Im Smartphohne- und Tablet-Zeitalter dominiert oftmals der „Schnappschuss“. Doch viele Menschen wollen mehr als nur den Auslöser betätigen und der Technik vertrauen. Fragen nach der Bildkomposition, dem richtigen Licht und einer sinnvollen Motivwahl kommen fast automatisch ins Spiel. Antworten liefern beispielsweise die von dem Stuttgarter Profifotografen Victor S. Brigola angebotenen vierteiligen Fotoworkshops auf dem früheren Truppenübungsplatz. Im Fokus steht natürlich die Landschaftsfotografie, denn das Areal ist seit dem Ende der militärischen Nutzung im Jahr 2005 weitgehend sich selbst überlassen. So ist eine in weiten Teilen unberührt wirkende Landschaft entstanden. Exkursionen sind zudem nur in Begleitung eines zertifizierten Truppenübungsplatzführers erlaubt.
Die Reihe mit ihren vier jeweils dreitägigen Workshops orientiert sich terminlich an den Jahreszeiten – und so fand kürzlich der Sommerworkshop statt. Es fehlt der Herbst, der entsprechende Workshop ist vom 25. bis 27. Oktober vorgesehen. Geplant ist darüber hinaus, eine Ausstellung mit einer Auswahl der während der Exkursionen entstandenen Fotografien der Teilnehmer in der Zehntscheuer zu organisieren.
Zum Beginn des Workshops steht freitags zunächst eine Einführung in technische Grundlagen sowie die Möglichkeiten zur Gestaltung von Landschaftsbildern auf dem Programm. Dabei legt Brigola viel Wert auf kleine Gruppen mit maximal sechs bis acht Teilnehmern. Krankheitsbedingt sind es bei dem jetzigen Sommerworkshop nur zwei Fotoenthusiasten gewesen, die Anregungen und Tipps für einen neuen, bewussteren Umgang mit dem Fotoapparat gesucht und, wie sich in einem Gespräch unserer Zeitung mit den Akteuren gezeigt hat, auch gefunden haben.
Als überaus gelungen wertete Beatrix Baumüller die Mischung aus theoretischer Einführung, praktischem Teil auf dem Truppenübungsplatz und der Bearbeitung der bei der Exkursion entstandenen Bilder. „Wir hatten richtig viel Zeit und konnten zum Beispiel in aller Ruhe die technischen Infos und Tipps, die am Freitag von der Theorie her im Mittelpunkt standen, verarbeiten und dann am Samstag umsetzen“. Zusammen mit ihrem Mann Thomas hat sie ihre fotografischen Aktivitäten in letzter Zeit wieder verstärkt. „Wir waren eine Zeitlang abstinent, aber jetzt steigen wir wieder ein“, schmunzelte Thomas Baumüller.
Landschaft kann sehr vielfältig sein“, räumt Brigola gleich ein mögliches Vorurteil aus dem Weg. Das Spektrum reicht von Details wie Schmetterlingen oder Baumrinden bis zu größeren Ensembles und Geländeformationen. „Auf dem Truppenübungsplatz sind wir in eine andere Welt eingetaucht“, schildert Beatrix Baumüller ihre Erfahrung. Zusammen mit ihrem Guide Siegfried Guggenberger und Victor S. Brigola’s Vater Dietmar waren sie acht Stunden abseits der öffentlichen Wege auf dem Platz unterwegs und sind erst nach mehr als der Hälfte der Zeit einem anderen Menschen begegnet. „Vier Stunden sind wir gelaufen und vier Stunden gestanden“, bilanzierte Brigola die GPS-Statistik.
Während Beatrix Baumüller sich auf Details konzentriert hat, schwärmt ihr Mann von den bemerkenswerten Baumgruppen, den Weideflächen ohne Sträucher, die ihnen begegnet seien und dem unglaublichen „Grün“. Nur das Hofgut Aglishardt habe sich hier abgehoben. Glück hatten die Akteure natürlich auch mit dem Wetter. Der Regen blieb aus, Sonne und Wolken sorgten dagegen für wechselnde Lichtverhältnisse. „Wir haben viele neue Tipps für die Bildgestaltung bekommen“, freut sich Beatrix Baumüller, „ich wäre bei Fotos vorher nie auf die Idee gekommen, einen quadratischen Bildausschnitt zu wählen“. Brigola dagegen schwärmt von quadratischen Bildausschnitten und führt dies auf das Mittelformat seiner Hasselblad-Kamera zurück. In seinem Blog veröffentliche er täglich ein quadratisches Foto.
Die Aufnahmen – rund 750 hat das Paar während der Exkursion gemacht – müssen laut Brigola keine „Postkarten“ sein. Viel wichtiger ist ihm ein „ordentlich und sauber gestalteter Bildausschnitt“. Letztlich können auch weniger gute Bilder die beabsichtigte Geschichte erzählen. „Wir konnten uns voll auf das Fotografieren konzentrieren und ich war angenehm überrascht, dass es nicht mehr Bilder geworden sind“, freut sich Thomas Baumüller.
Dazu können dann leichte Optimierungen am PC kommen, die Bilder wurden am Sonntagvormittag begutachtet und bearbeitet. „Ich war eigentlich ein Gegner der Bildbearbeitung“, räumt Beatrix Baumüller ein, „aber wenn es in Nuancen geschieht, ist es in Ordnung“. Sie zieht den Vergleich zum handwerklich üblichen Einsatz von Filtern.

Info Der nächste Workshop zur Landschaftsfotografie findet vom 25. bis 27. Oktober statt. Anmeldung: www.victorbrigola-workshop.de.

Zur Person: Victor S. Brigola

Der freischaffende Profifotograf aus Stuttgart lichtet schwerpunktmäßig Architektur, Landschaft, Archäologie und Menschen ab. Er unterrichtet an der Merz Akademie, der Hochule für Gestaltung, Kunst und Medien in Stuttgart, gibt regelmäßig Workshops zum Beispiel in Innsbruck und kommt seit vielen Jahren auf die Alb in sein Ferienhaus in Westerheim. Die Workshopreihe hat er zusammen mit dem Münsinger Tourismuschef Hans-Peter Engelhart konzipiert. Sie soll 2020 wiederholt werden. rot