Warum hat meine Lieblingsrose Läuse? Und noch wichtiger: Wie bekomme ich die wieder weg? Was ist eigentlich mit meinem Rasen los und warum trägt mein Zwetschgenbaum keine Früchte? Das sind Fragen, die Gregor Werling tagtäglich zu hören bekommt. Der 34-Jährige ist Gärtnermeister. Um genau zu sein, Meister für Garten- und Landschaftsbau.
Seinen Beruf übt der Pflanzen-Fachmann nicht nur an Werktagen in einem Möglinger Gartenfachbetrieb aus, wo er sich viel mit Gartenplanungen und Beratung befasst, auch am Wochenende hilft er ab und an verzweifelten Hobbygärtnern dabei, ihre welken Gartenhortensien wieder aufzupeppeln, denn im Blühenden Barock in Ludwigsburg gibt es an vier bis fünf Sonntagen im Jahr offene Gartenberatungen, an denen jeder teilnehmen und Fragen rund um die Flora stellen kann, die dann von einem Garten-Experten nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet werden.
„Meistens sind es recht einfache Dinge“, sagt der Experte mit dem grünen Daumen. Schädlingsbefall sei ein großes Thema, etwa der Blattfleckenpilz bei Rosen. Die verzweifelten Hobbygärtner bringen Fotos von ihren erkrankten Lieblingen mit oder abgeschnittene Pflanzenteile. Per Ferndiagnose kann Werling dann ein Mittelchen empfehlen, das dem grünen „Patienten“ helfen kann. Dabei setzt der Profi gerne auf natürliche, pflanzliche und bienenfreundliche Mittel. „Ich empfehle prophylaktisch zu arbeiten, um die Chemiekeule zu vermeiden“, rät Werling. Etwa mit der populären Brennesseljauche, auch wenn sie nicht besonders verlockend riecht.
„Es gibt saisonale Schwerpunktthemen, etwa die Blattlaus-Zeit, auf die man quasi vorbereitet ist“, sagt der Garten-Experte aus Ludwigsburg. Oftmals muss er aber auch detektivisch vorgehen. Eine Art Frage-Antwort-Spiel. Wo steht die Pflanze? Bekommt sie zu viel oder zu wenig Licht? Wie sieht’s mit dem Dünger aus? Zu viel oder wenig Wasser? In den meisten Fällen kann Werling Tipps geben, um zu helfen. Und wenn nicht, dann recherchiere er. „Ich tausche mich mit meinen Möglinger Kollegen aus oder mit Franz Armbruster, meinem Kollegen im Blüba.“ Das sei das Spannende an seinem Job. „Ich lerne täglich etwas Neues dazu“, sagt er.

Eigeninitiative gezeigt

Wie der 34-Jährige zu den Gartenberatungen im Blüba gekommen ist? Er habe Franz Armbruster bei der Gartenmesse „Garten Outdoor Ambiente“ in Stuttgart darauf angesprochen, dass er, wie Armbruster auch, gerne Gartenberatungen durchführen würde. „Ich würde es auch immer wieder machen, es macht mir richtig Spaß mit den Menschen zu sprechen und sie zu beraten“, sagt der Gartenexperte.
Er lerne auch viele verschiedene Leute kennen bei dem zweistündigen Gespräch in der Gärtnerlaube des Blüba. Beim letzten Mal seien neben Teilnehmern aus dem Kreis sogar Garten-Fans aus Heilbronn, Karlsruhe, Hamburg und Berlin dabei gewesen. „Es ist der perfekte Beruf für mich“, sagt Werling. Er sei auf dem Land in der Pfalz aufgewachsen und schon als Kind gerne draußen in der Natur gewesen. Und privat? Das eigene kleine Gartenparadies vor der Haustür? „Ich muss in meiner Freizeit nicht unbedingt im Garten arbeiten“, sagt er, lacht verschmitzt und gesteht: „Ich habe jahrelang keine einzige Pflanze in der Wohnung gehabt.“ Aktuell sind es übrigens drei Pflanzen, „die sind aber eher meiner Freundin geschuldet.“

Sport als Ausgleich

Während Gärtnern als Ausgleich voll im Trend liegt, treibt Werling lieber Sport – nicht in der Natur, sondern im Fitnessstudio – und geht Fischen, am liebsten in seiner alten Heimat in der Nähe von Karlsruhe. Beim Besuch bei den Eltern muss er ab und an aber doch in seiner Freizeit gärtnern. „Es gibt da ein paar schwierige Ecken im Garten, wo ich ran darf.“
So wie ein Arzt im Freundeskreis ständig nach einer Diagnose und ein Anwalt nach juristischem Beistand gefragt wird, muss auch Gregor Werling im Freundeskreis Rede und Antwort stehen. Das habe bei seinen Freunden ab dem Alter 30 angefangen, dass ein Interesse am Gärtnern aufgekeimt ist. Ob das nicht nervig ist, auch privat ständig über Berufliches reden zu müssen? „Wenn ich zehn mal am Abend nach einem Mittel gegen Blattläusen gefragt werde, vielleicht schon ein wenig“, gibt der 34-Jährige mit einem Augenzwinkern zu. Planerische Fragen in Sachen Gartengestaltung jedoch, die beantworte er sehr gerne. Das sei sein Steckenpferd.

Info Die nächste offene Garten- und Pflanzenberatung im Blühenden Barock mit Gregor Werling findet am Sonntag, 8. September, von 13 bis 15 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Gärtnerlaube neben der Orangerie. Das Angebot kann kostenlos in Anspruch genommen werden, nur eine gültige Eintrittskarte ins Blüba ist notwendig. Das ist die letzte Beratung in diesem Jahr.