Auf diesen Beschluss hat Andreas Butzmann aus dem Pfaffenhofener Ortsteil Beuren seit Jahren gewartet. Der Bundestag hat am Donnerstag entschieden, dass Krankenkassen künftig die Kosten für die Cannabisbehandlung Schwerkranker übernehmen müssen. Butzmann ist schwer krank und konsumiert Cannbis zu therapeutischen Zwecken. Das Bundestagsvotum bezeichnet er als Durchbruch. Der 33-Jährige sagt: „Ich bin einer der Fälle, die von dem Gesetz profitieren.“
Eine hereditäre Neuropathie macht dem 33-Jährigen das Leben zur Hölle. Die als unheilbar geltende Erkrankung des Nervensystems verursacht starke Schmerzen, was zur Folge hat, dass er seinen Beruf als Lebensmitteltechniker nicht mehr ausüben kann, stattdessen Frührentner ist. Opioide verträgt Butzmann nicht. „Das einzige, was hilft, ist Cannabis“, betont er. Seine Mutter Barbara sagt klipp und klar: „Hätten wir im August 2015 nicht komplett auf Cannabis umgestellt, wäre Andreas heute tot.“
Butzmann hat sich hoch verschulden müssen, eigenen Angaben zur Folge rund 50 000 Euro investiert, um seine Cannabis-Therapie zu finanzieren. Noch im Juli 2015 entschied das Verwaltungsgericht Augsburg, dass Butzmanns Krankenkasse nicht für dessen Cannabis-Konsum aufkommen muss.  Das gilt künftig nicht mehr, sagt der Beurener. Der 33-Jährige geht davon aus, dass die Kassen künftig die Behandlung bezahlen – und er darüber hinaus die Kosten aus den vergangenen Jahren erstattet bekommt. „Dafür werde ich mich jedenfalls einsetzen.“
Der Beurener hat seit einigen Jahren eine Erlaubnis für den Erwerb von Marihuana-Produkten, ausgestellt vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn. Doch der Erwerb getrockneter Cannabisblüten und Cannabisextrakte in Apotheken ist nicht nur teuer, sondern häufig aufgrund von Lieferschwierigkeiten gar nicht möglich, berichtet der 33-Jährige. Der Bundesregierung ist das Problem bekannt. Sie will eine Cannabisagentur aufbauen, damit der Anbau von Medizinal-Hanf in Deutschland staatlich kontrolliert ist.  Zunächst jedoch sollen verstärkte Importe die Versorgung gewährleisten.
Hilde Mattheis, Ulmer Bundestagsabgeordnete und gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, steht seit einem Jahr mit Andreas Butzmann in Kontakt. In ihrer Rede am Donnerstag im Bundestag hat Mattheis den 33-Jährigen erwähnt, dessen Schicksal deutlich mache, wie wichtig die neue Gesetzesnovelle ist. Sie betont: „Bei dem Thema geht es nicht um Sucht, sondern um Schmerzlinderung.“
Butzmann hat die Rede der SPD-Politikerin live im Fernsehen verfolgt, war gerührt. Er ist Hilde Mattheis dankbar, sagt erleichtert: „Die Entscheidung des Bundestags geht absolut in die richtige Richtung.“

Wegen Eigenanbau verurteilt

Strafe 
Der Eigenanbau von Cannabis bleibt verboten. 2015 hat das Amtsgericht Neu-Ulm Andreas Butzmann zu einer 2000-Euro-Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. Butzmann hatte in seiner Wohnung Cannabis angebaut. Zu Therapiezwecken, wie er sagt und sich auf den rechtfertigenden Notstand berufen. Gegen das Urteil hat der 33-Jährige Berufung eingelegt. Die Berufungsverhandlung am Landgericht Memmingen soll in diesem Frühjahr stattfinden.