Das Neu-Ulmer Veterinäramt geht erneut gegen einen Landwirt aus Roggenburg vor, der sich offenbar nicht gut um seine Tiere kümmert. Schon in der Vergangenheit waren den amtlichen Kontrolleuren viele Mängel in den Ställen des Mannes aufgefallen. Im Januar 2018 stand der Landwirt dann sogar vor Gericht, und wurde wegen Vortäuschens einer Straftat, eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz sowie versuchten Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Gravierende Mängel: Kranke, verletzte und tote Tiere

Doch offenbar hat der Mittfünfziger nichts aus diesem Warnschuss gelernt. Bei drei Kontrollen der Amtstierärzte im Mai, Juni und November 2018 wurden erneut mehrere Mängel festgestellt: fehlende Hygiene in der Milchkammer, eine tote Kuh in der Maschinenhalle, lahmende Tiere, ein eingewachsener Strick bei einem Kalb, kranke Rinder.
All das ist beim Verwaltungsgericht Augsburg zu erfahren, wo der Landwirt am 25. Juni als Kläger auftritt. Er wehrt sich gegen tierschutzrechtliche Anordnungen des Veterinäramtes.
Das Veterinäramt habe diese Schritten unternommen, sagt auf Anfrage dessen Leiter, Philipp Winter, um die Mängel „dauerhaft“ abzustellen. Zu den schon genannten führt der Tierarzt an: „tierseuchenrechtliche Verstöße im Bereich der Markierung und Meldung von Rindern“. Dem Mann seien Fristen gesetzt worden, und es wurde die Drohung ausgesprochen, bei einer Zeitüberschreitung auch Zwangsgelder gegen ihn zu verhängen. Der Landwirt klagt jetzt nun gegen die Anordnung, sagt ein Sprecher des Verwaltungsgerichts, weil er die Beanstandungen nicht nachvollziehen kann oder Mängel bereits beseitigt habe. Wo der Kadaver herkommt, wisse er nicht.

Anklage zum Landgericht

Die vom Veterinäramt beanstandeten Verstöße sind auch strafrechtlich relevant. Gestern sollte sich der Roggenburger vor dem Landgericht Memmingen unter anderem wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten. Der Termin wurde abgesetzt, der Anwalt will erst ein Gutachten erstellen lassen.

Warum darf der Landwirt noch Tiere halten?

Bleibt die Frage, warum dem Landwirt nicht einfach das Recht zur Tierhaltung entzogen wird. Vom Verwaltungsgericht Augsburg heißt es dazu, das komme selten vor, sei mit hohen Hürden verbunden, weil dem Landwirt ja damit seine Existenzgrundlage genommen würde. Das Kreis-Veterinäramt antwortet, diese Möglichkeit bestehe zwar, sie sei auch bereits „in Erwägung gezogen“ worden. Man habe aber letztlich „aufgrund verschiedener Gerichtsentscheidungen“ davon Abstand genommen.

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