriernummer zugeteilt bekommen. Seit dem 1. November ist es nämlich vorgeschrieben, den Betrieb 24 Stunden, mindestens einen Werktag vorher, schriftlich oder per E-Mail der zuständigen Polizeibehörde im Rathaus und der zuständigen Polizeidienststelle vor Ort mitzuteilen. „Bislang musste jedes Mal eine neue luftrechtliche Einzelaufstiegserlaubnis für gewerbliche Zwecke Tage zuvor beim RP beantragt werden, dieses Prozedere fällt jetzt weg“, erklären Drohnensteuerer.

Kommunen freuen sich

Den  Kommunen kommt die neue Allgemeinverfügung gerade recht. „Seit dem 1. November haben wir Klärung“, freut sich Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz aus dem Landkreis Reutlingen. Auch ihm sei schon einmal bei einem Hock eine Drohne über den Kopf geschwirrt. „In Zukunft wissen wir, ob das seine Richtigkeit hat oder nicht.“ Und wenn nicht, könne die Gemeinde einschreiten.
Mit der neuen Verordnung ist es auch nicht mehr verboten, mit einer Drohne, die nicht mehr als zwei Kilogramm wiegt, über Wohngrundstücke in einer Mindesthöhe von 30 Metern zu fliegen. „Wenn die Zustimmung des Grundstückseigentümers oder sonstiger Nutzungsberechtigter nicht in zumutbarer Weise eingeholt werden kann“, ist ein zügiges Überfliegen „an maximal vier Tagen im Kalenderjahr“ erlaubt. Dabei gilt es, weitere Einschränkungen zu beachten, erklärt die Pressestelle des RP Stuttgart.
Alle Flugbewegungen müssen jetzt schriftlich oder elektronisch, aufgezeichnet werden. Sie sind mindesten zwei Jahre aufzubewahren und auf Verlagen der Luftfahrtbehörde vorzulegen.
Wer sich als gewerblicher Drohnenführer nicht an die Regeln hält und angezeigt wird, muss bei Verstößen mit einem Bußgeld bis zu 50.000 Euro rechnen, teilt das RP Karlsruhe auf Nachfrage mit. Das Bußgeld liegt im privaten Bereich zwischen 200 und 250 Euro.

Feuerfeste Plakette

Wiegt eine Drohne  mehr als 0,25 Kilogramm, ist sie mit einer feuerfesten Plakette mit Name, Adresse und Telefonnummer zu kennzeichnen. Ab zwei Kilogramm Startgewicht ist zudem ein Kenntnisnachweis erforderlich. Ab fünf Kilogramm besteht Erlaubnispflicht.
Überflogverbote gelten etwa für: Menschenansammlungen (ab zwölf Personen), Einsatzorte der Polizei und Rettungskräfte, Kontrollzentren von Flugplätzen, Naturschutzgebiete, Autobahnen, Gleis- und Militäranlagen und Grundstücke auf denen Verfassungsorgane sowie Bundes- und Landesbehörden ihren Sitz haben.
Die Allgemeinverfügung, Infos und Formulare, um Drohnen bei den Behörden anzumelden, gibt es im Internet unter: www.rp.baden-wuerttemberg.de/Themen/Verkehr/Luft .