„Das wird ein monumentales Bauwerk auf einen Feldherrenhügel!“ Roland Schweikert ist nicht nach Helden-Epos zumute. Im Gegenteil: Der Gruibinger Bürgermeister reagiert stinksauer, wenn man ihn auf die Pläne der Bürgerinitiative „Dracki“ beim Bau des neuen Albaufstiegs der A 8 anspricht. Wie berichtet, will die Bürgerinitiative (BI) aus Gosbachern und Drackensteinern die von den Behörden favorisierte E-Trasse verhindern, weil diese Variante eine 71 Meter hohe Brücke über das Gostal beinhaltet. Außerdem würden bei der E-Trasse unnötig viel Fläche verbraucht und damit auch wichtige Lebensräume für Flora und Fauna vernichtet. Die BI schlägt dagegen die sogenannte K-Trasse vor: Hier entfällt die Brücke übers Gostal, dafür müsste eine rund 110 Meter hohe und 1750 Meter lange Brücke übers Filstal gebaut werden. Diese Brücke wäre damit mehr als doppelt so hoch und lang als bei der E-Trasse, die nur 52 Meter hoch und 800 Meter lang wäre (siehe Info-Kasten).
Der von Dracki vorgeschlagene „Brückentausch“  kommt bei anderen  betroffenen Gemeinden nicht gut an. Gruibingens Bürgermeister Schweikert kritisiert aber nicht nur die gigantischen Ausmaße der K-Filstalbrücke. Er vermutet, dass Länge und Höhe auch zu einer Verschiebung des bei Mühlhausen geplanten Autobahn-Anschlusses Richtung Gruibingen führen werde:
Edgar Kastner, einer der Sprecher bei „Dracki“, bestätigt das: Die neue Anschlussstelle werde rund 700 Meter weiter westlich liegen als bei der E-Trasse. „Dann bekommen wir bei Staus wieder den Verkehr ab“, fürchtet der Gruibinger Schultes. Schweikert ärgert generell, dass „Dracki“ die E-Trasse zwar zerpflückt, auf der anderen Seite in der Öffentlichkeit recht spärlich  mit Details zur  eigenen Trasse umgeht. „Keiner weiß genau, wie die K-Trasse verläuft: Gibt das einen Riesen-Damm oder eine Brücke auf Stelzen?“ Unterm Strich steht für den Gruibinger Schultes fest, dass die „K-Trasse keine Lösung ist, weil in der Summe die Nachteile für alle überwiegen.“
Mühlhausens Bürgermeister Bernd Schaefer bereitet die mächtige Filstalbrücke der K-Trasse ebenfalls Sorgen: „Wir haben schon die 85 Meter hohe Bahnbrücke. Und die ist ein Riesen-Bollwerk.“ Für den Mühlhausener Schultes überwiegen auch sonst die Vorteile der E-Trasse: So werde durch die Verschwenkung der B 466 ab der Kreuzkapelle in Gosbach nicht nur Mühlhausen, sondern auch Wiesensteig vom Durchgangsverkehr entlastet. „Dann fährt nur noch der nach Wiesensteig der auch dorthin will.“ Schaefers Fazit: „Die wollen die Brücke im Gostal weg haben – allerdings auf Kosten der Nachbarn. Das ist unfair.“
Die Hohenstadter lehnen die K-Trasse ab, „weil sie für uns nur Nachteile bringt“, führt Bürgermeister Günter Riebort an. So müsste die Gemeinde für die K-Trasse erneut Fläche zur Verfügung stellen. „Dabei haben wir für den Bau der Schnellbahntrasse schon 40 Hektar verloren.“ Riebort hält die E-Trasse, die Hohenstadt komplett im Tunnel unterfährt, aus einem weiteren Grund für die bessere Lösung: Durch zwei neue Anschlüsse an den Albaufstieg (bei der A8-Unterführung der K 1433 aus Richtung Laichingen sowie beim Lämmerbuckel) würden Hohenstadt und Wiesensteig deutlich entlastet. Riebort: „Die fahren dann alle auf den Albaufstieg, wenn sie auf die Autobahn wollen“.
Wiesensteig ist weder vom Bau der E-Trasse noch der K-Trasse direkt  betroffen. Die Trassendebatte verfolgt man am Filsursprung aber dennoch mit Argusaugen: „Wenn die E-Trasse nicht kommt, passiert mit der Autobahn die nächsten 20 Jahre nichts mehr. Das sollte man bei Dracki auch offen sagen“, warnt Bürgermeister Gebhard Tritschler. Schon die Überarbeitung der eigentlich fertig geplanten E-Tasse habe über zwei Jahre gedauert. „Die A 8 muss kommen, und zwar so schnell wie möglich“, lehnt Tritschler jede weitere Verzögerung kategorisch ab.
Dass es trotzdem zu Verzögerungen kommen kann, ist hingegen allen klar. So erwägt etwa der NABU schon jetzt, gegen die E-Trasse zu klagen, weil „die  für Mensch und Umwelt schlechteste Planung nicht zur Ausführung kommen könne“. „Von einer Klage kann man keinen abhalten“, konstatiert Roland Schweikert. Allerdings hat die Stellungnahme des NABU für den Gruibinger Bürgermeister zumindest ein G‘schmäckle. So ist Hans-Peter Kleemann als Verfasser der Stellungnahme nicht  nur 1. Stellvertretender Vorsitzender des NABU, sondern gleichzeitig der Planer der von Dracki favorisierten neuen K-Trasse.

Info Der Ausschuss für Umwelt und Verkehr des Kreistages hat sich in seiner Sitzung gestern einstimmig für die E-Trasse ausgesprochen. Allerdings unter der Vorgabe, dass die K-Trasse im Rahmen des Planfeststellungsverfahren geprüft wird. (Bericht folgt).

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E und K: Die beiden Trassen im Vergleich

Die E-Trasse beinhaltet zwei Brücken: die 800 Meter lang und bis zu 52 Meter hohe Filstalbrücke bei Mühlhausen sowie die 470 Meter lange und 71 Meter hohe Gosbachtalbrücke. Außerdem gibt es zwei Tunnel: den 1700 Meter langen Tunnel Drackenstein und den 1200 Meter langen Tunnel Himmelsschleife.
Die K-Trasse überwindet den Albaufstieg mit einer 1750 Meter langen und bis zu 110 Meter hohen Brücke im Filstal und einem 1700 Meter langen Tunnel. Dafür entfällt die Brücke übers Gosbachtal sowie der Tunnel Drackenstein.
Beim Bau der E-Trasse gehen die Behörden
inzwischen von Gesamtkosten in Höhe von rund 610 Millionen Euro aus. Dracki behauptet, dass die K-Trasse  mit rund 511 Millionen Euro
wesentlich günstiger kommt.