Wenn der Albverein ruft, dann sind die Ausflugsbusse oft voll oder es geht in großen Gruppen hinaus in die Natur. Doch ob es auf Dauer so bleibt? Die Gewinnung von Nachwuchs ist jedenfalls ein großes Problem. In der Bönnigheimer Ortsgruppe ist der Alterduchschnitt „60+“, sagt Vorstandsmitglied Florian Engster. Für die Besigheimer Ortsgruppe hat Günther Bodenschatz, stellvertretender Vorsitzender und selbst bereits 78 Jahre alt, einen Alterdurchschnitt von 72,8 Jahren ausgerechnet, bei 130 Mitgliedern. „Die meisten Mitglieder stoßen zu uns, wenn sie in den Ruhestand eintreten“, kommentiert Inge Schuhmacher, die Vorsitzende der Bietigheimer Ortsgruppe, die Situation. Der „solide Mittelbau“ fehlt laut Florian Engster, ausgerechnet also die Generation, die gerade Kinder aufzieht und Nachwuchs in die Vereine bringen könnte.
Dabei ist Wandern durchaus beliebt, auch bei der jüngeren Generation. Darin sind sich die Vorsitzenden einig. Allerdings tun sich die jungen Menschen schwer, wegen des Wanderns in einen Verein einzutreten. „Gerade die besagte Altersstruktur schreckt das oft ab“, sagt Florian Engster. Wanderführer im klassischen Sinne, wie sie gerade der Albverein bietet, werden immer seltener gebraucht. „Die Wanderwege mit Karten findet man jederzeit im Internet“, sagt Inge Schumacher. Die Bindung an Sportvereine, in denen eine regelmäßige Teilnahme am Training und am Spielbetrieb gefordert wird, sei nicht eben förderlich für einen Verein, der die Teilnahme an den Wanderungen generell frei stellt, ist Engster überzeugt.
Was also tun, um die Reihen zu verjüngen? „Reine Wanderungen sind für Kinder nicht attraktiv“, weiß Inge Schumacher, „es muss eine Attraktion geboten werden, etwa die Besichtigung einer Höhle. Die Bietigheimer und die Bönnigheimer Ortsgruppe beteiligen sich an den Sommerferienprogrammen ihrer Städte. In Bönnigheim gehören dazu nicht nur Höhlentouren, sondern auch Rad- und Grilltouren oder das Geocaching.
Mit kulturellen Veranstaltungen wie dem Besuch der Klosterstadt Campus Galli bei Messkirch versucht die Besigheimer Ortsgruppe neue Mitglieder zu locken. Die 50 Plätze im Bus sind bereits ausgebucht, nur nicht mit jüngeren Mitgliedern. Es klingt fast ein bisschen ratlos, was Günther Bodenschatz sagt: „Wir betreiben wirklich solide Öffentlichkeitsarbeit, um die jungen Leute in den Verein zu bekommen.“ Er sieht auch die Fehler der Vergangenheit, als die Jugend im Albverein eher unerwünscht gewesen sei.
Eine der ureigensten Aufgaben des Albvereins, die Pflege der Wanderwege, droht deswegen zu verkümmern: „Unsere Wanderwarte gehen stramm auf die 80 Jahre zu“, sagt Günther Bodenschatz. „Zeitaufwendig und arbeitsintensiv“ sei das Amt, so Inge Schuhmacher, im Alter nur noch schwer zu leisten. Amüsiert erzählt Florian Engster von der Frage junger Erwachsener, wie eigentlich Wanderwege entstehen.
Der Verband des Albvereins mit seinen 100 000 Mitgliedern stellt sich dem Problem. Die Jugendangebote des Hauptvereins umfassen Freizeiten und Trekkingtouren“, so Florian Engster. Die Arbeit für Kinder, Jugendliche und Erwachsene werde vom Hauptverein stark unterstützt. Es gebe zentrale Angebote, Lehrgänge, Arbeitsmittel und Erfahrungskreise. Ortsgruppe und Gaue könnten auf die Unterstützung von Bildungsreferenten und hauptamtlichen Mitarbeitern zurückgreifen.
Doch es brauche eben auch die „Macher“ vor Ort, und es klappt immer dann ganz gut, wenn sich Eltern mit eigenen Kindern darum kümmern. Engster spricht von einer Wellenbewegung: „Viele Jahre geht es gut, dann wieder nicht.“

Die Themen des Schwerpunkts

Der Samstagsschwerpunkt heute beschreibt Vereine und ihre Probleme mit den Nachwuchs, aber auch ihre Konzepte, mit denen sie sich fit für die nächste Generation machen. Lesen Sie auf den folgenden Seite Berichte über den DRK-Kreisverband (Seite 10), den Sängerkranz in Bietigheim (Seite 11), den Kleintierzuchtverein Großsachsenheim (Seite 13), den Turnverein Ingersheim (Seite 15) sowie den Obst- und Gartenbauverein in Besigheim (Seite 16). bz