Jede Menge Feuchttücher, Putzlappen und sogar Unterwäsche fanden die Mitarbeiter einer Rohreinigungsfirma im verstopften Abfluss eines Mietshauses in Senden. Dessen Eigentümerin ist sich sicher: Eine Mieterin hat das Rohr im Keller mit Absicht verstopft. Immerhin waren die Reinigungsspezialisten aus diesem Grund von Februar bis April dieses Jahres insgesamt acht Mal da. Gestern wurde nun vor dem Amtsgericht Neu-Ulm wegen Sachbeschädigung gegen die Beschuldigte verhandelt.
Die 27-Jährige stritt die Vorwürfe gegenüber Richter Thomas Mayer allerdings vehement ab. Dabei spricht einiges für ihre Schuld. So will der Verkäufer eines Lebensmittelladens sie dabei beobachtet haben, wie sie große Mengen Putzlappen gekauft habe. Genau die Art Lappen, die sich später im Rohr fanden. Der Sohn der Vermieterin behauptet außerdem, dass die Angeklagte die Tat ihm gegenüber zugegeben habe. Fast 6000 Euro hat die Reinigung laut der Hausbesitzerin damals gekostet. „Wir wussten uns nicht mehr zu helfen, ständig war der Keller überflutet“, sagte sie vor Gericht. Fristlos gekündigt hatte sie der Angeklagten schon im März. Nicht nur wegen der verstopften Rohre, sondern auch wegen Streitigkeiten um die Müll­entsorgung. Bislang ist die Angeklagte mit ihrer Familie aber nicht ausgezogen. Das Räumungsverfahren läuft. Gleichzeitig will sich die Frau wohl von ihrem Mann trennen.
Damit nicht genug: Weil sie sich in weiteren Verfahren unter anderem wegen Diebstahls verantworten muss, drohen der Angeklagten bald mehrere Monate Haft. In diesem Fall könnte auch die Bewährung einer Strafe wegen Schwarzfahrens wider­rufen werden, die sie gerade noch verbüßt. Mit diesen Aussichten begründete Richter Mayer am Dienstag dann auch, dass er das Verfahren wegen der verstopften Rohre einstellen ließ. „Die Dame sehen wir wahrscheinlich noch öfter.“