Sulz/Bergfelden · Auszeichnung: Einfach gemacht und gewonnen

Solche Rohrstücke wie dieses, das für ein Wasserwerk der Landeswasserversorgung zum Einsatz kommt, baut Dennis Berner, der eine Ausbildung zum Apparate- und Behälterbauer bei der Firma Sülzle Kopf in Bergfelden gemacht hat. Der 20-Jährige wurde zunächst Kammersieger und vor kurzem auch Landessieger. Ob der junge Mann sogar Bundessieger wird, entscheidet sich nächste Woche.
Cristina PriottoEhrgeizig ist Dennis Berner laut Selbsteinschätzung eigentlich nicht, dennoch kann der 20-Jährige bereits auf zwei bemerkenswerte berufliche Erfolge stolz sein: Der gebürtige Reutlinger, der seit der Ausbildung zum Apparate- und Behälterbauer bei Sülzle Kopf in Bergfelden im größten Sulzer Stadtteil lebt, wurde zunächst im Februar Kammersieger der Apparate- und Behälterbauer bei der Handwerkskammer Konstanz, kürzlich sicherte sich Berner in Stuttgart dazu auch noch den Titel als Erster Landessieger der Apparate- und Behälterbauer.
Der junge Mann strahlt zwar ob des Erfolges, doch wichtiger ist Dennis Berner, den richtigen Beruf gefunden zu haben. „Ich hab’ gedacht, ich fahr’ hin und mach mein Ding, und wenn’s klappt dann klappt’s, wenn nicht, dann halt nicht“, bringt der 20-Jährige den Wettbewerb bescheiden und bodenständig auf den Punkt.
Es hat geklappt, und somit wird der Junghandwerker in Kürze auch die Goldmedaille als Erster Landesmeister erhalten. Denn bei der Preisverleihung im Europa-Park in Rust konnte Berner Anfang des Monats nicht dabei sein.
Aufgabe bei dem Wettbewerb waren Schweißproben: Die Teilnehmer mussten in der Robert-Mayer-Schule in Stuttgart, der Berufsfachschule der Sparte, Aluminium, Kupfer, Edelstahl und Elektroden schweißen sowie Rohre warm biegen. Der kniffligste Teil des Leistungswettbewerbs „Profis leisten was“ war, eine Halbkugel aus Kupfer von Hand durch stetiges Bearbeiten mit einem polierten Hammer zu formen.
Wirklich vorbereitet hat der 20-Jährige sich auf den Vergleich mit den besten Junghandwerkern aus ganz Baden-Württemberg nicht. „Die tägliche Arbeit ist dafür die beste Vorbereitung“, findet der Apparate- und Behälterbauer.
Bei den Techniker-Azubis von Sülzle gilt Berner als neues Aushängeschild. Henry Klein, Geschäftsführer der Sülzle Kopf Gebäudetechnik, sagt: „Wir sind sehr stolz auf Dennis“. Zusätzlich zu dem tollen Ergebnis beim landesweiten Leistungswettbewerb zeichnet den 20-Jährigen ein hohes Maß an selbstständigem und verantwortungsbewusstem Arbeiten aus, attestiert der Chef. Deshalb darf der Apparate- und Behälterbauer bereits ein halbes Jahr nach Abschluss der Gesellenprüfung für Teilbereiche Verantwortung übernehmen. Das bislang größte Teil, an dem der junge Mann beteiligt war, ein 15 Meter langer Behälter aus Edelstahl mit einem Durchmesser von 3,80 Metern, passte gerade noch auf einen Sattelschlepper.
Der Beruf erfordert sehr viel handwerkliche Tätig- und Fähigkeit. Bei Sülzle Kopf hat Berner die Fertigung von der Pike auf gelernt - im Unterschied zum ersten Ausbildungsbetrieb, den der junge Mann mit klaren Vorstellungen nach einem Jahr verließ, weil dort zu wenig zu lernen war.
Für das Unternehmen war Dennis Berner genauso ein Glücksfall wie umgekehrt: „Dennis war der einzige Azubi als Apparate- und Behälterbauer“, erzählte Henry Klein am gestrigen Freitag beim Termin der SÜDWEST PRESSE. Es sei sehr schwer, junge Leute für das Handwerk zu begeistern. „Wir sind gewillt, Leute auszubilden, aber wir kriegen fast keine“, bedauerte der Sülzle-Geschäftsführer. Mitverantwortlich macht Klein dafür auch die mangelnde Akzeptanz der Preise, die Handwerker verlangen. Im Bereich Apparate- und Behälterbau beschäftigt das Unternehmen am Standort in Bergfelden derzeit vier Mitarbeiter, hinzu kommen fünf Konstruktionsmechanikerazubis.
Berner macht die Arbeit Spaß, das merkt man auch beim Rundgang durch die Werkshalle. Stolz ist der 20-Jährige, beim Bau von zwei Großbehältern mit einem Volumen von 150000 Litern für eine Biogasanlage beteiligt gewesen zu sein. „Es ist schön, wenn man sieht, dass irgendwo was steht, an dem man mitgearbeitet hat“, sagt der junge Mann. Dann rückt Dennis Berner seine umgekehrte Schildmütze und die Latzhose zurecht und macht sich wieder an die Arbeit. Henry Klein hofft, dass andere Jugendliche durch die Auszeichnung auf den wenigen bekannten Ausbildungsberuf aufmerksam werden.
Leistungswettbewerb für Handwerkernachwuchs
Der Leistungswettbewerb „Profis leisten was“ wird seit 1951 von der Handwerkskammer Konstanz für die besten Junghandwerker ausgetragen.