Der Zollernalbkreis belegt bei der Booster-Quote weiterhin den landesweit letzten Platz. Auch bei den Erstimpfungen spielt der Kreis ganz hinten mit. Unterdessen sorgt sich die Bundesregierung um die kritische Infrastruktur – falls in der Omikron-Welle schnell viele Mitarbeiter ausfallen. Die Landkreisverwaltung hat Notfallpläne, beispielsweise für die Feuerwehr.

Was bringt die Omikron-Welle?

Welche gesundheitlichen, welche gesellschaftlichen Folgen wird die erwartete Omikron-Welle mit sich bringen? Noch ist vieles unklar, die wissenschaftliche Evidenz dünn. In einem Punkt aber herrscht unter Fachleuten Einigkeit: Die schärfste Waffe gegen die fünfte Corona-Welle wird die Schutzimpfung sein, vor allem die Auffrischimpfung. Und so versucht Deutschland (noch) schneller zu boostern, als sich die hochansteckende Omikron-Variante ausbreitet – und ja, die Booster-Strategie liege zeitlich voll im Plan, frohlockten am Mittwoch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen.

Der Zollernalbkreis ist Booster-Schlusslicht

Weniger euphorisch stimmt jedoch der Blick auf die lokale Impfquote: Nach wie vor belegt der Zollernalbkreis den letzten Platz in Baden-Württemberg, mit einer Booster-Quote von lediglich 21,8 Prozent (Stand 19. Dezember). Zum Vergleich: Im Landkreis Tübingen liegt die Booster-Quote bei 34,4 Prozent, im Landkreis Rottweil bei 29 Prozent, im Landkreis Reutlingen bei 30,1 Prozent, im Landkreis Tuttlingen bei 26,3 Prozent, im Landkreis Sigmaringen bei 28,4 Prozent und im Landkreis Freudenstadt gar bei 49,2 Prozent.

Impf-Appelle verfangen im Zollernalbkreis nicht

Und auch bei den Erstimpfungen liegt der Zollernalbkreis mit einer Quote von nun 63,4 Prozent nach wie vor auf einem der letzten Ränge der baden-württembergischen Impfstatistik. Alle Appelle – erst im November hatte etwa Professor Dr. Boris Nohé, Chefarzt der Intensivstation im Zollernalb-Klinikum, im Online-Bürgerdialog mit Landrat Günther-Martin Pauli abermals und eindringlich zum Impfen aufgerufen – scheinen im Zollernalbkreis nur selten auf fruchtbaren Boden zu fallen. Umso dringlicher erscheint da die Sorge der Bundesregierung um die kritische Infrastruktur: Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, aber auch Behörden, Energieversorger und natürlich das Gesundheitswesen seien dazu aufgerufen, entsprechende Notfallpläne vorzuhalten, heißt es aus Berlin.

Infrastruktur könnte ins Straucheln geraten

Die Befürchtung: Selbst im besten Falle, wenn die neue Variante seltener schwere Krankheitsverläufe hervorriefe, könnte die Infrastruktur ins Straucheln geraten. Dann nämlich, wenn die fünfte Corona-Welle wie befürchtet extrem schnell durch die Bevölkerung „rauscht“ – und zahlreiche Mitarbeiter krankheits- oder quarantänebedingt ausfielen. Beispiel Landratsamt: Nahezu alle Bereiche der Kreisverwaltung gehören zur kritischen Infrastruktur, wie Pressesprecherin Marisa Hahn erklärt: Von der Abfallwirtschaft, dem Amt für Bevölkerungsschutz, dem Amt für Digitalisierung (etwa für die Aufrechterhaltung der digitalen Infrastruktur im Landratsamt), dem Gesundheitsamt, dem Jugendamt (etwa im Falle von Kindeswohlgefährdungen) über das Sozialamt (Auszahlung von sozialen Hilfen) bis hin zum Straßenbauamt (etwa wegen des Winterdienstes).

Viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung arbeiten im Homeoffice

„Wir sind uns unserer besonderen Verantwortung sehr bewusst“, teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Und zugleich für besondere Herausforderungen eingespielt: „Rund die Hälfte der Mitarbeitenden der Landkreisverwaltung sind seit Frühjahr 2020 im Homeoffice“, teilt das Landratsamt mit. Einen Notfallplan, wie ihn die Bundesregierung aktuell einfordert, halte man im Zollernalbkreis ohnehin die ganze Zeit vor, heißt es weiter: „Selbst der krankheitsbedingte Ausfall einer Vielzahl von Einsatzkräften könnte im Zollernalbkreis bewältigt werden“, so Landratsamtssprecherin Marisa Hahn.

Feuerwehr: Es gibt Notfallpläne

Wäre etwa eine komplette Feuerwehrabteilung nicht mehr einsatzbereit, würde eine benachbarte Einheit einspringen. „Sogar die abgeschottete Unterbringung von Einheiten als Reserve ist vorgeplant“, so Hahn weiter. Dabei handele es sich schlicht um den Standardplan, der im schlimmsten Falle jederzeit greifen könnte. Bei den Freiwilligen Feuerwehren, beim Rettungsdienst, bei den Sanitätsorganisationen und beim Technischen Hilfswerk hielten sich die Einsatzkräfte generell an die Hinweise des Innenministeriums für den Einsatz- und Übungsdienst, erklärt das Landratsamt weiter. „Diese Maßnahmen werden regelmäßig angepasst. Zuletzt wurde am Dienstag eine aktualisierte Version herausgegeben.“

Kreisbrandmeister: „Kein Grund zur Panik“

Und zudem habe man ja bereits zu Beginn der Corona-Pandemie mit dem Führungsstab bestimmte Szenarien und mögliche Reaktionen durchexerziert. Kreisbrandmeister Stefan Hermann fasst die Situation so zusammen: „Derzeit sehen wir keinen Grund für Aktionismus oder Panik. Wir beobachten die Situation und die Entwicklung wie bisher engmaschig.“ Und: „Alle Einsatzkräfte halten sich an die Vorsichtsmaßnahmen. Wir sind für alle nur denkbaren Eskalationen gut vorbereitet.“