Fenstertheater. Straßentango. Kleinkunst. Aus Oxana Arkaeva sprudeln die Ideen für das Blausteiner Kulturprogramm 2019 geradezu heraus. Seit rund sechs Wochen ist die 52-Jährige Kulturreferentin in der Stadt an der Blau: als Elternzeitvertretung für Iris Gnahm, die vor zwei Jahren – noch als Iris Melzer – die erste Besetzung für diese neu geschaffene Stelle war. Eine Position, in der sich also noch viel gestalten lässt, findet die Sopranistin Arkaeva, die in der Region vor allem als Sängerin am Theater Ulm bekannt war. In ihrer ersten Woche in Blaustein hat sie den Tag der offenen Tür im Rathaus erlebt. „Man konnte sehen, dass der Wunsch nach mehr Kultur da ist“, schließt sie aus den Gesprächen an diesem Tag. Um dem nachzukommen, denkt Arkaeva über verschiedene Spielorte und Darstellungsformen nach und verschafft sich einen Überblick über Akteure und vorhandene Angebote.

Gute Gespräche geführt

„Ich habe zum Beispiel den Veranstaltungskalender für 2018 genutzt und eine Tabelle der Vereine erstellt, um herauszufinden, welches die aktivsten Vereine sind“, erzählt Arkaeva: Vor allem Musik- und Sportvereine seien ihr dabei aufgefallen. Mit diesen Daten und durch Termine mit den Ortsvorstehern, die sie alle in den ersten beiden Wochen getroffen habe, wolle sie ergründen, wie man die Vereine noch besser vernetzen kann. Mit den Ortsvorstehern habe sie gute Gespräche geführt, auch die Verwaltung erlebe sie als „sehr engagiert“: „Ich fühle mich sehr willkommen.“
Das Kulturkonzept könnte ihrer Meinung nach ein „bisschen zentralisiert“ werden – zum Beispiel durch eine Art Kulturnacht beim Blausteiner Herbst. Ihre Vorstellung sei ein Rundgang, der verschiedene Angebote und Spielstätten verbindet: den Marktplatz, die Straßen drumherum – wo beispielsweise Tango getanzt werden könnte – außerdem Rathaus, Seniorenzentrum, Bad Blau, Lixhalle und das Steinzeitdorf. Damit wolle sie auch Kulturinteressierte von außerhalb dazu bewegen, nach Blaustein zu kommen. Was ohnehin angebracht sei: Schließlich habe die Stadt viel zu bieten.
Ihre Begeisterung hört man Arkaeva auch an, wenn sie über die Villa Lindenhof spricht. Nicht nur wegen der dort geplanten  Ausstellungen zu Anna Essinger, Gertrude Kantorowicz, und weiteren Herrlinger Persönlichkeiten. Sondern auch als Veranstaltungsort. Für die Villa möchte Arkaeva noch ein Nutzungskonzept ausarbeiten. Sie denke beispielsweise an ein Fenstertheater, das Zuschauer picknickend von der Wiese aus sehen könnten, an Stationentheater in den Räumen für Schulen oder an Kleinkunst und Konzerte in den jetzigen Ausstellungsräumen im Erdgeschoss, die auch akustisch „super geeignet“ seien: „Da kann man sich nichts besseres vorstellen“, sagt die Sopranistin. Ein detailliertes Nutzungskonzept werde noch ausgearbeitet. Denkbar sei auch eine Kooperation mit der Theaterei, deren Direktorin Edith Ehrhardt sie noch vom Theater Ulm kenne. Details müssten jedoch noch mit den verschiedenen Verantwortlichen geklärt werden, das Kulturprogramm im Gemeinderat vorgestellt und von ihm abgesegnet werden.
„Künstler habe ich genug“, sagt Arkaeva, die auch als stellvertretende Vorsitzende des Ulmer Vereins „Indauna“ Veranstaltungen in der Friedrichsau organisiert. Bevor das Kulturprogramm eine feste Form annehmen könne, müsse jedoch der Etat feststehen. Klar sei, dass sie auf die lokale Künstlerszene zugehen wolle – „die ist sehr reich“ –, und es „auf jeden Fall eine Mischung aus verschiedenen Genres“ geben werde, nicht nur Hochkultur. Natürlich für alle Blausteiner, aber nicht nur: Die Stadt habe das Potenzial, Menschen von anzulocken und sei zudem verkehrstechnisch gut angebunden. „Da haben sie es sehr gut in Blaustein.“

Villa Lindenhof wird Kulturzentrum

Pläne 2,1 Millionen Euro wird die Stadt Blaustein investieren, um die  Lindenhof-Villa in ein Kulturzentrum umzubauen. Das Projekt wird angesichts der finanziellen Lage der Stadt Schritt für Schritt umgesetzt. Der erste davon ist ein Museum, das in der ehemaligen Kegelbahn eingerichtet wird. Künftig sollen in der denkmalgeschützten Jugendstil-Villa neben Vorträgen und Lesungen auch kleinere Konzerte stattfinden. Zudem sind ein Bistro und Seminarräume geplant. Diese sollen vermietet werden und Geld in die Stadtkasse bringen.