Kritik, Anregungen oder Vorbehalte zum geplanten, 50 Hektar großen, interkommunalen Gewerbepark bei Merklingen – darum ging es bei der Info-Veranstaltung des „Verbands Region Schwäbische Alb – Verband zur Errichtung des Bahnhofs Merklingen und der interkommunalen Entwicklung von Industrie und Gewerbe“ am Freitag in Heroldstatt. Zwar waren nicht ganz so viele Interessierte gekommen wie erwartet, aber es ging zur Sache – über den Zweckverband als solchen und darüber, wie sich Bahnhalt und Gewerbepark auf die Region auswirken werden. Es gab viele Infos, Kurzreferate und zahlreiche Hausaufgaben für den Verband.

Bürger beteiligen sich

Dass der Gewerbepark Herausforderungen für die gesamte Laichinger Alb mit sich bringt, war jenen auf dem Podium ebenso klar, wie dem Publikum. Bei einem „Marktplatz“ konnten Interessierte mit Ansprechpartnern des Verbands zu verschiedenen Themen wie Landwirtschaft, Verkehr oder wirtschaftliche Entwicklung diskutieren und ihre Anregungen auf Zetteln aufschreiben. „Zetteln Sie etwas an“, sagte Jutta Breitschwerd, die den Abend moderierte. Denn sämtliche „Zettel“ mit Fragen, Sorgen, Ängsten, Ideen sollen erstens beantwortet werden und zweitens, wenn sinnvoll, in die Planungen einfließen.
Darunter waren nach Erachten der Referenten viele konstruktive Impulse. Zwei davon zur Entwicklung des Gewerbeparks nannte Merklingens Bürgermeister Sven Kneipp: Der Verband solle mutig ökologisch wertvolle Rahmenbedingungen setzen. So böten etwa Logistikunternehmen kaum Arbeitsplätze und zahlten wenig Gewerbesteuer. Bernd Mangold, Bürgermeister von Berghülen, nahm aus seinem Diskussionsforum mit, dass die Verkehrsführung ein Schwerpunkt der Arbeit des Verbands sein müsse. Zu den Auswirkungen von Bahnhof und Gewerbepark auf die Bewohner der Region wurde deutlich mehr Transparenz vom Verband eingefordert, erklärte Martin Samain vom Regionalverband Donau-Iller. Insbesondere über die Finanzierung fordern die Leute Klarheit: „Wie wird der Gewerbepark finanziert, wenn er doch als Refinanzierung der 13 Millionen des Verbands für den Bahnhof angesehen wird?“, wollten viele wissen.
Ebenso wünschten sich viele Informationen darüber, wie ein Pool von Ersatzflächen für die Landwirte und Ausgleichsflächen aussehen soll. Die kleinen und mittelständischen ortsansässigen Betriebe drückten ihre Sorgen aus, dass neue Firmen im Gewerbepark ihnen womöglich oftmals selber ausgebildete Fachleute wegschnappen könnten. Auch werde nicht jeder Betrieb durch den erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung expandieren. „Das ist zu groß gedacht“, sagte dazu Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Er appellierte an den Zweckverband, das Handwerk und kleine Firmen nicht zu vergessen. „Die brauchen Berufsschulen in der Nähe oder gar vor Ort.“ Und er bat die Zuhörer, sich einzubringen: „Äußern Sie sich jetzt. Jetzt müssen wir die Punkte, die uns stören, in die Beratungen reinholen.“ Viele forderten die Verbandskommunen außerdem auf, den Ausbau von bezahlbaren Wohnungen wesentlich rascher voranzutreiben.

„Habe nichts Neues gehört“

Nicht vor dem Plenum äußerten sich die Mitglieder der Ini­tiative „Aktion Land Schafft“, die den Gewerbepark mit einem Bürgerbegehren verhindern wollen. Sie „zettelten“ ebenfalls mit und nutzten die Veranstaltung für Werbung für ihre Interessen. Ini­tiativen-Mitglied Michael Allgöwer erklärte: „Ich habe nichts wirklich Neues gehört, da bleibe ich bei meiner Haltung.“
In seinem Schlusswort plädierte der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann dafür, Bedenken und Ideen aufzunehmen und die Region samt Bahnhof und Gewerbepark im Sinne aller voranzubringen: „Wir wollen auch in 30 Jahren noch von einer liebenswerten Region sprechen.“
Die Reaktionen der Besucher der Info-Veranstaltung waren meist positiv. So fühlten sich die Nellinger Jürgen Mekle, Markus Duckeck und Rolf Thiesen im Anschluss „besser informiert“ und stehen dem Gewerbepark nun positiv gegenüber. Als „einmalige Chance“ erachtet ihn Thiesen, der jedoch auf eine für die Bevölkerung „dosierte und kontrollierte“ Umsetzung wert legt. Der Merklinger Unternehmer Martin Fink verlangt weitere Wohngebiete: „Unsere Arbeiter brauchen Wohnungen, die wollen vor Ort wohnen, pendeln nicht aus den Ballungsräumen zu uns.“ Er fürchtet obendrein die Konkurrenz aus dem Gewerbepark: „Mit den Löhnen in der Industrie können wir nicht mithalten.“

Planer: Spatenstich für Gewerbepark wäre frühestens 2024 möglich

Stimmen Der Laichinger Bürgermeister Klaus Kaufmann, Vorsitzender des Zweckverbands Region Schwäbische Alb, warnte vor einer Überalterung und warb für den Gewerbepark, der diesen demografischen Prozess umkehren könne. „Wenn die Bevölkerung nachhaltig wachsen soll, müssen wir etwas tun, um Menschen im erwerbsfähigen Alter anzulocken.“ Nellingens Bürgermeister Franko Kopp betonte, dass der Zusammenschluss mit anderen die Eigenständigkeit der Gemeinden auf der Alb immer schon gestützt habe und notwendig sei, um eigenständig bleiben zu können. Die Identität der einzelnen Orte bleibe gewahrt, dafür sorgten schon die Vereine.  Stadtplaner Clemens Künster stellte das Vorgehen bei der Standortsuche mit Ausschluss-, Prüf- und Auswahlkriterien vor, sowie die Vorgaben des Verbands Region Schwäbische Alb, etwa Durchgangsverkehr zu vermeiden. Er betonte, dass die  Festlegung des Standorts bislang nur informell ist. Der Gewerbepark werde schrittweise realisiert, Beginn sei frühestens 2024.