In keinem anderen Bundesland ist der Anteil neuer Fertighäuser so hoch wie in Baden-Württemberg. Da liegt es nahe, hier mit der „Fertighauswelt Schwarzwald“ die laut Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) modernste Hausausstellung Europas zu präsentieren. Ab dem Wochenende können sich Interessierte in Kappel-Grafenhausen (Ortenaukreis) gegen ein paar Euro Eintritt 14 Musterhäuser in Holz-Fertigbauweise anschauen. 40 000 Besucher pro Jahr erwartet der BDF im neuen Gewerbepark direkt an der Autobahn 5. Die ultimative Lösung bei der Suche nach einem Eigenheim sind Fertighäuser aus Sicht von Branchenexperten allerdings nicht. Probleme wie Material- und Handwerkermangel verschärfen sich nicht zuletzt wegen des Kriegs in der Ukraine auch in diesem Bereich.

Hoher Fertigbauanteil im Südwesten

Mit einem Fertigbauanteil von 39,4 Prozent an allen genehmigten Ein- und Zweifamilienhäusern erreichte Baden-Württemberg nach BDF-Angaben vergangenes Jahr einen Höchstwert - sowohl historisch als auch im Vergleich mit den anderen Bundesländern. Knapp 5400 seien im Südwesten neu hinzugekommen. Ein Jahr zuvor seien es 5131 gewesen, 38,4 Prozent. Bundesweit erreichte der Fertigbauanteil vergangenes Jahr zwar ebenfalls einen Rekord - aber betrug nur 23,1 Prozent.
Wie ist die Beliebtheit im Südwesten zu erklären? „Hier im Südwesten der Bundesrepublik und Baden-Württembergs schlägt das Herz des Holz-Fertigbaus“, sagte BDF-Vizepräsident Mathias Schäfer am Freitag laut Mitteilung. „Hier ist die Branche seit Jahren am stärksten.“ Neben der Verbundenheit der Menschen zum Baustoff Holz und Vertrauen in die Holz-Fertigbauweise führt der Verband an, dass sehr viele Fertighaushersteller hier ansässig seien. Das fördere die Nachfrage.

Probleme in der Baubranche allenthalben

Nichtsdestotrotz sollten sich Häuslebauer und all jene, die es werden wollen, keine allzu große Hoffnungen machen. Insbesondere an Material mangelt es gerade in der gesamten Baubranche, da unterscheiden sich herkömmliche und Fertigbauweise nicht. „Der Krieg trifft beide“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Thomas Möller, der Deutschen Presse-Agentur. In der Regel reichten die Lagerkapazitäten nicht, um mehr als ein Vierteljahr Material zu stellen. Selbst wenn ein Fertigbauer alles alleine mache und keine Dritthandwerker benötige, stelle sich daher momentan in erster Linie die Frage, woher er sein Material bekommt und zu welchem Preis.
„Im Moment kann die Lieferketten keiner mehr überschauen“, sagte Gerald Lipka, Geschäftsführer des Landesverbands Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Baden-Württemberg (BFW). Kosten ließen sich derzeit nur sehr schwer kalkulieren - und schon gar nicht weit im Voraus. Viele Firmen stellten Bauprojekte dieser Tage zurück.

Eine Frage des Geldes

Das zentrale Problem gerade junger Menschen beim Thema Hausbau sei allerdings Eigenkapital, sagte Lipka. Viele bräuchten bis Ende 40, um genügend Geld zu haben, „wenn man nicht familiär mit Kapital gesegnet ist“. Diesen Punkt nannte auch Ottmar Wernicke vom Eigentümerverband Haus & Grund Württemberg. Zwar gebe es manchmal Preisgarantien oder Klauseln, um wie viel Prozent sich der Preis maximal erhöhen dürfe. „Im Grunde ist ein Fertighaus aber nicht billiger als ein Stein-auf-Stein-Haus.“
Zudem schössen derzeit selbst auf dem Land die Grundstückspreise durch die Decke. Zum einen werde kaum neues Bauland ausgewiesen, sagte Wernicke. Und zum anderen machten manche Kommunen Vorgaben, dass beispielsweise keine Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut werden dürften. Politisch seien Gebäude mit wenig Wohnraum angesichts des hohen Wohnungsbedarfs nicht gewollt. „Und was rar ist, wird teuer“, sagte er. „Wenn Sie dann ein Grundstück ins Auge gefasst haben, müssen Sie es überhaupt erstmal bezahlen können.“

Hauskauf als Wertanlage

Stimmt alles, werde ein Fertighaus in der Fabrik gebaut und sei damit womöglich die sicherere Variante, sagte Wernicke. Durchaus gebe es aber auch hier Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren. „Schnell geht im Moment gar nichts.“ Aus Sicht des baden-württembergischen Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen können Fertighäuser oder serielle Bauweisen dazu beitragen, Bauen für den Bauherrn schneller und günstiger zu gestalten. Der gesetzliche Rahmen dafür sei mit der Landesbauordnung gegeben. Baugenehmigungen könnten schneller und einfacher erteilt werden. Spezielle Fördermöglichkeiten für Fertighäuser gibt es laut einer Sprecherin allerdings nicht.

Auch Klimaschutz als Aspekt beim Hausbau

Interessenten müssen nicht nur im Internet stöbern oder in den Schwarzwald reisen. Der Musterpark in der Ortenau ist einer von 19, die die Internetseite fertighauswelt.de auflistet. Alleine der BDF betreibt fünf davon in Günzburg, Nürnberg, Köln, Wuppertal und Hannover. In Baden-Württemberg gibt es neben Kappel-Grafenhausen in Ulm, Mannheim, Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) und Fellbach bei Stuttgart Möglichkeiten, sich Fertighäuser anzuschauen.
Die Musterhäuser werden bei Kunden aber selten eins zu eins nachgebaut. „Jedes Fertighaus wird heute individuell geplant und ausgestattet, damit es den Anforderungen und Wünschen der Baufamilie viele Jahrzehnte lang bestmöglich entspricht“, sagte BDF-Vizepräsident Schäfer. Der Verband verspricht darüber hinaus, dass ökologische Standards eingehalten werden.

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