Natur und Heimat waren auch im zweiten Pandemiejahr angesagt. Der Hechinger Franz Seeburger, bekannt als langjähriger Stadtführer, beschreibt seinen Glücksmoment 2021 unter der Überschrift „Kleinigkeit was Opas freut“: Früher holte ich sie oft vom Kindergarten ab, meine Enkelin Emma. Heute ist sie eine junge Dame, groß, hübsch und sportlich, die in Leipzig wohnt: Es kam ein sonniger Novembertag. Während eines Aufenthalts in Stuttgart rief sie an, sie wolle einen Abstecher nach Hechingen machen um mit mir, ihrem Opa, zu wandern. Huch, das kam überraschend. Der Opa strahlte und ließ sich schnell eine Wanderung einfallen. Schon kam sie mit ihrem Studenten-Fiat an, und wir fuhren gemeinsam zum Ausgangspunkt Jungingen.

Ein Denkmal für Schiller

Erstes Zwischenziel war das Bürgle mit dem Schillerdenkmal. Dann ging es steil hinauf zum Eineck, wo ich ihr, obwohl leicht außer Atem, erklärte, dass hier einst Ritter Heinrich von Killer, genannt Affenschmalz, residierte. Dies und andere Bemerkungen zu Geologie und Botanik quittierte sie zum Beispiel so: „Opa, pass auf die Wurzel auf, stolpere nicht!“ Ungestolpert gelangten wir nach ein paar Kilometern am Steilrand entlang auf den Köhlberg, diesen markanten Felsvorsprung, von dem aus man das Killertal in voller Länge überblicken kann. Dies gefiel meiner Leipzigerin. Hätten wir rote Würste dabei gehabt, so hätten wir sie hier gebraten. Der folgende Abstieg war steil und rutschig, doch ich war ja in lieber Begleitung. Über eine herrliche Wacholderheide schlenderten wir zum Auto zurück, wo per Selfi noch dokumentiert wurde: „Die Zwei vom Köhlberg“.

Der Bürgerentscheid!

Meta Staudt, die Lieblingsortsvorsteherin der HZ-Redaktion, braucht nur ein, zwei Schrecksekunden, um auf die Frage nach dem Positiven im alten Jahr loszulegen: Klar, die Nummer 1: „Ich hab’s nicht gekriegt!“ Man muss nicht schreiben, was gemeint ist, oder?! Dann aber freut sie sich für Boll: Trotz der Einschränkungen habe man viele Projekte umsetzen können, es gab ein kleines Platzkonzert auf dem neuen Dorfplatz, und den „Novemberzauber“ hat man auch noch hingekriegt! Besonders begeistert ist die Bollermer Ortsvorsteherin aber vom Ergebnis des Hechinger Bürgerentscheids und der Beibehaltung der Unechten Teilortswahl.

„Hier ist Paul“

Was Elke Höhfeld erzählt, tut einem in der Seele wohl: Das vergangene letzte halbe Jahr hat mich zwar sehr gebeutelt, aber eine kleine Begebenheit hat mich trotz allem sehr erfreut. Vor 40 Jahren habe ich durch das impulsive Aufknallen des Hörers auf die Gabel (solche mittelalterlichen Geräte gab es wirklich) eine langjährige Freundschaft zerstört. Alle Versuche der Wiedergutmachung meinerseits blieben unbeantwortet. Man verlor sich aus den Augen durch viele Umzüge und Beruf. Dann geschah das Wunder, mein Handy klingelte, und die Stimme am anderen Ende sagte:“ Hier ist Paul!“.
Er ist  in einer Konzertpause mit einem anderen Besucher ins Gespräch gekommen, und dann fiel plötzlich unser Name, warum, wusste er nicht mehr. Über viele Umwege erfuhr er dann meine Handynummer und hat spontan angerufen. Beide können wir uns aber nicht mehr daran erinnern, was wir damals am Telefon gesprochen haben und was mich derart in Rage gebracht hat. Das klingt doch wie Weihnachten!

Der doppelte Messner

Klaus Jetter, Stadtrat in Hechingen, VfB-Fan und Liebhaber der Berge, ist noch immer glückselig: Ich hatte im Jahr 2021 das große Glück einen wunderbaren Menschen zweimal live erleben zu dürfen. Ein sehr großes Idol von mir ist Reinhold Messner. Ich habe ihn in Reutlingen bei einem tollen Vortrag und bei einem Lagerfeuer-Gespräch auf Schloss Sigmundskron erleben dürfen. Dabei entstand das herrliche Bild von mir mit ihm im Biergarten der Schlossanlage. Dieser Mensch ist total inspirierend und ein großartiger Erzähler. Ich bin so glücklich, dass ich das 2021 erleben durfte.

Glückliche Menschen erleben

Auch Dekan Michael Knaus hat nicht diesen einen, dafür gleich viele schöne Augenblicke erlebt. „2021 gab es so viele Momente, die unglaublich schön waren“, sagt er. Es sei nichts wirklich Großes dabei gewesen, „sondern sehr viele kleine, persönliche und im Grund unspektakuläre Dinge“. Besonders in Erinnerung sei ihm eine Trauung geblieben, die vom Brautpaar schon drei oder vier Mal wegen Corona verschoben werden musste – und dann endlich doch stattfinden konnte mit allem drum und dran, so wie die beiden es sich gewünscht haben. „Das war für mich ein echtes Highlight, wenn man sieht, wie glückliche Menschen aussehen“, resümiert der Dekan.

Ein überfälliger Umzug

Norbert Dilger, seit 2014 Pfarrer im Ruhestand, hat im September mit seinem „offiziellen Auszug“ aus dem Rangendinger Pfarrhaus ein Kapitel schließen können. 42 Jahre hatte er dort seinen Erstwohnsitz – auch wenn er schon viele Jahre nicht mehr dort lebte, sondern in der Haigerlocher Straße beim Ehepaar Beiter zuhause ist. Dort hat er nun endlich seinen Erstwohnsitz anmelden können. Im Zuge seines Umzugs habe er sich zwar von vielen lieb gewonnenen Dingen trennen müssen, doch sei er jetzt „ganz hier – und dankbar dafür“. Rückblickend dankbar ist der inzwischen 75-Jährige auch für die vielen Begegnungen das ganze Jahr über. Dass sein geistlicher Beistand von so vielen Menschen noch immer geschätzt werde, „das gibt mir Erfüllung“.