Wenn der Weißenhorner Bauausschuss tagt, müssen die Stadträte fast immer eine lange Liste an privaten Bauanträgen abarbeiten. Denn die Fuggerstadt boomt gewaltig, und längst nicht jeder hat das Glück, überhaupt einen der begehrten Plätze zu ergattern. Laut Bürgermeister Wolfgang Fendt ist das manchmal nur jeder Fünfte. Wird ein neues Baugebiet ausgewiesen, sind die Grundstücke im Nu verkauft. Ein Ende der Entwicklung scheint nicht in Sicht.
Für den Bürgermeister liegen die Gründe für den Ansturm auf Weißenhorner Baugrund auf der Hand: Eine schöne Altstadt mit guter Gastronomie, Krankenhaus, alle Schularten und nun auch eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr. „Wir haben alles, was man sich nur erträumen kann“, meint Fendt. Der Bürgermeister zeigt bei einem Rundgang stolz das von der Stadt eingerichtete Restaurant „Anno 1460“, renovierte Gebäude, die Tafel, den Weltladen und das noch neue Geschäft „Klare Kante“, in dem Waren ohne Plastikverpackungen angeboten werden.
Auch das kulturelle Programm Weißenhorns – darunter Rathauskonzerte, Open-Air-Veranstaltungen und Kulturnacht – bringt Fendt ins Schwärmen. Für den Bürgermeister steht fest: Die hohe Lebensqualität ist, was so viele Bauwillige nach Weißenhorn und in die Stadtteile lockt. Jedoch bringt der Boom auch Probleme mit sich. Auch Einheimische haben es schwer, sich ihren Traum vom eigenen Haus zu erfüllen, da sie schlichtweg keinen Bauplatz bekommen.
Ein Zustand, der öfter für Ärger sorgt, wie Anfang des Jahres in Biberachzell, wo sich Leute aus dem Ort bei der Vergabe von Grundstücken ungerecht behandelt gefühlt haben. Ein Punktesystem, über das der Stadtrat im Dezember entscheidet, soll Abhilfe schaffen. Dabei würden Aspekte wie ehrenamtliches Engagement bei der Auswahl der Grundstückskäufer berücksichtigt.
Fendt erklärt: „Wer bereit ist, seine Freizeit für seine Mitbürger zu opfern, der soll auch einen Platz kriegen.“ Der Bürgermeister weiß: Organisationen wie Feuerwehr oder Rotes Kreuz bräuchten schließlich genug Mitglieder und Nachwuchs. Aber auch wer Familie in Weißenhorn habe, erhalte Pluspunkte.

Anschluss an Fernwärme

180 bis 250 Euro pro Quadratmeter müssen Käufer von Baugrundstücken laut Fendt im Mittel in der Stadt berappen, 100 Euro sind es in den Ortsteilen. „Wir achten darauf bei der Stadt, dass wir günstiger anbieten als Privatpersonen“, erklärt er. Zu kaufen gebe es momentan jedoch nichts. Bei kommenden Baugebiete befinde man sich in unterschiedlichen Phasen der Aufstellung des Bebauungsplans, berichtet Fendt.
Es müsse stets auch darauf geachtet werden, dass es keine zu großen Baugebiete gebe. „Ein Wachstum um des Wachstums Willen ist falsch“, betont Fendt. Ohnehin sei es für die Stadt wegen der aktuell niedrigen Zinsen schwierig, an geeignete Grundstücke zu kommen. Man halte aber immer die Augen offen.
Natalie Merk, die bei der Stadt für den Immobilien zuständig ist, nannte im Gespräch mit der SÜDWEST PRESSE einige kommende Baugebiete: Oberreichenbach, Hegelhofen, Erweiterung Kapellenäcker, Nord II und Ahornweg. Letzteres wird privat verkauft. Wie bei dem Baugebiet Mittlere Platte geschehen, sollen auch künftige Gebiete wenn möglich an das Fernwärmenetz angeschlossen werden, sagt Bürgermeister Wolfgang Fendt.