So ein Schloss ist schon was schönes, aber nicht wenn man es selbst besitzt“, scherzte Michael Patrick Kelly bei seinem Auftritt im Ludwigsburger Schlosshof am Donnerstag. Man könne gar nicht so viele Konzerte spielen, wie nötig wären, um den Unterhalt zu stemmen. Es war das Auftaktkonzert der diesjährigen KSK-Music-Open. Am heißesten Tag des Jahres tummelten sich 5000 Besucher inmitten historischer Fassaden. Trotz großer Hitze gab es laut Caroline Stegmeyer vom Veranstalter Eventstifter nicht viele medizinische Zwischenfälle. Ein Grund könnte sein, dass der Preis für Wasser um einen Euro auf 2,50 Euro gesenkt wurde.
Der Auftritt von Kelly selbst lässt keinen Raum für Beanstandungen. Um 20.30 Uhr betrat der Sänger mit seiner Band die Bühne, vor einem reduzierten Bühnenbild mit vielen Lichteffekten und einer großen Leinwand in der Mitte. Wenig erinnerte an die Zeit als er noch als Teil der Kelly Family auftrat. Die Haare sind kürzer und mit dem Reifungsprozess ist aus „Paddy“ Michael Patrick geworden. Er hat den Wechsel vom Schmuse-Pop hin zu rockigeren Klängen spätestens nach seinen Auftritten bei der Fernsehsendung „Sing mein Song“ geschafft und sich eine neu Fanbasis erschlossen.
Ganz im Sinne seiner rockigen Attitüde kam er zu Beginn seines Auftritts den Mikrofonständer stemmend die paar Treppen auf der Bühne hinab. Eins der ersten Lieder war gleich einer seiner größten Hits: Bei „Roundabouts“, ein erstes Highlight zeigte er, dass seine Stimme trotz aller Rockallüren für Balladen gemacht scheint. Bei „Run, Jump, Fly“ vergass er kurz den Text. Ein paar Songs später klärte Kelly auf, warum. Ein Fanplakat hatte ihn etwas rausgebracht. Zur Belohnung gab es sofort das erwünschten Selfies mit dem glücken Fan.
Kelly zeigte sich mit diversen solcher Aktionen und in kurzen Erzählphasen, so sympathisch wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Immer wieder suchte er den Kontakt – auch physisch – mit dem Publikum. So beorderte er irgendwann starke Männer nach vorne, weil er Stagediven wolle. Gesagt getan, das konnte Kelly von seiner Rockkonzert-to-do-Liste streichen. Richtig herzlich war der überraschende Besuch auf der Rolli-Tribüne mit Zeit für Selfies und sein anschließender Lauf durch die hinteren Reihen der Zuschauer. Kelly liefert das komplette Paket auch mit Knall- und Lichteffekte, am Ende schwenkte er sogar eine Bengalo-Fackel auf der Bühne.
Da verzeiht man ihm auch die dramaturgisch seltsam anmutende Schweigeminute für Frieden, als er während des Konzert eine Kirchturmglocke auf die Bühne fährt und um Stille bittet. Auch einen Titel, den er jüngst noch bei „Sing mein Song“ zum Besten gab, findet sich in der Liederliste ebenso wie natürlich die Hits „ID“ und „Et Voilà“. Nach Zugabe und zwei Stunden ununterbrochener Show verabschiedete sich Kelly mit „Ludwigsburg, ihr wart geil“. Die meisten der 5000 Zuschauer werden das Lob gerne zurückgeben.

Info Die KSK-Music-Open gehen an diesem Samstag mit „90er Live“ weiter.