Bürgermeister Wolfgang Fendt gilt gemeinhin als eher ruhiger Mensch. Wenn er im Weißenhorner Stadtrat verbal ein bisschen auf die Pauke haut, hat das also durchaus eine Bedeutung. In der jüngsten Sitzung war das in der Fuggerhalle der Fall, als die Stadträte einstimmig die Gründung einer kommunalen Gesellschaft auf den Weg brachten, um das Glasfasernetz im gesamten Weißenhorner Stadtgebiet und den Ortsteilen auszubauen.   
  „Damit geht eines der großen Ziele, die ich für die Stadt habe, in Erfüllung“, sagte Fendt. Die Entscheidung sei wegweisend. „Über kurz oder lang werden 50 Mbit/s nicht reichen.“ Von der Bedeutung für die Fuggerstadt verglich Fendt das Großprojekt – die Gründung der Glasfaser Weißenhorn GmbH – mit der Reaktivierung der Bahnlinie, auf der der „Weißenhorner“ über Senden nach Ulm fährt. Und dem Aufbau eines Fernwärmenetzes in der Stadt. Der Gesellschaftsvertrag der Glasfaser Weißenhorn GmbH ist an den der Fernwärme-Gesellschaft FFW angelehnt.  

Ausbau kostet mehr als 17 Millionen Euro

Bevor die Gesellschaft aus der Taufe gehoben werden kann, braucht sie einen Geschäftsführer. Dieser wird nun über eine Stellenanzeige gesucht. Gesucht wird ein Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin mit einem betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Für den Ausbau steht ein Betrag von 17,7 Millionen Euro im Raum.  Die Stadt rechnet mit Zuschüssen von bis zu 80 Prozent. Dieses Geld ist die Voraussetzung dafür, den Ausbau vorantreiben zu können. Darum soll sich der neue Geschäftsführer auch gut mit Zuschuss- und Förderprogrammen für den Breitbandausbau auskennen. „Es steht oder fällt damit, ob es mit den Zuschüssen läuft“, erklärte Fendt.
Auf einen Hinweis der gehörlosen Stadträtin Julia Probst (Grüne) hin, wurde in die Jobanzeige zudem ein Passus aufgenommen, der behinderte Menschen ermuntert, sich zu bewerben.
Strittig war in der Sitzung noch, wie viele Stadträte in den Aufsichtsrat kommen. Bürgermeister Fendt gilt als gesetzt. Die Verwaltung hatte sechs Räte vorgeschlagen.   Freie Wähler/WÜW hatten beantragt, auf acht Räte auszuweiten. Das habe den Vorteil, dass jede Fraktion mindestens einen Vertreter in das Gremium entsenden kann und nicht per Losverfahren entschieden werden muss.

7, 9 oder 15 Aufsichtsräte?

Die CSU hatte sogar beantragt, den Aufsichtsrat mit 14 Personen plus Bürgermeister zu besetzen. Falls andere Kommunen einsteigen wollen, so  Franz Josef Niebling.  Am Ende fand der Vorschlag der Freien Wähler/WÜW eine breite Mehrheit – also acht Stadträte plus Bürgermeister. 
Der Stadtrat stimmte dem Gesellschaftsvertrag zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, die notwendigen weiteren Schritte zur Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister anzugehen. 

Diese Räte kommen in den Aufsichtsrat

Mitglieder Die CSU schickt drei Räte in den Aufsichtsrat der Glasfaser Weißenhorn GmbH:  Franz Josef Niebling, Kerstin Lutz und Peter Niesner, Freie Wähler/WÜW entsenden Jürgen Bischof und Bernhard Jüstel. Dazu kommen Thomas Schulz (SPD), Ulrich Fliegel (Grüne) und Susanne Kuderna-Demuth (ÖDP) sowie Bürgermeister Wolfgang Fendt. Also insgesamt neun Mitglieder. 
Entschädigung Die Aufsichtsräte werden wohl eine Aufwandsentschädigung bekommen.  „Die genaue Höhe steht noch nicht fest, diese muss in einer Gesellschafterversammlung festgesetzt werden“, teilt Bürgermeister Wolfgang Fendt auf Anfrage mit.