Horb · Denkmalpflege
: Bildstock bedarf der Restaurierung

Horber Nachtwächter bitten beim Umgang während des Horber Advents um eine Spende.
Von
NC
Horb

Bruno Springmann, Joachim Lipp und Heinrich Raible (von links) bitten bei ihrer Nachtwächterführung während des Horber Advents um eine Spende, die der Restaurierung des Marienbildstocks am Aufgang zur Schütte zugutekommen soll.

Joachim Lipp

Seit 2006 haben die Horber Nachtwächter nach eigenen Angaben beim Horber Advent rund 9000 Euro für soziale und kulturelle Zwecke gesammelt. Nach dreijähriger Coronapause bitten die drei Herren vom Kultur- und Museumsverein nun um eine Spende zur Restaurierung des Marienbildstocks oberhalb des Schüttetörles.

Laut Erfassungen der Kleindenkmalfreunde gibt es in Horb keine Bildstöcke aus frühen Jahrhunderten. Am Hang links der Tuffsteinquellen, beim Eingang der Panoramastraße steht mit der Jahreszahl 1893 lediglich noch als Nachbildung das Unterteil eines Bildstocks, der sich ursprünglich an der Ihlinger Straße in der Nähe des Gutleuthauses befand. Das Original, in dessen Oberteil die Heilige Familie als Holzplastik untergebracht war, wurde bei Bauarbeiten zweimal umgesetzt und letztlich zerstört.

Auch der Bildstock am Aufgang zur Schütte blieb nicht unbeschädigt: Wurzeln der benachbarten Eiben brachten das im neobarocken Stil aus Sandstein geschaffene Kleindenkmal 1995 zu Fall; der städtische Bauhof setzte die vier Einzelteile neu.

Die Inschrift auf dem Bildstock lautet: „Maria mit dem Kinde lieb uns allen Deinen Segen gib“. Im aufgesetzten Häuschen befindet sich eine Steingut-Malerei, die die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigt. Auf dem unteren Teil ist das Christusmonogramm eingemeißelt.

Bildstöcke gelten als religiöse Wahrzeichen, die in der Regel aus einer Säule, einem Pfeiler oder einem ähnlichen Standfuß mit aufgesetztem Bildwerk religiöser Art bestehen. Die Tradition der Bildstocksetzung reicht bis ins 14. Jahrhundert. In der Zeit der Gegenreformation entwickelten sich Bildstöcke zu Kennzeichen katholischer Herrschaftsgebiete und erlebten vor allem während des Barocks einen Aufschwung .

Laut dem „Denkmalpflegerischen Werteplan Gesamtanlage Altstadt Horb“ aus dem Jahr 2016 handelt es sich bei dem Bildstock oberhalb des Schüttetörles um ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes, an dessen Erhalt aus wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen Gründen ein öffentliches Interesse bestehe. Der Bildstock besitzt demnach einen „dokumentarischen Wert für die Horber Kirchen- und Religionsgeschichte und zeugt von der Marienverehrung in der jahrhundertelang katholischen vorderösterreichischen Stadt.“

Allerdings irrt der Werteplan bei der zeitlichen Einordnung des Bildstocks, der laut oberer Denkmalbehörde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestiftet wurde. Nach den Erkenntnissen des Kleindenkmalforschers Heinz Schmid wurde der Bildstock erst nach dem Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle aufgestellt: Eine Familie Hofer ließ ihn errichten, nachdem die Tochter Maria von Tuberkulose geheilt worden war. Den vom Gasthaus Buß am Bildstock vorbei zur Schütte führenden Weg legte der Reichsarbeitsdienst erst 1940 an. Dies untermauert die genannte zeitliche Einordnung.

Jedenfalls hat der Zahn der Zeit an dem Marienbildstock so heftig genagt, dass eine Restaurierung nötig wird. Deshalb bitten die Nachtwächter bei ihrer Adventsführung, die am Samstag, 26. November, um 19 Uhr auf dem Marktplatz vor dem Rat- und Wachthaus beginnt, um eine Spende, um dieses Vorhaben zu unterstützen.