Ludwigsburg, ich hab’ euch gemieden“, gestand der Berliner Comedian Felix Lobrecht seinem Publikum am Freitagabend im Scala in der Barockstadt. Der Zusatz, „Aus Liebe“, besänftigte sein gespielt schockiertes Publikum – und das waren nicht wenige, die den 29-Jährigen mit seinem neuen Programm „hype“ live erleben wollten. Der Kinosaal war nicht nur bis zum Vorhang mit Stühlen bestückt worden, auch die Tribüne platzte aus allen Nähten – die Bude war ausverkauft. Und das beim Auftritt eines Witzemachers, der für seinen derben Humor bekannt ist, bei dem man kurz überlegen muss, ob es überhaupt ethisch korrekt ist, zu lachen.

Studenten, Deutsche, der Mond

Und Felix Lobrecht ließ wirklich nichts aus. Studenten, Sport-Mädels, Krähen, die in seine neue, „lächerliche große Wohnung“ machen, in der man sich Standorte per Handy schicken muss, und nicht zu vergessen: Deutsche, die klassisch mit geballter  Faust bruddeln, Lobrechts Ausländer-Kumpels, wegen denen er nicht in Clubs kommt, Behinderte, die durch ihre Extra-Parkplätze „nichts für ihr Image tun“ sowie Babys, die einfach alles dürfen. Selbst der Mond, „dieser Loser, dieser Marko“, bekommt sein Fett weg. „Ihr dürft über alles lachen“, sagte Lobrecht zu seinem sowieso schon lauthals krakeelenden Publikum.

Gewohnt prolliger Humor

Die „Political Correctness“ sei von den beiden deutschsprachigen Rappern Xavier Naidoo und Kollegah abgesegnet worden – Letzterer ist vor einem halben Jahr durch rassistische Songtexte ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit geraten. Die Witze des 29-Jährigen waren gewohnt prollig, gespickt mit gewollt schlechten Wortspielen und frei Schnauze, inklusive dem charakteristischen Berliner Dialekt, der den Fans bereits aus seinem vorherigen Programm „Kenn ick“ bekannt ist. Es wurde tief in die Kiste der Themen gegriffen, die der gute Ton verbietet, stets verpackt in abgedrehte Alltagsgeschichten. Allerdings nie dumm, nie unüberlegt, nie ohne einen versteckten tiefsinnigen Nebensatz.
Nicht nur die Ludwigsburger waren von dem Berliner begeistert, Lobrecht erhielt den Deutschen Comedypreis 2018 als „Bester Newcomer“. Der Berliner mit dem Goldkettchen lieferte im Scala eine eineinhalbstündige Show ab, die er aber nicht nur routinemäßig durchzog. Stets ging er auf das Publikum ein, wenn mal wieder eine besonders markante Lache zu hören war („Bekommt die grad ’nen Orgasmus?“) oder auch wenn es um den „Ludwigsburger Problembezirk Grünbühl“ ging, den Lobrecht mit dem „Kotti“ (Kottbusser Tor) in Berlin-Kreuzberg verglich.
Ein überaus unterhaltsamer Abend in einem ausverkauften Scala, das in dieser Saison mit zeitgemäßen, aktuellen Künstlern vermehrt auch wieder ein jüngeres Publikum ins Kultkino lockt.