Auch nach 100 Tagen im Amt ist es für Bürgermeister Michael Weber keine Frage: Die Entscheidung in Heroldstatt zu kandidieren war richtig. „Ich habe mir meinen Lebenstraum erfüllt. Ich fühle mich immer noch wie am Tag meiner Bewerbung am 15. Juli“, sagt Weber. Sogar noch besser, erfahre er doch große Unterstützung und einen enormen Rückhalt.
Beim Rückblick auf die ersten 100 Tage fällt ihm freilich gleich die Amtseinsetzung ein. „Das war schon etwas ganz Besonderes.“ Ebenso seine erste Gemeinderatssitzung. In Trochtelfingen hatte er zwar auch schon Ratssitzungen geleitet, es sei aber etwas ganz anderes, wenn man „als gewählter Vorsitzender des Gremiums agiert“. Und mit seinem neuen Gemeinderat ist Weber sehr zufrieden. „Hier herrscht eine große Diskussionskultur.“ Das ist Weber für seine Arbeit besonders wichtig, will er doch möglichst viel öffentlich diskutieren, möglichst viele Bürger in die Entscheidungsprozesse mit einbeziehen.
Die neue Transparenz machte sich auch gleich am vergangenen Montag fest, als der Schultes zur Sitzung des Schulbeirats ins Rathaus einlud – öffentlich. Diesen Schulbeirat gibt es in Heroldstatt zwar schon lange, öffentlich getagt hatte er aber noch nie. „Da geht es um die Sanierung der Grundschule, da will ich auch hören, was die Eltern und die Lehrer zu sagen haben“.
Doch trotz aller Euphorie hat Weber auch schon einen ersten Dämpfer erfahren. Bei der Breitbandversorgung läuft es nicht so, wie es sich die Gemeinde vorgestellt hat. 1,4 Millionen Euro wollte Heroldstatt für das schnelle Netz investieren, das Ausschreibungsergebnis lieferte aber eine Summe von 2,4 Millionen. Die Ausschreibung musste aufgehoben werden. Jetzt versuchen die Architekten nachzubessern, denn 2,4 Millionen Euro kann die Gemeinde nicht stemmen, wenngleich der Breitbandausbau unter den Nägeln brennt.
100 Tage im Amt: Wer nun meint, dass Weber in dieser Zeit Welpenschutz genossen hat, der irrt. „Eigentlich ging es gleich von 0 auf 100“, sagt der Schultes. Wie erwähnt, musste in seiner ersten Ratssitzung die Ausschreibung für den Breitbandausbau aufgehoben werden, die Ausschreibung für das neue HLF 20 für die Wehr wurde auf den Weg gebracht und für den Bebauungsplan „Hinter der Pfarrgärten“ wurden weitere Pflöcke eingerammt. Das ist auch dringend nötig, denn die Gemeinde verfügt über keinen einzigen Bauplatz mehr.
Das musste Weber bei seiner Wohnungssuche in Heroldstatt am eigenen Leib erfahren. Nun setzt er auf die Ausweisung neuer Baugebiete. Sohn Julian ist vier Jahre alt. Erklärtes Ziel für Weber ist es, dass sein Sohn in Heroldstatt eingeschult wird. Bis der Wunsch nach eigenen vier Wänden verwirklicht werden kann, begnügt sich Weber mit einer Mietwohnung in der Nähe des Rathauses, die aber groß genug ist, dass auch die Familie dort unterkommen kann. Bis auf Weiteres ist aber an den freien Wochenenden pendeln nach Burladingen angesagt.
Apropos Schule, die Sanierung der Grundschule ist die dritte drängende Aufgabe in Herold­statt. Auch dieses Projekt ist ein Millionending. Für die Schule, den Bebauungsplan „Hinter den Pfarrgärten“ und die Breitbandversorgung müssen die Spatenstiche im September erfolgen.
Webers Handschrift ist auch in der Organisation im Rathaus schon unverkennbar. Durch einen Personalwechsel will Weber eine eigene Hauptamtsstelle schaffen, was bislang über eine 60-prozentiges Deputat geregelt war. Bei der Umorganisation will er freilich alle Mitarbeiter einbinden und das neue Aufgabengebiet klar umreißen. Die Aufstockung sei aber schon beschlossene Sache.
Derzeit ist die Verwaltung auch mit der Organisation der Europa- und Kommunalwahlen am 26. Mai gefordert. Michael Weber selbst bewirbt sich um ein Kreistagsmandat.

Von Mössingen nach Heroldstatt

Wahl Der Diplom-Verwaltungswirt Michael Weber war am 30. September 2018 mit 96,82 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Heroldstatt gewählt worden. Neben ihm war ein weiterer Kandidat angetreten. Die Wahl war notwendig geworden, nachdem das Landratsamt Ulrich Oberdorfer nach langer Krankheit zum 1. Juli 2018 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt hatte. Weber arbeitete zuvor als Leiter des Fachgebiets Familie, Bildung und Kultur in der 20 000-Einwohner-­Stadt Mössingen im Landkreis Tübingen.