Als am Freitagabend einer der letzten heißen Sommertage in diesem Jahr auf die Zielgerade einbog, hätte es weniger bunt auf dem Rathausvorplatz kaum zugehen können. Pünktlich um 17 Uhr trafen die Gäste einer Veranstaltung ein, die es in Metzingen zuvor noch nie gegeben hatte. Sie nennt sich „White Dinner“ und lebt von folgender Idee: Vollkommen weiß angezogene Menschen setzen sich an weiß dekorierte Garnituren und genießen auf eigens mitgebrachten weißen Tellern selbst mitgebrachte Leckereien aus dem Picknickkorb.

Die Puristen unter den 200 Gästen haben selbst ihre Weidenkörbe in weißes Tuch eingeschlagen. Jochen Krohmer, bis vor wenigen Tagen noch ganz offiziell Geschäftsführer der Metzingen Marketing und Tourismus GmbH (MMT) (inzwischen ist er zwar Pensionär, bleibt aber in Rufbereitschaft, bis seine Nachfolgerin aus dem Mutterschaftsurlaub zurück ist), Jochen Krohmer also bezeichnet den Freitagabend in der Rückschau als „grandiosen Premierenerfolg“.

Glück mit dem Wetter

Erfolge wie dieser haben viele Väter und Mütter. Seine MMT-Mitarbeiterinnen, sagt er, haben viel Mut bewiesen, als sie die Idee des „White Dinner“ erörterten und schließlich verwirklichten. Dass der Freitagabend, als er sich von fast 30 zu angenehmen 24 Grad hin entwickelte, geradezu danach schrie, im Freien beendet zu werden, war Glück. Es hätte auch regnen können, dann stünde heute zu lesen: „’White Dinner“-Party’ musste ins Foyer des Rathauses verlegt werden.“

Wahrscheinlich stünden ein paar lobende Worte dabei. Die Idee sei gut, fürs Wetter könne man ja nichts. Etwas in der Art. Das aber braucht es gar nicht. 200 Menschen aus allen Alters- und Gesellschaftsschichten haben sich pünktlich um 17 Uhr an die Tische gesetzt.

Einige kamen zu spät. Die nahmen mit den Stufen zum neuen und zum Alten Rathaus Vorlieb. Eine Gruppe besorgte sich schnell noch ein weißes Leintuch und okkupierte den Holzblock, der seit Jahren auf dem Rathausvorplatz steht und auf dem zu lesen gewesen wäre: „So viel Holz wächst im Gebiet des Stadtwaldes...“ Doch lesen konnte man es ja gar nicht mehr, es hing ja ein weißes Tuch drüber.

Kommen, sehen, bleiben

Eigentlich wollte Jochen Krohmer um 18 Uhr wieder zu Hause sein, berichtet er. Doch ihm erging es wie den anderen. Er kam, sah und blieb. Bis zum Ende, das in diesem Fall keineswegs bitter war.

Als er und sein Team kurz vor 23 Uhr anfingen etwas aufzuräumen, gesellten sich die 200 Gäste schnell dazu. Vorspeise, Hauptspeise, Nachspeise wurden, sofern sie nicht bereits verzehrt worden waren, wieder säuberlich eingepackt. „Der Platz war topsauber hinter“, sagt Krohmer. „Wir haben nicht mal einen Besen gebraucht.“

Livemusik ohne Technik

An der Musikgruppe „Michael and The Hoes“ waren zwei Dinge bemerkenswert. Erstens kommen die jungen Männer komplett ohne Technik aus. Sie brauchen keine Bühne, kein Mikro, keinen Verstärker. Sie mischen sich immer wieder unters Publikum und begeistern mit ihrer Mischung aus Folk und Rock. Zweitens haben sie sich von dem immer wieder neu aufbrandenden Applaus derart beeindrucken lassen, dass sie nicht von 18 bis 21 Uhr spielten, sondern noch eineinhalb Stunden mit Zugaben beschäftigt waren.

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Reutlingen

Und was haben die Gäste des „White Dinner“ gesagt? Dass man das unbedingt wiederholen müsse. Möglich, dass daran der Pensionär Jochen Krohmer mitwirken wird. Bei seiner offiziellen Verabschiedung im Gemeinderat hatte er ja schon angekündigt, der Stadt Metzingen nicht verloren zu gehen. Innenstadtmarketing könnte sein Betätigungsfeld bleiben. „Wir müssen dran bleiben“, sagt er, „das geht mit einfachen Mitteln“.

Werbung für die Stadt

Für die Stadt war der Freitagabend Werbung pur, denn außer den Besuchern der üblichen Ermstalschiene plus Grafenberg waren auch Gäste aus Reutlingen da. Und aus dem Neuffener Tal. Eine Abordnung, die mal sehen wollte, wie so ein „White Dinner“ aussieht. Weil sie es selbst mal organisieren möchten. Sie dürften bemerkt haben, dass sich in Metzingen die weiß gekleideten Damen und Herren teilweise per Handschlag von Jochen Krohmer und seinen MMT-Mitarbeitern verabschiedet haben. Und von sich, den  die Stimmung war so, als säßen da Mitgleider eines Vereins, die sich schon seit Jahrzehnten kennen.

Wenn freilich „White Dinner“ Teil zwei raus kommt, werden mehr als die 200 Menschen kommen, mutmaßt Krohmer, denn „so etwas spricht sich schnell herum.“ Also wird der Rathausvorplatz nicht mehr reichen. In Metzingen gibt es aber genügend Alternativen. Der Kelternplatz beispielsweise, dann geht man bei Wind und Wetter einfach unters Dach. Und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

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„White Dinner“ und die Idee dahinter

Vor dem Rathaus trafen sich am Freitagabend weiß gekleidete Menschen zu einem Picknick an weißen Tafeln und genossen das Altstadt-Flair in romantischer Atmosphäre.

Die Idee: Gut gelaunte Menschen, in einem strahlend weißen Outfit treffen sich, mit einem Picknickkorb unter dem Arm, um gemeinsam einen schönen Abend in komplett weißem Ambiente zu verbringen. Denn beim „White Dinner“ dominiert eindeutig die Farbe Weiß.

Die weiß gedeckte Tafel macht das „White Dinner“ nicht nur kulinarisch, sondern auch optisch zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Für musikalische Unterhaltung hat die Band Michael & The Hoes gesorgt. Spontanen Besuchern ohne Mitbringsel bot die Weingärtnergenossenschaft Metzingen einige Tropfen aus dem Ermstal an.