Sie hören aus Altersgründen auf, weil sie Jüngeren Platz machen wollen oder jetzt mehr Zeit für sich brauchen: Sieben Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher aus Münsinger Stadtteilen kandieren in der nächsten Ratsperiode nicht mehr. Und sie hoffen natürlich, dass jeweils nach den Kommunalwahlen im Mai ein Nachfolger für ihren Posten gefunden wird.
Steffen Blankenhorn aus Apfelstetten hat eine klare Ansage gemacht: Das Amt als Ortsvorsteher übernimmt er für zehn Jahre – und die sind jetzt um, er tritt nicht mehr an. Es sei eine spannende und aufregende Zeit gewesen, sagt der 48-Jährige. „Überaus lehrreich und sehr zeitintensiv war bis zum Kreistagsbeschluss die Sanierung der K 6754.“ Mit bürgerschaftlichem Engagement habe man unter dem Motto „Unser Dorf hat Zukunft“ einiges gestemmt. Dazu gehören unter anderem die beiden Lehrpfade sowie die Nordic-Walking-Strecke – alle drei mit Wirkung über den Ort hinaus, ist Blankenhorn stolz. Verschiedene Plätze wurden neu gestaltet, außerdem gibt es ein Herbstkino und eine Hobbyausstellung in Apfelstetten. Seinem Nachfolger wünscht er „recht viel Glück, dass er bei der Stadt ein gewisses Gewicht hat, einen Ortschaftsrat, der hinter ihm steht, und genauso viele Unterstützer im Dorf, wie ich sie hatte“.
Sein erster Tag in Rente, war sein erster Tag im Auinger Rathaus, „und ich hab praktisch jeden Tag gearbeitet“: Vor 17 Jahren hat Eckart Ludwig den Posten des Ortsvorstehers übernommen. Inzwischen ist das Rathaus verkauft, die Verwaltungsstelle im einstigen Kindergarten. Aber Ludwig ist sowieso ein Heim-Schaffer, da ist er mit allen Medien ausgerüstet. Während in den ersten beiden Jahren „nicht so viel los war“, gab es danach neben dem Engagement in und für die Vereine viel zu tun: Im ganzen Flecken wurden Gas- und Wasserleitungen sowie die Kanäle saniert, die Umgehungsstraße gebaut, in der Folge die Ortsdurchfahrt neu gestaltet. Wichtig, so der 77-Jährige, sei gewesen, „dass es immer gute Leute auf dem Rathaus gegeben hat“, wenn er Unterstützung gebraucht habe. Ludwig gibt den Posten altershalber und aus gesundheitlichen Gründen auf, sagt, sein Nachfolger müsse einer sein, „der Zeit hat“, schließlich sei Auingen ein Ort mit 2300 Einwohnern.
Die größten Projekte, die Paul Jörg in seiner 25-jährigen Amtszeit Bichishausener Ortsvorsteher mit auf den Weg gebracht hat, waren „die Flurbereinigung und der Bau des Feuerwehrhauses“. Sonst seien es mehr die kleinen Anliegen gewesen, wie einen Weg aufschottern, mit denen die Bürger zu ihm gekommen seien. „Bei größeren Angelegenheiten gehen sie gleich zur Stadt.“ Altershalber, sagt der 66-Jährige, stehe er für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung. Jörg bedauert, dass die Einwohnerzahl inzwischen von 150 auf 120 gesunken ist, es nicht gelungen sei, ein Baugebiet für den Ort auszuweisen. Er wünscht sich, „dass künftig die innerörtliche Bebauung besser funktioniert“, Privatleute ihre Bauplätze verkaufen, sie nicht ewig aufheben.
Margit Simmendinger will „Platz für junge Leute machen“. Ihr wird die „umfangreiche Arbeit“ als Böttinger Ortsvorsteherin langsam zu viel – aus beruflichen und privaten Gründen. Die 15 Jahre seien „eine unheimlich interessante, aufregende Zeit gewesen, die ich nicht missen möchte“. Sie habe Einblicke in vielfältige Materien bekommen, zum Beispiel in Wald und Windkraft. „Ins Nachbarschaftsrecht habe ich mich sehr eingelesen“, kapiert, „dass man sich da nicht einmischen darf“. Stolz ist die 59-Jährige, dass es in Böttingen inzwischen auf dem Friedhof Stelen gibt, und drauf, dass im Baugebiet Sternenberg die Anlieger nicht mehr mit Hochwasser zu kämpfen haben. Als Ortsvorsteherin wolle man „das Beste für den Ort“. Deshalb bedauert sie, das es mit der Ortsumfahrung nicht geklappt hat. Bei viel Schnee herrsche wegen liegengebliebener Lkw’s Chaos im Dorf. Aber gute Nerven bräuchte man sowieso bei allem, was mit Schneeräumen zu tun habe.
Rudi Schustereder ist es wichtig, „dass jetzt einmal andere gewählt werden, die andere Wege gehen, das Amt anders ausfüllen“. Deshalb tritt er nach 20 Jahren Ortsvorsteher in Buttenhausen nicht mehr an. Eröffnung der Erzberger-Gedenkstätte und des Jüdischen Museums fallen in seine Amtszeit, Projekte die weit über das Dorf hinaus Bedeutung haben: „Es war eine Herausforderung, bei den entsprechenden Veranstaltungen, eine Rede zu halten. Aber da habe ich viel gelernt, und das nehme ich mit.“ Auch die Erinnerung an die Gespräche mit hochrangigen Persönlichkeiten wie den Landesrabbiner oder Hans-Jochen Vogel. Schade findet der 55-Jährige, dass aus dem Nahwärmeprojekt nichts geworden ist, Aufgaben wie Personalausweis ausstellen, Wohngeld auszahlen in Münsingen erledigt werden.
Wer das Ehrenamt übernimmt, der müsse „sich für Geschichte interessieren“, Verbindungen im Ort halten, auch zur BruderhausDiakonie. Da gehe es nach wie vor um Arbeitsplatzsicherung.
„Ich habe es gerne gemacht, aber nach so langer Zeit sollte ein Wechsel stattfinden“, sagt Franz Müller, seit 20 Jahren Ortsvorsteher in Gundelfingen und Dürrenstetten. Mit jemand anderem kämen auch „neue Ideen, Ansichten und Vorstellungen“ in den Ort. Wichtig sei es, die Dorfgemeinschaft, die Vereinsstruktur und das Landschaftsbild zu erhalten“. In Dürren­stetten hat der 60-Jährige unter anderem die Flurbereinigung und die Dorfplatzgestaltung begleitet. In Gundelfingen wurden zwei Wartehäuschen sowie Gemeinschaftsschuppen gebaut, zusammen mit dem Albverein die Ziegenbeweidung initiiert.
Und zum Schluss seiner Amtsperiode geht wohl auch noch ein langgehegter Wunsch in Erfüllung: Gundelfingen bekommt ein Neubaugebiet. Müller hofft, dass dann junge Leute im Ort bleiben.
„Für Magolsheim dastehen und den Ort weiterbringen“, das sei die Aufgabe des neuen Ortsvorstehers, so Sabine Ruopp, deren Intention das in den letzten zehn Jahren gewesen ist. Ein Beispiel: Der Kindergarten stand kurz vor der Schließung, jetzt gibt es dort sogar Ganztagesbetreuung.
Die 54-Jährige hört auf, sie möchte „mehr Zeit für mich und die Familie“. In den zehn Jahren habe sie viel gelernt: zum einen über kommunalpolitische Zusammenhänge im Allgemeinen, zum zweiten über Magolsheim. Sie denkt da ans 750. Ortsjubiläum oder auch an die Sommeruni. Gar nicht gut fand sie, wenn die Bevölkerung den Ortschaftsräten die Schuld für missliebige Maßnahmen gegeben habe, sie persönlich angegangen seien, „obwohl wir nichts dafür konnten“.
Wieder kandidieren wollen: Adolf Lamparter (Dottingen), Gerd Söll (Rietheim), Heinz Kurz (Trailfingen), Arnd Brändle (Hundersingen) und Wolfgang Brunner (Bremelau).
Und was passiert, wenn kein Mitglied aus dem Ortschaftsrat den Posten des Ortsvorstehers übernehmen will? Da gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann ein wählbarer Bürger aus dem Dorf, der bereit ist, das Ehrenamt zu übernehmen, gewählt werden. In Auingen wurde das bereits einmal praktiziert, so Hauptamtsleiter Thomas Noack. Zum anderen: Der Bürgermeister oder ein von ihm beauftragter Mitarbeiter übernimmt die Aufgaben des Ortsvorstehers bis gegebenenfalls ein Kandidat gefunden wird. Klappt das nicht, könnte die Folge sein, dass die Ortschaftsverfassung im Teilort aufgelöst wird. Dazu ist eine Änderung der Münsinger Hauptsatzung durch einen Gemeinderatsbeschluss nötig.