Ballett: Entführt in eine andere Welt

Elegant, anmutig und äußerst präzise in der Ausführung zeigten die „Ginger-Girls“ am Samstag, dass sich die akribische Arbeit der vergangenen zwei Jahre gelohnt hat. Bilder: Kuball
Nicht gesetztKeine Frage – mit ihrer Ballett-Gala am Samstagabend in der ausverkauften Rexinger Johanniter-Halle sorgten die Horber „Ginger-Girls“ unter der Leitung ihrer charismatischen Choreografin, Trainerin, Leiterin und Moderation Ginger-Tatjana Streibig für ein absolutes Musical-Ereignis in Horb.
Die Company-Chefin erklärte bei der Begrüßung mit ihrem Co-Moderator und blinden Enkel Leon Streibig: „Es gab während der gesamten Probenzeit viel Freude, Krankheit und Leid, aber eben auch viel Spaß.“ Was Letzteren anging, so fanden es die von ihr betreuten Tänzer prächtig, auch in der Gala unter dem Titel „Dance – Dance – Musical“ herüberzubringen. Wahre Jubel-Orgien waren vielfach zu vernehmen. Auch sonst blickte man in Rexingen schon während der Show in allenthalben entspannte und gelöste Gesichter. So glücklich und zufrieden können Horber sein, wenn ihnen ein qualitativ hochstehendes Programm geboten wird.
Zwei Jahre waren ins Land gezogen, ehe Ginger-Tatjana Streibig sich mit ihrer Ballett-Company wieder mit einer neuen Show vor eine breite Öffentlichkeit wandte. Dass in dieser Zeit auf vielfältiger Ebene hart und akribisch gearbeitet wurde, sollte sich gleich von Beginn an zeigen. Um so mehr, als auch die technische Leitung von Michael Streibig und Oliver Fuhrer sowie Ton und Licht durch Michael Hedler perfekt zur Programmfolge passten. Dass die „Ginger-Girls“ zudem einen großen Wert auf eine ansprechende Kulisse legen, ist gemeinhin bekannt, aber in Rexingen schienen sie sich auch in dieser Hinsicht noch selbst zu toppen.
Klasse war auch, dass die Chefin wieder ihren Enkel Leon als Co-Moderator engagiert hat, der trotz seiner Blindheit echte Entertainer-Qualitäten präsentierte und so auch seinen ganz persönlichen Beitrag zu einem für die meisten unvergesslichen Abendleistete. Dieser begann mit dem Tanz „Dance, Dance, Dance“ gleich richtig fetzig. Als Ginger und Leon das berühmte „Singing in the Rain“ ankündigten, wurde die Messlatte sogleich auf ihr oberstes Level gelegt. Darunter sollte es bis zum Schluss dieser atemberaubenden Show über drei Stunden hinweg nie gehen. Nach dem „OMG“-Knaller gab’s bei „Antoshka“, einem von Nachwuchskräften präsentierten russischen Tanz, erste laute Jubel-Rufe in der Johanniter-Halle zu vernehmen, und es sollten nicht die einzigen an diesem umwerfenden Abend bleiben.
Schlag auf Schlag ging es und alle Ginger-Girls, die an diesem Abend vors erwartungsvolle Publikum traten, verzauberten auch mit ihren ausnahmslos fantasievollen und zu den jeweiligen Themen exakt passenden Kostümen. Allein dies war schon eine Augenweide für sich. Etwa beim „König der Löwen“ oder bei „Who’s got the Pain“, wobei Choreografin Ginger-Tatjana Streibig sich – dramaturgisch geschickt – vielfach für Bühnenbeiträge aus bekannten Musicals entschieden hatte.
Auch Disco und Funk vertreten
In „Rock the Beat“ aus der Disco-Welt waren plötzlich Klänge aus „Night Fever“ zu vernehmen, die vom Ensemble tänzerisch bravourös umgesetzt wurden. Klasse auch der Ausflug in die Revue-Welt mit „Moulin Rouge“, bei dem die Tänzerinnen in bester Can-Can-Manier ihre Beine nach oben schnellen ließen. Die Kleinsten aus Ginger Streibigs Ballett-Schule warteten mit der Darbietung „Feuerstein“ auf und beim Tanz „Schattenlos“ gab’s musikalische Rückgriffe sogar auf Mozart.
Jubelstürme brandeten beim Tanz der Bambini zum „Tarzan“-Thema auf und erst recht beim „letzten Tanz“ von Kaiserin Elisabeth, dem „Totentanz“. Auch die beiden Stepp-Tänzerinnen trugen dazu bei, die enthusiastischen Besucher in eine andere Welt zu entführen. Dem Farben-Flash bei den „Macavity-Cats“ folgte das elektrisierende „Cape Noctem“ aus dem Tanz der Vampire, ehe Moderator Leon mit Blame on me“ auch als Sänger in Erscheinung trat, der gleichfalls mit frenetischem Beifall bedacht wurde.
Mit den „Roten Stiefeln“, ebenfalls aus dem „Tanz der Vampire“, ging’s fulminant in den zweiten Teil und mit dem Stück „Fame“ tauchte die Company in die Welt des Disco und des Funk ein. Klasse waren auch die Tänze zu „Dance of the Sugar Plum Fairy“ sowie zu Benny Goodmans 1930er-Jahre-Klassiker „Sing, Sing, Sing“ und vor allem auch das Falco-Medley, in das natürlich das mitreißende „Amadeus“ eingeschlossen war – um dann aufs Finale zuzusteuern. Ins tolle Udo-Jürgens-Medley „Ich war noch niemals in New York“ wurden einige seiner größten Hits mit eingebettet und das Publikum klatschte vom ersten Tanzschritt an begeistert mit. Nochmals kurz die beiden Stepp-Ladys, um dann mit dem „Smoots Criminal“ auch noch Michael Jackson auf die Bühne zu holen. Magisch war der letzte Beitrag. „Aladin“ war angesagt und die Akteurinnen tauchten die Bühne in ein echtes Farben-Meer.