Die beiden Nachbarwahlkreise Reutlingen und Nürtingen entsenden jeweils vier Kandidaten nach Berlin. In Reutlingen hat Michael Donth (CDU) das Direktmandat errungen, aber auch Pascal Kober (FDP), Beate Müller-Gemmeke (Grüne) und auch Jessica Tatti (Die Linken) werden im noch zu konstituierenden neuen Bundestag den Wahlkreis vertreten.
Ähnlich sieht es in Nürtingen aus, wo Michael Hennrich (CDU) per Direktmandat erneut in den Bundestag einziehen wird. Der frühere stellvertretende Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Nils Schmid (SPD), der bei der Landtagswahl 2016 noch für den Wahlkreis Reutlingen antrat und nun in Nürtingen kandidiert, zieht ebenso in den Bundestag ein wie Renata Alt (FDP) und wohl auch Matthias Gastel (Grüne).
Verloren und doch gewonnen, das könnte das Motto dieses Wahlabends für die CDU sein. Verloren, weil Michael Donth aus Römerstein zwar für die Union das Direktmandat errungen, aber an Erst- und Zweitstimmen eingebüßt hat. Gewonnen, weil sich die CDU im Kreis Reutlingen ganz veritabel aus der Affäre gezogen hat und ein besseres Ergebnis vorweisen kann als die CDU/CSU im Bundesdurchschnitt. Richtig gebeutelt hat es Rebecca Hummel (SPD), die mit der SPD im Kreis Reutlingen jetzt auf einer Stufe steht mit Grünen, AfD und FDP. Man wird es weder ihr allein noch ihrem Wahlkampfteam ankreiden können. Die Wähler haben sich abgekehrt von der Großen Koalition, das zeigt sich auch im Kreis. Die Protestpartei AfD konnte im Vergleich zu den Umfragen nochmals ordentlich zulegen, Wolfram Hirt freilich hat es für Berlin nicht gereicht. Dazu hätte die AfD bundesweit um die 19 Prozent der Stimmen erhalten müssen. Dass die im Aufschwung befindliche FDP vor allem in ihrem Stammland eine ernstzunehmende Größe sein wird, hat sich bereits vor der Wahl abgezeichnet. Deren Kandidat Pascal Kober hält im Reigen der mittelstarken Parteien bequem mit, zu denen jetzt auch die frühere Volkspartei SPD zählt. Vom Abwärtsstrudel der Regierungsparteien hat auch Beate Müller-Gemmeke (Grüne) profitiert, die zur SPD aufschließen konnte. Grüne, FDP, SPD: Je nachdem, welcher Bezirk als neu ausgezählt dem vorläufigen Ergebnis hinzugefügt wurde, änderte sich gestern die eine oder andere Kommastelle zugunsten der einen und zum Nachteil der anderen Partei. Kopf an Kopf trudelten sie schließlich über die Ziellinie, die Linken wurden zwar etwas abgehängt, doch Jessica Tatti hat besser abgeschnitten als ihr Parteifreund Günter Herbig vor vier Jahren. Jetzt winkt ihr die Bundeshauptstadt Berlin.