Ein Thema kreiden besonders viele Besucher an: In den Ortskernen stehen zu viele Gebäude leer, während draußen auf der grünen Wiese neue Baugebiete geschaffen werden. Auch am öffentlichen Nahverkehr hapert es noch, an Angeboten für ältere Menschen, aber auch für die Jugend. „Es gibt einige Probleme, die mehrere Kommunen haben – die können wir zusammen angehen“, sagt Sabine Müller-Herbers.
Die Raumplanerin vom Büro Baader Konzept aus dem mittelfränkischen Gunzenhausen erarbeitet mit sieben Kommunen im Landkreis Neu-Ulm ein Konzept zur ländlichen Entwicklung. „Ein Pool an Ideen, mit denen man die Region voranbringen könnte“, sagt sie. Dabei sind Buch, Illertissen, Kellmünz, Oberroth, Osterberg, Roggenburg und Unterroth. Hinter der Kooperation steht eine „Integrierte Ländliche Entwicklung“ (ILE), die vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) in Krumbach unterstützt wird.

Mehr als hundert Besucher

Die Gemeinden setzen dabei auf breite Bürgerbeteiligung. Zum Auftakt werden im Landgasthof Lamm in Buch Ideen gesammelt. Der Saal ist voll, mehr als hundert Menschen sind gekommen. „Es ist toll, dass so viele da sind“, sagt Planerin Müller-Herbers. Die Besucher werden nach Wohnorten in Gruppen aufgeteilt. Sie sollen zusammentragen: Was gefällt ihnen an ihrem Ort? Wo sehen sie Mängel? Und welche Visionen haben sie für das Jahr 2035? Die Themen sind dabei breit gefächert: von Naherholung, Land- und Forstwirtschaft bis hin zu Dorf­entwicklung und Kultur.
Schnell bilden sich Menschentrauben, es wird laut diskutiert. Aus Roggenburg sind besonders viele Besucher gekommen – darunter Ramona Hoyer mit ihrem Sohn Jerome Hoyer. „Wir wollten uns das einfach mal anschauen, damit wir uns ein Bild davon machen können“, sagt sie. Die Familie hat sich bewusst für das Landleben entschieden, ist deshalb nach Roggenburg gezogen. „Auf dem Land gibt es einen ganz anderen Zusammenhalt, man kennt sich untereinander“, erzählt Ramona Hoyer. Das auch in Zukunft beizubehalten, ist ihr wichtig.
Christiane Nestler-Jainz steht inmitten der Gruppe aus Buch. Sie will sich besonders für Umweltschutz einsetzen. „Ich beobachte, wie wenig darauf Wert gelegt wird.“ Ihre Vision für das Jahr 2035: „Dass wir in einer gesunden, blühenden Gemeinde leben können.“ Aus dem Illertisser Ortsteil Tiefenbach ist Martin Mehrens gekommen. „Weil ich es gut finde, dass die Bindung zwischen den Gemeinden verstärkt wird, dass man gemeinsame Projekte macht“, sagt er. Mehrens bemängelt die Gestaltung des Tiefenbacher Ortskerns. „Da ist ästhetisch noch einiges zu machen“, sagt er – viele Hausfassaden seien in die Jahre gekommen.
Die Besucher schreiben ihre Anregungen auf Karteikarten, pinnen diese an Stellwände. Am Ende lassen sich viele Parallelen erkennen. Gelobt werden die Natur, kulturelle Angebote wie das Roggenburger Bildungszentrum, das rege Vereinsleben. Bemängelt wird dagegen eine ausbaufähige Busverbindung, das schlechte Internet, „Verfall im Innenbereich“ der Orte, das Fehlen von Senioren- und Jugendtreffs.
Planerin Müller-Herbers wird die Ergebnisse des Abends nun zusammen mit ihrem Team auswerten, weiter recherchieren. Dann geht die Arbeit in kleineren Gruppen weiter – mit Beteiligung der Bürger. Der ganze Prozess wird ungefähr ein Jahr lang dauern, am Ende gibt es eine Abschlussveranstaltung, bei der das fertige Konzept vorgestellt wird.
Das ALE in Krumbach fördert die Erstellung des Konzepts mit 75 Prozent der Kosten, maximal 70 000 Euro. Im Anschluss kann es dann auch Zuschüsse für die Umsetzung der Maßnahmen geben, erklärt ALE-Bauoberrat Christoph Graf. Dabei gehe es darum, in der Region Schwerpunkte zu setzen. „Man muss nicht in jeder Kommune alles machen.“ Zusammenarbeit ist das Stichwort, wie auch der Bucher Bürgermeister Roland Biesenberger betont: „Die Wege und Gewässer lösen sich ja an den Gemarkungsgrenzen nicht in Luft auf.“

Arbeitskreise treffen sich im Februar

Vertiefung Die Ideen sollen nun in Arbeitskreisen (AK) in kleineren Gruppen vertieft werden. Jeder, der Interesse hat, kann zu den Terminen kommen.
AK 1 Der erste Arbeitskreis kümmert sich um Landnutzung, Land- und Forstwirschaft, um Gewässer und Gewässerschutz, Energie und Klimaschutz. Er trifft sich am Dienstag, 12. Februar, 19 Uhr, in Osterberg, Hauptstraße 1.
AK 2 Die zweite Gruppe macht sich Gedanken über Wirtschaft, Naherholung, Tourismus, Natur und Landschaft. Termin: Mittwoch, 13. Februar, 19 Uhr, in Unterroth, Schulweg 1.
AK 3 Arbeitskreis Nummer drei ist für Dorf und Siedlung, Gemeinschaftsleben und soziale Infrastruktur zuständig. Termin: Donnerstag, 21. Februar, 19 Uhr, in Jedesheim, Am Anger 10.